Tage der Verschwiegenheit

Merkel-Besuch: Viereinhalb Tage Ausnahmezustand im MK

Merkel und Laschet besuchen Flutgebiete
+
Die Bundeskanzlerin auf dem Rasen an der Spormecke: „Für eine Gemeinde wie Schalksmühle ist es eine große Ehre gewesen“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet waren am Sonntag im Märkischen Kreis. Die Tage bis zu dem Besuch waren geprägt von Verschwiegenheit. Es waren viereinhalb Tage Ausnahmezustand.

Schalksmühle – Am Tag nach dem großen Tag ist der Bürgermeister ein bisschen müde, vor allem aber sehr erleichtert. „Ich hatte ja praktisch seit Mittwoch, 21 Uhr, Ausnahmezustand“, sagt Jörg Schönenberg. Am Mittwoch um 21 Uhr hatte sich die Staatskanzlei bei Schönenberg gemeldet. Und fortan gab es eine Menge zu regeln, immer wieder neu, von Tag zu Tag, immer wieder mit neuen Anliegen und Vorgaben und Wünschen aus Düsseldorf. Bis zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag.

Es waren Tage der Verschwiegenheit. Alle Informationen vertraulich. Selbst den Ort durfte in der Gemeinde niemand nach außen dringen lassen. Dabei hätte der aufmerksame Anwohner es erahnen können, hatten doch in der zweiten Wochenhälfte die Bundeswehrhubschrauber ihre Probelandungen auf den Wiesen an der Spormecke gemacht. Zunächst hatte ein Hubschrauber dann am Sonntag Laschet zwischen Schule und Waldgebiet in Richtung Heedfeld „abgeladen“. Von dort aus war der Ministerpräsident einmal über die mit vielen Kindern und auch Erwachsenen bevölkerte Kreuzung auf die Wiese in Richtung Stallhaus gelaufen, auf der bei Feuerwehrfesten immer die Autos parken. Hier stieg Merkel aus dem Hubschrauber – und verschwand mit Laschet dann ganz schnell im Schul- und Feuerwehrkomplex, der hermetisch abgeriegelt war.

Klare Vorgaben an die Medienvertreter

Dass Kanzlerin und Ministerpräsident die Hochwasseropfer besuchen würden, dazu hatte es irgendwann eine Mitteilung an die Öffentlichkeit gegeben. Mit klarer Vorgabe an die Medienvertreter in der Region: Merkel und Laschet kommen, und sie bringen das Filmteam und die Fotografen mit, die über den Besuch berichten. „Mit Blick auf Corona-Bedingungen ist eine zahlenmäßige Begrenzung der Medienvertreter vor Ort erforderlich“, heißt es im Schreiben der Staatskanzlei, „wir bitten um redaktionsinterne Absprache sowie um Nutzung der digitalen Beteiligungsmöglichkeiten. […] Der WDR poolt für TV. Weitere TV-Kameras können nicht zugelassen werden. Für den Bereich Foto gilt für die Termine im Märkischen Kreis ebenfalls eine Poollösung nach dem Berliner Modell. Weitere Fotografen können dort NICHT zugelassen werden...“

Kurzum: Nach dem Berliner Modell waren von der Staatskanzlei ausgewählte Medienvertreter (Filmteam, Fotograf, Berichterstatter der dpa) vor Ort, die Bilder und Filmsequenzen weiterverteilten. Medienvertreter, die in aller Regel über den Volmeort und die Bereiche im Lennetal berichten, blieben außen vor.

Für eine Gemeinde wie Schalksmühle ist es eine große Ehre gewesen. Und für die Feuerwehrleute ein starkes Zeichen.

Jörg Schönenberg, Bürgermeister von Schalksmühle

Schönenberg will derlei nicht beurteilen. „Wir haben ganz klar diese Vorgaben bekommen und uns daran gehalten“, sagt er, „werten müssen das andere.“ Schönenberg stellte aus seiner Sicht lieber heraus: „Für eine Gemeinde wie Schalksmühle ist es eine große Ehre gewesen. Und für die Feuerwehrleute ein starkes Zeichen.“ Den Zielort Spormecke hatte in diesem Kontext auch die Staatskanzlei in Düsseldorf ausgesucht. Er wurde den Schalksmühlern im Vorfeld vorgeschlagen.

Der Ablaufplan kommt spät

Den Ablaufplan für den Sonntag bekamen die Gastgeber erst am späten Samstagnachmittag mitgeteilt. Auch die Namen der Gäste aus Altena und Werdohl, deren Integrität vorher noch vom Verfassungsschutz überprüft wurde. Dazu wurde an der Spormecke alles versiegelt, machten noch am Sonntag Spürhunde die Runde. „Ja, es war fast wie im Hochsicherheitstrakt“, sagt Schönenberg, für den es nicht der erste Besuch eines hochrangigen Politikers war – so extrem indes hat er es bisher noch nicht erlebt.

Den Ablauf an sich lobt Schönenberg in höchsten Tönen. Die intime Runde (ohne jegliche Pressevertreter) im Schulungsraum der Feuerwehr. Die Art und Weise, wie sich Merkel für die Hinterbliebenen Zeit nahm, sie hat ihn nachhaltig beeindruckt. Neben Schönenberg und Feuerwehrchef Dirk Kersenbrock waren für die Gemeinde auch Ordnungsamtsleiterin Silvia Gonzalez, Katharina Berker als rechte Hand des Bürgermeisters und Björn Lisse als Ordnungsverantwortlicher der Feuerwehr dabei. Niemand sonst aus dem Volmeort, auch niemand aus der CDU, wobei Kersenbrock natürlich auch CDU-Mitglied ist.

Nun ist der Ausnahmezustand vorbei. „Es war ja ein Zufall, dass wir ausgewählt worden sind“, sagt Schönenberg, „weil wir so günstig an der Strecke lagen und auch wegen der Hubschrauberlande-Möglichkeiten.“ Er atmet durch. Stolz und zufrieden, dass alles gut gelaufen ist: „Wir sind sehr gerne Gastgeber gewesen“, sagt er, „es ist viel Arbeit gewesen, man macht es gerne, aber bitte nicht jede Woche…“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare