Wandelt auf Platz eins bei Historischer Meisterschaft

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Dieter Wandelt mit seiner selbstgebauten P11. Der Motor stammt von BMW, den Rest baute der Schalksmühler nach den Entwürfen eines Modells aus dem Nürnberger Raum.

Schalksmühle - Aus sechs Meter langen Stahlrohren baute Dieter Wandelt die Maschine, mit der er in diesem Jahr die Deutsche Historische Motorradmeisterschaft (DHM) gewann. Der Motor stammt von BMW, den Rest des rot-weißen Gespanns baute der 68-Jährige komplett in Eigenregie.

Von Alisa Kannapin

Dass er einmal ein Faible für Motorrad-Gespanne entwickeln würde, hätte Dieter Wandelt selbst nie gedacht. Seit 52 Jahren fährt er motorisierte Zweiräder und erst durch seinen Hund kam Wandelt auf ein Gespann. „Das ist ganz anders als Motorradfahren, vor allem in den Kurvenlagen“, erklärt der Pensionär. Heute besitzt er insgesamt acht Motorräder, momentan baut er an einem neuen Gespann, welches ein Monocoque-Fahrwerk erhält.

Mit der Vorliebe für Gespanne kam auch die Teilnahme an Motorradrennen. Die ersten Wettkämpfe fuhr Wandelt mit dem Gespann P77, bevor er sich 2008 an den Bau der P11 machte. Als Beifahrerin begleitete ihn über Jahre seine Tochter Henrike. Beim Fahren ist der Motorradfahrer immer auf die Mitarbeit seines Begleiters angewiesen, der sich stark in die Kurven legen muss.

Das Renngespann ist mit einem normalen Motorrad mit Beiwagen nicht zu vergleichen. Zum einen sitzt der Fahrer nicht auf dem Fahrzeug, sondern kniet darauf. Darüber hinaus hat der Beiwagen keinen Sitz, sondern eine Liegefläche. Denn beim Fahren ist der Beifahrer stark gefordert, hängt sich entweder komplett von der Fläche weg oder liegt über dem Fahrer. Bei rund 200 Stundenkilometern nicht ganz ungefährlich. „Wenn der Beifahrer nicht aufpasst, funktioniert es nicht. Das muss auf den Punkt genau stimmen“, erklärt Dieter Wandelt. Doch auch die Kraft des Fahrers ist gefordert, um die Maschine zu lenken. Um fit zu bleiben, besucht Wandelt dreimal in der Woche das Fitnessstudio.

An den Rennen der DHM nimmt er als Mitglied des Motorradclubs Schotten (in der Nähe von Fulda) teil. Heute wird er von seinem Anwalt Stephan Otto begleitet, mit dem er auch gleich erste Erfolge verzeichnen konnte. 2013 kamen sie in der Klasse P auf den zweiten Platz. Platz 1 erreichten sie schließlich in diesem Jahr gleich zweifach. Nicht nur in der Klasse P wurde das Duo Meister, sondern sie holten sich auch den Titel des Gesamtdeutschen Meisters. Ende Oktober findet die Meisterschaftsfeier in Schotten statt.

Wenn er mit dem Bau des neuen Gespanns gut voran kommt, möchte Wandelt bereits im kommenden Jahr mit der neuen Maschine an den Start gehen. Ende April, Anfang Mai beginnen die Wertungsläufe. Insgesamt hat die DHM sieben Rennen mit je zwei Wertungsläufen, die unter anderem auf Strecken wie dem Hockenheimring oder Nürburgring stattfinden. Ein Rennen dauert meist 20 Minuten. Die Teilnahme geht auch ins Geld: Die Startgebühr beträgt pro Rennen 165 Euro, dazu kommen Anreise und Verschleißteile.

So gut wie jeden Tag tüftelt und bastelt der 68-jährige Wandelt an seinen Maschinen. Um genügend Ruhe und Platz fürs Werkeln zu haben, hat Wandelt die ehemalige Einliegerwohnung seiner Mutter zur Werkstatt umgebaut. Zwischen Kamin und Deckenlampe stehen nun Baumaschinen und Hebebühnen. Das Wissen hat sich der gelernte Werkzeugmacher selbst beigebracht. Schwierig sei aber vor allem die Beschaffung von Ersatzteilen. Das hindert Dieter Wandelt aber nicht an immer neuen Projekten. „Ich müsste eigentlich 115 Jahre alt werden, um das alles umzusetzen“, sagt der Schalksmühler und schmunzelt.

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