Ärger mit Unterwäsche

Wegen Unterhosen vor Gericht: 22-Jähriger kauft online ein

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Aus der Abteilung „ziemlich überflüssige Strafverfahren“ stammte die Anklage gegen einen 22-jährigen Schalksmühler, der sich in einem der wenigen derzeit stattfindenden Prozesse wegen eines angeblichen Betruges verantworten musste.

Auch in der Basisvariante verursacht so ein Verfahren beim Jugendstrafrichter einen erheblichen Personalaufwand: Neben dem Richter wurden ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, ein Protokollführer und eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe benötigt. Einen Anwalt hatte der junge Mann aus Schalksmühle nicht mitgebracht. Dass er auf der Anklagebank des Amtsgericht Lüdenscheid sitzen musste, hatte er sich selbst eingebrockt. 

Am 3. Dezember 2018 hatte er bei einem Online-Handelsgiganten Herrenunterwäsche zum Preis von 24,99 Euro bestellt, die ihm wunschgemäß an seine Adresse in Schalksmühle geliefert wurde. Aus Gründen, die der in keiner Weise vorbestrafte Angeklagte letztlich nicht so ganz aufklären konnte, ging die Rechnung – wohl aufgrund der Voreinstellung seines Computers –nicht an ihn, sondern an eine Freundin. 

Freundin wollte Unterwäsche nicht bezahlen

Die sah keinerlei Veranlassung, Herrenunterwäsche zu bezahlen, die sie nicht bestellt hatte. Aus der Rechnung ging auch nicht hervor, dass der ihr bekannte Angeklagte die Wäsche bestellt hatte. „Mir war nicht klar, dass er bestellt hatte“, erklärte die 20-Jährige im Amtsgericht. Und so hatte sie die Rechnung weggeworfen, bis diese inklusive Inkassokosten auf rund 55 Euro angewachsen war. Der Angeklagte bekam seinerseits keine Rechnung und übersah deshalb seine Zahlungspflicht.

„Keiner“ bezahlte die Unterhosen, wie er auf Nachfrage von Richter Wolfram Arnold bestätigte. Mit der Ladung ins Amtsgericht Lüdenscheid hätte er zumindest diese Säumigkeit beenden sollen. Der Jugendrichter sah dennoch keine böse Absicht und stellte das „völlig unnütze“ Verfahren nach einer Ermahnung ein. „Muss so was vor Gericht kommen?“, lautete sein Kommentar zum Abschluss.

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