Was der Mensch braucht

+
Die Mitglieder des Organisationsteams des Gottesdienstes „Höchste Zeit“ sorgten am Sonntagabend auch für die musikalische Begleitung.

Heedfeld -  „Soviel Du brauchst“, der Titel eines Buches der Autorin Susanne Niemeyer, war am Sonntag auch das Motto des „Höchste Zeit-Gottesdienstes“ in der Evangelischen Kirche Heedfeld.

Von Björn Othlinghaus

Wie viel braucht der Mensch, der von der Überflussgesellschaft längst vollkommen übersättigt ist, seinen Bauch mit zu viel Nahrung füllt und die Schränke und Ecken mit nicht genutzten Dingen vollstopft, eigentlich wirklich? Auf diese Frage wollte das Organisationsteam des Gottesdienstes, dessen Mitglieder einmal mehr auch für die musikalische Begleitung sorgten, nicht alleine die Antwort geben. Diesmal waren auch Gäste eingeladen, die aus ganz unterschiedlicher Sicht Denkanstöße zum Thema geben konnten.

Da war zum Beispiel Hanni Bethke von der Lüdenscheider Tafel. Sie spürt ebenso wie ihre derzeit rund 80 ehrenamtlichen Kollegen nicht nur hautnah, wie unsere Wegwerfgesellschaft oft mit überschüssigen Lebensmitteln umgeht, sondern sie sieht Tag für Tag auch die Kehrseite der Medaille. Nämlich Menschen, die mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht, nicht mal mehr genug Lebensmittel einkaufen können, um satt zu werden. „Jeder, der nachweisen kann, dass er anspruchsberechtigt ist, kann bei uns Lebensmittel erhalten“, erklärte Bethke.

Obwohl in vielen Supermärkten und Geschäften Unmengen von Lebensmitteln weggeworfen würden, sei es nicht leicht, tagtäglich die Menge an Waren zusammenzubekommen, die benötigt wird. „Auf Spenden von Milchprodukten sind wir im besonderen Maße angewiesen“, betonte Hanni Bethke. Auch Brot zu bekommen war lange Zeit schwierig. „Nun ist jedoch ein großer Discounter wieder mit im Boot, und es ist deutlich besser geworden.“

Ob die Menschen denn dankbar für die Hilfe seien, die sie bei der Lüdenscheider Tafel bekommen, wollte die Moderatorin von Hanni Bethke wissen. „Hin und wieder hört man schon mal ein ‘Danke’ und einige schenken uns sogar etwas als kleine Anerkennung unserer Arbeit“, antwortete Bethke. „Viele entwickeln aber leider auch ein Anspruchsdenken und benehmen sich so wie im Supermarkt. Die holen eine Liste raus und erwarten, dass genau diese Waren dann in die Tüte kommen.“ Im Vorfeld des Gottesdienstes war dazu aufgerufen worden, Lebensmittelspenden für die Tafel mitzubringen.

Eine ganz andere Sicht auf die Frage, was der Mensch braucht und was nicht, konnten dagegen einige CVJM-Mitglieder vermitteln, die mit zahlreichen Kindern und Jugendlichen ein dreiwöchiges Camp im Wald mit umfangreichem Baumhausbau auf die Beine gestellt hatten. „In den drei Wochen haben wir nicht nur 15 Tonnen Holz in den Bäumen verbaut, sondern auch ohne fließendes Wasser, ohne Elektrizität und nur mit Schlafsäcken für die Nacht im Camp gelebt“, erklärte der Leiter des Baumhaus-Camps, Timo Kölker.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare