Kapuzenpulli des Angeklagten und Total-Shirt untersucht

Tankstellen-Überfall: Für  angeklagten 22-Jährigen wird es eng

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Schalksmühle/Hagen - Es wird eng für den 22-jährigen Angeklagten im Tankstellen-Prozess - denn ein Experte präsentierte im Prozess die Ergebnisse von Faseruntersuchungen, die zwei Kleidungsstücke betrafen. Dem 22-jährigen wird vorgeworfen, am 7. Oktober 2018 gegen 17 Uhr die Total-Tankstelle in Schalksmühle überfallen zu haben. 

Der Täter - zuvor hatte es widersprüchliche Zeugenaussagen gegeben, ob es sich um den 22-Jährigen handelt - hatte der Kassiererin ein Messer an den Hals gehalten und sie gezwungen, die Kasse zu öffnen. Anschließend war er zu Fuß mit etwa 500 Euro entkommen. 

Ein Experte „für Material-, Mikro- und Haarspuren“ des Landeskriminalamtes in Düsseldorf präsentierte am Mittwoch die Ergebnisse von Faseruntersuchungen, die zwei Kleidungsstücke betrafen. In Augenschein nahm sein Labor einen Kapuzenpulli, den die Polizei beim Angeklagten sichergestellt hatte, und ein Poloshirt mit dem Total-Logo der Tankstelle, das die Kassiererin nach dem Überfall bei der Polizei abgegeben hatte. 

„Es gibt eindeutige Hinweise auf einen wechselseitigen Kontakt dieser beiden Kleidungsstücke“, lautete das Fazit des Gutachters. Vor allem der untersuchte Kapuzenpulli war demnach eine sprudelnde Quelle von Fasern, wie sie auf ihrem Shirt wiedergefunden wurden. Das lag am erheblichen Abnutzungsgrad des Kleidungsstücks, der die verarbeiteten Polyesterfasern brechen ließ und an ihren Enden „wie ein Pinsel auffächerte“. 

Identische Faserspuren

Die Fasern in dem erheblich jüngeren Total-Shirt lösten sich nicht gleichermaßen bereitwillig aus ihrem Verband. Aber einzelne Exemplare waren im Gegenzug auch auf dem Kapuzenpulli zu finden. Der Experte machte allerdings die Einschränkung, dass die auf den beiden Kleidungsstücken von dem jeweils anderen aufgefundenen Faserproben lediglich „materialidentisch“ seien. Theoretisch könnten sie auch von anderen Kleidungsstücken stammen, in denen die gleichen Fasern verarbeitet sind. Einem bestimmten individuellen Kleidungsstück lassen sich die Proben nicht zuordnen. 

Es gab allerdings eine dritte Faserspur von einer weiteren Quelle, die die Ermittler in übereinstimmender Qualität auf beiden Kleidungsstücken fanden. Diese Spur lässt sich ohne die Annahme der Abgabe einer dieser Fasern an das andere Kleidungsstück kaum erklären. Dass die beiden Kleidungsstücke sich kurzzeitig trafen, lag an der Ausführung der Tat: Der Räuber hatte einen Arm mit dem Messer um den Hals der Angestellten gelegt – eine typische Gelegenheit für die Übertragung mikroskopisch kleiner Faserspuren. 

Alles zum Prozess

Theoretisch bleibt noch die Möglichkeit, dass eine andere Person den beim Angeklagten aufgefundenen Pullover während des Überfalls getragen hatte. Breiten Raum nahm auch die Erörterung einer weiteren Möglichkeit ein: Theoretisch könnten beide Kleidungsstücke nacheinander auf einen Tisch der Polizeiwache in Lüdenscheid gelegt worden sein. Das hätte ausreichen können, um einen solchen Befund herbeizuführen, erklärte der Experte. Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass die ermittelnden Beamten tatsächlich derart dilettantisch vorgegangen wären. 

Der Staatsanwalt wies außerdem darauf hin, dass selbst bei einem solchen Vorgehen keine gegenseitige Übertragung von Faserspuren auf den beiden untersuchten Kleidungsstücken zu erwarten gewesen wären. Der Prozess wird am 20. März im Landgericht fortgesetzt.

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