Malerarbeiten in der Hülscheider Kirche

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Die Orgel wurde sorgfältig abgedeckt, während Wände und Decke der Kirche in Hülscheid gestrichen wurden. Die Farben wurden streng nach den Auflagen des Denkmalschutzes ausgewählt.

Hülscheid - Für die evangelische Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld und ihre Gotteshäuser hat das Jahr des Reformationsjubiläums eine besondere Bedeutung: Über Jahrhunderte existierten im Schalksmühler Höhengebiet mit einer lutherischen und einer reformierten zwei protestantische Gemeinden nebeneinander, die ihre strikte Trennung erst aufgrund der wirtschaftlichen Not nach dem Ersten Weltkrieg aufgaben. Für die Gemeinde ergibt sich aus der Geschichte die Besonderheit, zwei denkmalgeschützte Kirchen zu unterhalten – beide sollen zum Reformationsjubiläum in neuem Glanz erstrahlen.

Das ist der Wunsch der Stiftung Hülscheid-Heedfelder Kirchen, der mit den jüngsten Arbeiten in Hülscheid in fast schon greifbare Nähe rückt: In dieser Woche will der Malerbetrieb Maus aus Werdohl die Arbeiten am Innenanstrich in der alten Dorfkirche in Hülscheid abschließen, freut sich der ehemalige Baukirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld und Mitbegründer der Stiftung, Karl Nüsken. Bereits am Montag strahlten die Wände in leuchtendem Weiß. Danach wird es, wie schon in Heedfeld, noch neue Beleuchtung und eine neue Akustikanlage für das ältere der beiden Gotteshäuser geben. Rechtzeitig zum Ende der Hülscheider Winterpause im März sollen die Kirchenbänke wieder an Ort und Stelle stehen, damit die Gottesdienste wieder im Wechsel in beidenKirchen gefeiert werden können.

Um das Ziel fürs Reformationsjahr zu erreichen, fehlt noch der Außenanstrich in Hülscheid – aber der werde erst in Auftrag gegeben, wenn ausreichend Geld zur Verfügung stehe, erklärt Nüsken die Arbeitsweise der Stiftung, deren Vorsitzender er lange war. Wie berichtet, waren im vergangenen Jahr vergleichbare Maßnahmen an der Kirche in Heedfeld abgeschlossen worden – erst der Innenanstrich in Verbindung mit einer neuen technischen Ausstattung, dann der Außenanstrich. Alle Sanierungsmaßnahmen werden im Wesentlichen durch Mittel finanziert, die die Stiftung aufbringt. Rund 30 000 Euro, schätzt Nüsken, sind das bislang. Außerdem ist die enge und gute Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden wichtig, betont Nüsken.

Langer Streit zwischen zwei Gemeinden

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum rückt auch die ungewöhnliche Geschichte der Gemeinde im Höhengebiet wieder in den Fokus. Wie der ehemalige Kirchenarchivar Otto Zündorf notiert hat, wurde die Kirchengemeinde in Hülscheid 1582 im Zuge der Reformation lutherisch. Kurz nach dem Westfälischen Frieden allerdings bekannte sich der damalige, ursprünglich lutherische Pfarrer Nuesgen zum reformierten Heidelberger Katechismus. Viele Bürger weigerten sich, diesen Schritt mitzugehen. Das Anliegen der Lutherischen, eine eigene Gemeinde zu gründen, wurde lange abgelehnt. Erst 1720 gab es durch den preußischen König den Befehl, den Lutherischen in Hülscheid die freie Religionsausübung zu gestatten. Sie bauten ihre eigene Kirche und nannten den Ort Heedfeld. Versuche, den Streit zwischen beiden Gruppen beizulegen, habe es laut Zündorf zwischen 1880 und 1908 immer wieder gegeben, um die Gemeinden zu „unieren“, also zu vereinigen. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg war der wirtschaftliche Druck so groß, dass die Gemeinden sich einten und die neue Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld gründeten.

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