Mauerbau löste eine unbändige Wut aus

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Hans Jürgen Rott hat als Schüler Fotos in Berlin gemacht, wenige Wochen nach der Abriegelung der Grenzen. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Am 13. August jährt sich der Bau der Berliner Mauer beziehungsweise die Schließung der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik zum 50. Mal. Der Schalksmühler Hans Jürgen Rott war nur wenige Wochen später in Berlin und hat mit seiner Kamera einige der Eindrücke eingefangen, die er als Schüler sammelte, unmittelbar nachdem die innerdeutsche Grenze abgeriegelt worden war.

Einige der Fotos aus dem Berlin im September 1961 hat Rott der Redaktion für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Sie dokumentieren den Schrecken über die Gewalt, mit der das DDR-Regime nun gegen Flüchtlinge vorging, aber auch die Angst davor, was sich daraus entwickeln könnte.

Rott war damals, als 18-jähriger Schüler des Berufskollegs für Technik am Lüdenscheider Raithelplatz, auf Klassenfahrt in Berlin. Die Reise war geplant, lange bevor am 13. August die DDR mit dem Mauerbau begann. Die Reise mit rund 40 jungen Leuten abzusagen, sei nicht in Frage gekommen, aber eine gewisse Sorge, was die Schüler auf der Fahrt durch die DDR, die für die meisten noch „die Zone“ war, und im abgeriegelten West-Berlin erwartete, gab es. „Wir haben auch politisch diskutiert“, erinnert sich Rott. Die Angst vor einem erneuten Krieg sei allgegenwärtig gewesen, denn zu dem Zeitpunkt sei längst noch nicht klar gewesen, wie die westlichen Alliierten auf den Mauerbau reagieren würden.

Aber neben dieser Furcht habe es vor allem auch eine „unbändige Wut“ über das DDR-Regime um Walter Ulbricht gegeben. Nicht zuletzt geschürt wurde diese Wut angesichts der mit Stacheldraht abgeriegelten Grenze und der spontan entstandenen Gedenkplätze für Menschen, die beim Fluchtversuch umgekommen waren. Ein Besuch in Ost-Berlin kam im September 1961 nicht in Frage. Umso größer war die Unsicherheit, als die jungen Leute mit der Straßenbahn, die noch ein Ost-Berliner Betrieb war, vom Theater des Westens zurück zu ihrer Unterkunft fuhren. Ein Teil der Strecke führte durch den Ostteil der Stadt. „Bis 24 Uhr musste man raus sein, da war immer eine gewisse Sorge, ob das nach der Aufführung noch passte.“ Aber für die Schüler, die nicht viel Geld hatten, waren die 20 Pfennige, die die Fahrt kostete ausschlaggebend.

Solange es die DDR gab, war Rott später noch öfter beruflich in West-Berlin. Die Beklemmung auf der Transit-Strecke hat ihn nie verlassen. Das erste Mal hat er das in eben jenem September 1961 erlebt, als die Personalausweise der Schüler eingesammelt wurden, um sie zu kopieren. Seit dem Fall der Mauer fühlen Hans Jürgen Rott und seine Frau sich ganz besonders zu dieser Stadt hingezogen. Einmal im Jahr sind sie in der Regel dort. ▪ gör

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