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Ministerin Pfeiffer-Poensgen: „Genau das, was wir uns gewünscht haben“

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Von: Thomas Machatzke

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Minsterin in Schalksmühle
Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Staatssekretär Klaus Kaiser mit Anja Wolf bei der Vorstellung der Baupläne. © Thomas Machatzke

Für die NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen, und Staatssekretär Klaus Kaiser war die ehemalige Kreuzkirche in Schalksmühle am Samstagmorgen der Auftaktort zu einer großen Tour durch Nordrhein-Westfalen, bei der alle Orte des Förderprogramms „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ besichtigt werden.

Schalksmühle – Das Duo aus Düsseldorf traf in der Volmegemeinde am Samstagmorgen übernächtigte Gastgeber an: Bürgermeister Jörg Schönenberg hatte die Nacht am Löh verbracht beim Brand der Primusschule. Auch sonst war das Treiben ein geschäftiges, hatte man doch bei der Gemeinde angesichts des Brands kurzfristig entschieden, dass die Kultur schneller zum neuen Kulturort kommt als dies für möglich gehalten worden war. Die Lesung mit Wladimir Kaminer wurde in der Not aus dem Primusschul-Aula in die alte Kreuzkirche verlegt. Am Vormittag die Minsterin und der Staatssekretär, am Abend der prominente Autor aus Berlin – was für ein Tag für das 8Giebel-Projekt.

90 Minuten Zeit hatten die Gäste aus der Politik mitgebracht. 90 Minuten, die die Verantwortlichen um Anja Wolf in Schalksmühle „dramaturgisch“ durchgetaktet hatten. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es zunächst in die ehemaligen Räume des Gemeindezentrums, in denen schon bald unter anderem die Volkshochschule für Leben sorgen soll.

Und so durfte Volkshochschulleiterin Marion Görnig als erste von drei ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des 8Giebel-Projektes ihre Eindrücke schildern. „Bisher sind wir dezentral aufgestellt gewesen, nun haben wir einen Ort, an dem sich die VHS treffen“, sagte Görnig, „und dann noch mit diesem schönen Projekt. Ich war sofort dabei, als mir Anja Wolf diesen Vorschlag gemacht hat. Ich verspreche mir sehr viel davon. Hier können wir die Menschen abholen und ihnen Angebote machen, die ihren Zielen und Interessen entsprechen.“

Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: „Genau das, was wir uns gewünscht haben“

Uwe Baumann vom Theaterverein freute sich ebenfalls über die neuen Möglichkeiten, eine ganz neue Bühne für die Projekte seines Vereins. Astrid Frevel, die direkt in der Nachbarschaft wohnt und sich ehrenamtlich engagiert, brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Gesellschaft sich bald in der Kreuzkirche so niederschwellig wie möglich zusammenfinden könnte – aus „allen Schichten, allen Altersgruppen, allen Kulturen.“ „Da habe ich richtig Bock drauf“, stellte Frevel fest und fand in der neuen Projektleiterin Judith Bäcker eine Unterstützerin: „Wir haben miteinander große Lust, die Ärmel hochzukrempeln und es hier noch gemütlicher zu machen“, stellte Bäcker fest.

Kurzum: Pfeiffer-Poensgen, Kaiser und der auch der Präsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Hans-Josef Vogel, der es sich trotz Verletzung und das Angewiesensein auf zwei Gehhilfen nicht hatte nehmen lassen, nach Schalksmühle zu kommen, trafen eine höchst engagierte Bürgerschaft an.

Frau spricht vor männern
VHS-Leiterin Marion Görnig zeigte ihre Begeisterung über das neue Projekt. © Thomas Machatzke

Dramaturgisch ging es im nächsten Raum weiter, in dem Fachbereichsleiterin Anja Wolf von der Gemeinde selbst die Baupläne vorstellte. Es war kein theoretischer Vortrag, eher ein munterer Austausch, bei dem die Ministerin spontan ihre Ideen für die Verortung des neu zu schaffenden Cafébereichs einbrachte. Wolf berichtete auch davon, dass über die bekannten Pläne hinaus inzwischen Anfragen an die Gemeinde herangetragen worden sind, den alten Glockenturm möglicherweise als Kletterwand zu nutzen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt dieser Tage bei der Gestaltung des neuen Ortes.

Zum großen Finale ging es dann in die alte Kirche. Hier hatte die Theaterwerkstatt ein kleines Stück Kultur für diesen besonderen Vormittag vorbereitet. Claudia Baumann trug in ansprechender Kulisse Christine Brückners „Bist du sicher, Martinus? Die Tischreden der Katharina Luther, geborene von Bora“ vor. Die Gäste aus der Landeshauptstadt spendeten wie das gesamte Helferteam des Dritte-Ortes-Projektes lange Applaus. Der Höhepunkt des Vormittags, er war gelungen.

Frau erklärt Frau räume
Projektleiterin Judith Bäcker (links) erklärte der Ministerin die Lage in den alten Räumen des Gemeindezentrums. © Thomas Machatzke

„Das Projekt ist eine große Chance für diesen Ort“, stellte Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen nach dem offiziellen Programm fest, „ich habe gesehen, dass hier alles auf einem sehr guten Weg ist, habe eine große Bereitschaft angetroffen. Dieses Projekt war ein Experiment. Genauso, wie es hier umgesetzt wird, haben wir uns das vorgestellt. Eine Mischung aus öffentlichem und bürgerschaftlichem Engagement für einen Ort, an dem man sich gerne trifft. Es ist genau das, was wir uns gewünscht haben.“

Klaus Kaiser hatte direkt zu Beginn der Veranstaltung betont, dass man nach der Idee, die Kultur im ländlichen Raum zu fördern, an 15 Projekte gedacht, dann aber 150 Bewerbungen erhalten hatte. „Schalksmühle war nie strittig“, sagte er, „zum einen, weil der Ort spannend ist, aber auch, weil aus diesem Konzept hier etwas Gutes wachsen kann.“

Schauspiel in der Kreuzkirche
Claudia Baumann trug in ansprechender Kulisse Christine Brückners „Bist du sicher, Martinus? Die Tischreden der Katharina Luther, geborene von Bora“ vor. © Thomas Machatzke

Pfeiffer-Poensgen hatte eingangs davon gesprochen, mit diesen Projekten die „Kultur ins Alltagsleben einreihen“ zu wollen, zum Beispiel die „Musik alter Meister“ in erreichbarer Nähe präsentieren zu wollen und nicht weit weg in den großen Städten.

Eigentlich schien der Weg bis dorthin noch ein gutes Stück weit zu sein, doch dann stand, nachdem sich die besonderen Gäste am Mittag verabschiedet hatten, am Abend bereits der Besuch von Wladimir Kaminer vor der Tür. Ein Tag, den man beim 8Giebel-Projekt nicht vergessen wird.

Zuschauer beim Schauspiel
Die Minsterin und der Staatssekretär waren vom Schauspiel in der alten Kirche sehr angetan. © Thomas Machatzke

Programm „Dritte Orte“: 450 000 Euro für jedes Projekt

Mit dem Programm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft die Entwicklung und Weiterentwicklung von Kulturorten. 26 Projekte im ganzen Bundesland werden von 2021 bis 2023 mit jeweils bis zu 450.000 Euro unterstützt. Klaus Kaiser, Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft, besucht in den kommenden Wochen alle Einrichtungen.

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