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Medikamentenmangel in Apotheken: Kein Verkauf großer Mengen

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Von: Frank Laudien

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Apothekerin Annette Reuner hat in der Hirsch-Apotheke noch ein paar selten gewordene Medikamente auf Lager. Immer öfter gibt es Lieferengpässe bei den Arzneimitteln. Apotheken und Gesetzgeber versuchen, die Versorgung mit Ausweichprodukten und Reglementierungen zu sichern.
Apothekerin Annette Reuner hat in der Hirsch-Apotheke noch ein paar selten gewordene Medikamente auf Lager. Immer öfter gibt es Lieferengpässe bei den Arzneimitteln. Apotheken und Gesetzgeber versuchen, die Versorgung mit Ausweichprodukten und Reglementierungen zu sichern. © Laudien, Frank

Medikamentenmangel ist ein Thema, aber bisher kein unlösbares Problem. Das sind die Tipps und

Schalksmühle – „Amoxicillin, Ebrantil, Bisoprolol, Ibuflam, Aldactone, Ratio-Nasenspray für Kinder,…“, Apothekerin Annette Reuner von der Hirsch-Apotheke kann noch einige Medikamente mehr aufzählen, die derzeit nicht oder nur schwierig erhältlich sind. Solche Engpässe in der Verfügbarkeit kommen seit einigen Jahren immer häufiger vor.

Während es bei Fiebersäften oder Nasensprays noch Ausweichprodukte gibt, stehen Patienten, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, vor einem Problem. Zuletzt war es das für Krebspatienten wichtige Arzneimittel Tamoxifen, das durch seine fehlende Verfügbarkeit für Aufsehen gesorgt hat.

Frühzeitig melden

Auch in Schalksmühle gibt es gelegentlich Engpässe in der Medikamentenversorgung. Annette Reuner kennt das Problem, weiß aber auch, wie sie ihren Kunden helfen kann: „Wir sind in einem Filialverband, und die Partnerapotheken können sich gegenseitig aushelfen.“ So lange ein Medikament in einer der angeschlossenen Apotheken verfügbar ist, könne es zeitnah beschafft werden.

Auch der Gesetzgeber schreitet regulierend ein. Das passiere immer wieder mal, weiß die Apothekerin, doch „dann dürfen nur noch kleinere Packungen ausgegeben werden.“ Derzeit gebe es immer noch leichte Lieferprobleme bei Medikamenten mit dem Wirkstoff Paracetamol. „Von Medikamenten mit diesem Wirkstoff dürfen wir keine größeren Mengen verkaufen. Zehn Packungen Paracetamol dürfte ich zum Beispiel nicht an einen Kunden ausgeben.“

Ursache ist nicht der Ukraine-Krieg

Der Grund für diese Engpässe liegt ausnahmsweise nicht nur an der Coronapandemie oder dem Krieg. „Einige Wirkstoffe werden im Ausland produziert. Zum Beispiel in China oder Indien“, erklärt Annette Reuner. Aus den Wirkstoffen und weiteren Zusatzstoffen werden dann die Medikamente hergestellt. Wenn es auf dem Transportweg Probleme gibt, fehlen diese Zutaten, die zur Herstellung benötigt werden. Das sei etwa der Fall gewesen, als das Containerschiff „Ever Given“ im Suezkanal auf Grund lief. Sechs Tage lang blockierte der 400 Meter lange Frachter den wichtigen Wasserweg und sorgte für viele Engpässe in Deutschland, auch in den Apotheken. Ein weiteres Problem seien gelegentlich auftretende Verunreinigungen der Wirkstoffe, die diese unbrauchbar machen. Auch der lang anhaltende Lockdown in Shanghai wirke sich auf die Verfügbarkeit einiger Wirkstoffe aus.

„Eine Lösung dieser Probleme wäre, die Produktion ins Inland zu verlegen“, schlägt Reuner vor, weiß aber auch, dass so etwas marktwirtschaftlich nicht umsetzbar sein wird. „Wir können das Rad ja nicht rückwärts drehen.“

Keine Hamsterkäufe in der Gemeinde

Hamsterkäufe, wie sie zu Coronazeiten in den Supermärkten üblich waren, sind bei den Medikamenten bisher nicht vorgekommen. Durch eine vorausschauende Planung seitens der Apotheker sollte es dazu auch nicht kommen. „Wir kaufen schon im Frühjahr die Medikamente für den Herbst ein“, erklärt die Apothekerin. „Wenn Medikamente im Großhandel nicht vorrätig sein sollten, kann man sich auch vormerken lassen und erhält dann die Lieferung, sobald sie eintrifft.“

Sorgen machen müssen sich die Kunden daher nicht, versichert Annette Reuner. Auch wenn es hin und wieder zu Engpässen komme, wäre die Versorgung gesichert. Die Apotheker würden alles unternehmen, um auch in solchen Situationen die benötigten Medikamente zu beschaffen. Ihr Tipp, wie auch die Kunden möglichen Engpässen vorbeugen können: „Man sollte sich nie auf den letzten Drücker sein Rezept ausstellen lassen, sondern sich möglichst frühzeitig darum kümmern.“

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