Hilfe bei trockenen Augen

Bei der Behandlung von Benetzungsstörungen kommen Serum-Augentropfen zum Einsatz. Meise Medizintechnik hat nun ein neue Idee für den Herstellungsprozess entwickelt.

SCHALKSMÜHLE - Viele Patienten, die einen Augenarzt aufsuchen, leiden unter Benetzungsstörungen des Auges – im Volksmund als „trockenes Auge“ bekannt. Die Behandlung ist meist sehr kostenintensiv. Das Schalksmühler Unternehmen Meise Medizintechnik hat nun eine Lösung entwickelt, die der Medizin bei der Behandlung Hilfe bietet.

Typische Symptome von Benetzungsstörungen sind ein Brennen und Kratzen im Auge bis hin zu akuten Sehstörungen. Negative Einflüsse wie Luftverschmutzung, das häufige Arbeiten am PC oder auch die Benutzung von Kontaktlinsen sind die häufigsten Ursachen für trockene Augen.

Zur Behandlung von schweren Fällen bietet sich die Behandlung mit Serum-Augentropfen an, die aus Eigenblut gewonnen werden. Das Verfahren zur Gewinnung ist aufwendig und kostenintensiv. Die Kosten in Höhe von bis zu 3000 Euro trägt der Kassenpatient selbst.

Aktuell läuft das Herstellungsverfahren so ab, dass dem Patienten eine größere Menge Blut entnommen und in einen Serumbeutel abgefüllt wird. In einem keimbefreiten Raum, über den aktuell nur wenige Uni-Kliniken in Deutschland verfügen, wird anschließend das Serum mit einem aufwendigen Verfahren portionsweise abgefüllt. Das Serum bildet sich als Überstand beim geronnenen und anschließend zentrifugierten Blutkuchen in dem Beutel.

Meise Medizintechnik hat nun eine neue Idee für den Herstellungsprozess entwickelt, mit der die Kosten für die Herstellung der Einzelapplikatoren deutlich gesenkt worden.

Die eigentliche Neuheit dabei sei die Fertigung und Befüllung des Eigenserums in sterile Einzelapplikatoren in einem komplett geschlossenen und damit absolut sterilen System. „Also ein Prozess, der die kostenintensive Befüllung in sterilen Laboren entbehrlich macht“, heißt es vom Unternehmen.

Die Handhabung sei einfach und sicher. Die Füllung der Applikatoren könnte jetzt vor Ort bei der Blutbank erfolgen.

Durch die neue Verpackungsmethode in Einzelapplikatoren würden die Augentropfen zudem als Medikament klassifiziert. Auf Rezept wird das Serum an den Patienten abgegeben. Hier sagen bisweilen die Medizinischen Dienste der Krankenversicherungen (MDK), dass die Kosten für dieses Medikament nicht von den Krankenkassen getragen werden. „Ein Widerspruch, der nur schwer nachzuvollziehen ist“, erklärt Geschäftsführer Heinz Meise. Mit diesem Verfahren könnten diese Leistungen sogar über Apotheken angeboten werden, wenn der behandelnde Arzt ein Rezept ausstellt. Die Blutbank müsse das Serum lediglich an die Apotheker ausliefern. „Dafür müssen die gesetzlichen Krankenkassen allerdings erst einmal die Voraussetzungen schaffen. Und das kann dauern – zum Leidwesen der betroffenen Patienten“, sagt Meise.

Das neue Meise-System wurde bei Hornhautspezialist Dr. med. Philipp Steven vorgestellt. Der an der Universitätsklinik in Köln tätige Mediziner bestätigte, dass die Herstellung des Serums und die Füllung der Applikatoren praktisch jede Blutbank in der Nähe des zu behandelnden Patienten übernehmen kann. Dazu würden auch sämtliche Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes zählen.

Von Volker Gogoll

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