Mozart und Elvis gibt’s auch aus leeren Flaschen

SCHALKSMÜHLE ▪ In ihren eng geschnittenen, farbenfrohen Herrenobertrikotagen erinnern sie ein wenig an Captain Kirk, Scotty, Spock, Uhura und „Pille“, doch sie sind nicht wie einst die Enterprise in den unendlichen Weiten des Weltraums unterwegs, obwohl sie durchaus von einem anderen Stern kommen könnten.

Die Mission von Möhre, Fritze, Peter, Frank und Andy, besser bekannt als das „GlasBlasSing-Quintett“, ist durchaus irdischer Natur: Sie wollen der Flasche zu ihrem wohlverdienten Status als Musikinstrument verhelfen.

Dieser Aufgabe kamen die fünf Musiker am Freitag im Rahmen ihres Auftritts im ausverkauften PZ Löh auf überaus unterhaltsame Weise nach. Eine große Zahl unterschiedlichster Flaschen, ein paar halbe Bierkästen, ein Loop-Gerät, das zuvor eingespielte Rhythmuspassagen wiederholte und die goldenen Stimmen der Protagonisten machten die Musik, egal ob in der E- oder U-Variante, zu einem echten Hörgenuss. Mit ihren Flaschen, denen sie auf unterschiedlichste Weise Töne entlockten, schreckte das Quintett auch vor Mozarts „Türkischem Marsch“ nicht zurück.

Da ein Programm ohne Elvis-Song, so die gut gelaunten Entertainer, wie ein Boney ohne M ist, legten sie gleich im ersten Konzertteil eine der bekanntesten Schnulzen des Meisters, „Look like an angel“, hin, die die Zuhörer als Bonus auch in der High-Speed-Variante sowie in Spanischer Sprache genießen konnten. Ganz nach dem Motto „Man muss nur tief in die Flasche geschaut haben, dann ist auch Musik drin“, machten die heute in Berlin lebenden, aber am Nordrand des Harzes aufgewachsenen Künstler erfolgreich einen auf Hip-Hopper und wandelten das „Hübsche Ding“ von Seed in ein „Glasblas-Ding“ um. Den Vorwurf eines Kritikers im Rahmen einer Besprechung des Programms der „Glasbläser“, dass sich ihre Texte immer nur um die Flasche drehen, wollten die Musiker nicht auf sich sitzen lassen und beschlossen, sich fortan überwiegend mit Tieren auseinanderzusetzen. Heraus kam unter anderem ein Lied über den „Frühen Vogel“, dem übel mitgespielt wird vom frechen Wurm, welcher lieber als Angelköder endet, als sich von dem Federvieh fressen zu lassen.

Einen Song über eine Katze, die Fahrrad fährt, hatten die schrägen Vögel ebenfalls im Repertoire, denn die bestens aufgelegten Musiker waren eben immer für eine Überraschung gut. So wurde zum Beispiel ein Song wie „Good Vibrations“ gerne mal mit rhythmischem Aperitivfläschchen-Daumenploppen unterlegt, und der Longneck-Pulle nach deutscher DIN-Norm widmeten die Spaßvögel in bester Comedian-Harmonists-a-capella-Tradition den Titel „Mein kleines grünes Fläschchen“. Bei „My heart is beating like an dschungle drum“ kamen schließlich Wasserspender als Basedrum und Djembe zum Einsatz, unterstützt von halben Bierkästen als Percussion-Instrumente. Da das Publikum vor Begeisterung tobte, mussten noch einige Zugaben nachgelegt werden. Somit geriet Frank, der Plastikflaschentuba spielen musste, bei „Viva Las Vegas“ von ZZ-Top ganz schön aus der Puste und musste von den Zuschauer angefeuert werden, bevor die Musiker ihr überaus unterhaltsames Programm mit „Hit the road, Jack“ endgültig beendeten.

Wer noch nicht genug vom „GlasBlasSing-Quintett“ hat, sollte in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober ab 0.55 Uhr den Sender „3Sat“ schauen. Dort präsentiert die Combo eine eigene Fernseh-Show. – bot

Weitere Infos: http://www.glasblassing.com.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare