Brandstifter vor Gericht

„Ich hörte ihn um Hilfe schreien“ - Zeugen sagen im Brandstiftungsprozess aus

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Feuer am Linscheider Berg: Angeklagter soll das Haus in Brand gesetzt haben.

Schalksmühle/Hagen - In dem Verfahren gegen einen 28-jährigen Schalksmühler kamen Augenzeugen zu Wort. Er soll zwei Häuser in Brand gelegt und so Menschen in Gefahr gebracht haben.

Im Brandstiftungsprozess haben erneut Augenzeugen des Brandes am 9. Dezember ausgesagt. Ein gehbehinderter Bewohner (64) aus der vom Brand glücklicherweise nicht direkt betroffenen Hälfte des Doppelhauses berichtete, dass er in jener Nacht schlecht geschlafen habe und deshalb wach war, als er „Schwaden“ vor dem Fenster sah. „Ich dachte, es sind Nebelschwaden.“ 

Dieser Irrtum war schnell aufgeklärt: „Ich machte das Fenster auf und hörte unseren Vermieter um Hilfe schreien.“ Der Zeuge rief die Feuerwehr an, die den in Lebensgefahr schwebenden Vermieter bald darauf über eine Leiter rettete, weil er nicht mehr durch das verrauchte Treppenhaus fliehen konnte. Auch das Nachbarhaus musste wegen der Gefahr eines Überspringens des Feuers und wegen der Rauchentwicklung mitten in der Nacht geräumt werden. 

„Ein nasses Handtuch und raus!“, erinnerte sich die Ehefrau (69) des aufmerksamen Zeugen an die eilige Flucht aus dem Haus. Beide wurden im Rot-Kreuz-Heim untergebracht und mussten dort auf das Ende der nächtlichen Löscharbeiten warten. Sorgen machte ihnen das Schicksal ihrer Katze: Das Tier hätten sie beim eiligen Verlassen des Hauses nicht mitnehmen können, berichteten sie nach ihrer Vernehmung, als sie vor dem Landgericht auf ihr Taxi warteten. Ihre Doppelhaushälfte geriet glücklicherweise nicht in Brand. 

Schwieriges Verhältnis zum Vermieter

Erneut war das schwierige Verhältnis vieler Bewohner der Siedlung zu ihrem Vermieter Thema. Die beiden älteren Zeugen beschrieben ihn als „freundlich und hilfsbereit“, als „geselligen Menschen und Freund“. Als er nach dem Brand mit einer Rauchgasvergiftung auf der Intensivstation lag, rief der 64-Jährige im Krankenhaus an, um sich nach seinem Ergehen zu erkundigen. Auch das Ehepaar wusste von zerschlagenen Scheiben, angebrannten Klingelschildern und verwüsteten Wohnungen in der Siedlung. „Die meisten machen – glaube ich – Theater“, erklärte die 69-Jährige. „Sie zahlen ihre Miete nicht, und es ist sehr viel Alkohol im Spiel.“ 

Beide Zeugen erinnerten sich, dass sie bei ihrer Rückkehr in ihre unversehrte Wohnung eine rätselhafte Gestalt an dem Haus gesehen hatten, die sie nicht zuordnen konnten. „Das war nicht der Angeklagte!“, versicherte der 64-Jährige. Laut Anklage soll der Brandstifter einen Mittäter gehabt haben, der sich wenige Tat nach dem Brand das Leben genommen haben soll. Dieser Aspekt ist in der Verhandlung bisher kaum thematisiert worden. Der Angeklagte selbst hat sich auch weiterhin nicht zu den Vorwürfen geäußert. 

Der Prozess wird erst nach einer längeren Pause am Montag, 3. August, ab 14 Uhr fortgesetzt.

Der Fall: 28-Jähriger soll Brände gelegt haben

Ein 28-jähriger Mann aus Schalksmühle muss sich wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen verantworten. Er soll in der Nacht des 9. Dezember 2019 gemeinsam mit einem Mittäter ein Doppelhaus am Linscheider Berg in Brand gesetzt haben, um seinen Vermieter zu töten. Am 22. Juli 2019 soll der Angeklagte ein weiteres, offiziell leer stehendes Haus in Schalksmühle angezündet haben.

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