Dritter Verhandlungstag

Missbrauchs-Prozess: Viele offene Fragen

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Symbolfoto

Schalksmühle - Ein Vater, der zunächst noch in Schalksmühle wohnte, eine Mutter, die einen neuen Partner und weitere Kinder hatte: Es waren schwierige Bedingungen für die beiden Mädchen, die - so die Anklage - von ihrem Vater jahrelang sexuell missbraucht wurden.

Im Landgericht sagten am Freitag Vertreter aus dem Bereich des Jugendamtes und der Familienhilfe aus, die professionell mit den Mädchen zu tun hatten. In den Gesprächen habe es von Seiten der beiden Mädchen „keinerlei Hinweise auf sexuellen Missbrauch" gegeben. 

Die Arbeit mit einem der Mädchen sei nicht leicht gewesen: Drogen seien „immer im Bereich des Möglichen" gewesen, der Alkoholgenuss zu hoch. Beide Mädchen seien nachts immer länger ausgeblieben und mitten in der Nacht lärmend nach Hause gekommen. 

Der Angeklagte und sein Verteidiger schüren im Strafverfahren immer wieder den Befund einer Verwahrlosung der Kinder bei der Mutter. Diese habe dazu geführt, dass die beiden Mädchen und ihr Bruder zu ihrem Vater umzogen. „Die Mutter stimmte dem Umzug zum Vater Anfang 2017 zu", bestätigte eine Sozialarbeiterin vom Jugendamt. Auch die Mädchen hätten den Eindruck vermittelt, dass sie diesen Umzug „nicht total blöd fanden". 

"Großer Bedarf an pädagogischer und psychologischer Betreuung"

Nach der Verhaftung ihres Vater gingen sie zunächst zurück in den Haushalt ihrer Mutter. Diese hatte allerdings viel mit ihren anderen Kindern aus ihrer neuen Partnerschaft zu tun. Kleine Kinder und ältere Halbgeschwister, die spät, alkoholisiert und erst zu nächtlicher Stunde nach Hause kamen, ließen eine ratlose Mutter die erneute Hilfe des Jugendamtes annehmen. Die beiden Mädchen wurden aufgrund ihres „großen Bedarfs an pädagogischer und psychologischer Betreuung" vom Jugendamt „untergebracht".

Die Zeugin schätzte die Lage der Mädchen allerdings weniger dramatisch als ihr Kollege ein: Eines der Mädchen habe geklaut und sich nicht an Regeln gehalten. „Man wusste nicht, ob sie auf die schiefe Bahn gerät." In ihrer Arbeit habe sie aber den Eindruck gewonnen, dass der Vater der Kinder „verantwortungsbewusst damit umging".

Der Verteidiger bohrte in den Verhältnissen, unter denen die Mädchen im Haushalt ihrer Mutter lebten: Gab es körperliche Gewalt? Auch mögliche Alternativtäter brachte der Verteidiger erneut ins Spiel. Zu solcherlei Behauptungen konnten die „amtlichen" Zeugen jedoch nichts sagen.

Der Prozess wird am 11. März fortgesetzt.

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