Lumberg baut rund ein Drittel der Stellen ab

Das Traditionsunternehmen Lumberg gibt die Montage am Standort Schalksmühle auf.

SCHALKSMÜHLE ▪ Lumberg baut rund ein Drittel der 290 Stellen in Schalksmühle ab. Anfang Juli wird das Unternehmen dann nur noch 200 Beschäftigte haben.

Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigten Meike Schmidt, geschäftsführende Gesellschafterin, und Uwe Crépon, Leiter Personal und Recht, Dienstag in einem exklusiven Gespräch.

„Das ist wirklich eine schlimme Maßnahme, die wir aber durchführen müssen“, sagte Meike Schmidt. Die „Maßnahme“ sieht vor, die Montage am Standort Schalksmühle zu schließen und teilweise nach Polen zu verlagern. Zu diesem Schritt sei das Unternehmen gezwungen, weil der Bereich Photovoltaik nicht wie erwartet laufe. Schmidt: „Wir haben uns frühzeitig in allen Kapazitäten auf Wachstum durch die Photovoltaik eingerichtet, was wir nun korrigieren müssen.“

Ingesamt baut das Unternehmen 90 Stellen am Standort Schalksmühle ab. 48 der Beschäftigten sollen in eine Transfergesellschaft wechseln und so in ein anderes Unternehmen vermittelt werden. Unter anderem sollen dort Bewerbungstrainings, „Profilings“ und ähnliche Vorbereitungen stattfinden. Die weiteren rund 40 Stellen sollen auf andere Weise abgebaut werden – zum Beispiel durch (vorzeitigen) Ruhestand, auslaufende Verträge und ähnliches.

„In 2006 sind wir in den Photovoltaik-Markt eingestiegen, haben den Umsatz binnen vier Jahren bis auf 17 Millionen Euro in 2010 gesteigert und alle zusammen mit der ganzen Photovoltaik-Branche ein riesiges Wachstumspotenzial gesehen“, erklärte Meike Schmidt.

Das Schalksmühler Traditionsunternehmen habe einen siebenstelligen Betrag in Maschinen, Equipment und Entwicklung neuer Produkte investiert – allerdings „ist der Markt wenige Monate später gegen alle Prognosen international eingebrochen. Statt weiter zu wachsen, ist der Umsatz gefallen“.

Lumberg ist Zulieferer für Photovoltaikanlagen-Hersteller und produziert Modulanschlussdosen, Steckverbinder und Verkabelung. Vor allem durch Konkurrenz aus China sei der Preis stark gefallen. In Deutschland seien die Preise in drei Jahren, von 2009 bis 2011 um rund 65 Prozent und allein in 2011, um 45 Prozent pro Modul gesunken.

„Rund 85 Prozent aller in Deutschland installierten Module stammen aus Fertigungen in Fernost“, sagte Schmidt. Dies zeige die Dramatik als Zulieferer deutscher Hersteller.

Dem steigenden Preisdruck könne das Unternehmen nicht standhalten, da Deutschland ein „Hoch-Lohn-Land“ sei, fügte Uwe Crépon hinzu.

Daher soll das Geschäftsfeld Photovoltaik zwar nicht aufgegeben, aber stark gedrosselt werden. Teilweise soll daher die Montage in Polen fortgeführt werden. Aber auch im Nachbarland kam es zu Stellenstreichungen.

„Wir wollen lieber frühzeitig agieren, als irgendwann nur noch zu reagieren“, machte Meike Schmidt die gefallenen Entscheidungen im Unternehmen deutlich.

Die Zukunft des Unternehmes sehe trotz der aktuellen Entwicklung positiv aus. Dies liege vor allem an der vielseitigen Aufstellung des Unternehmens: Lumberg setzt neben Photovoltaik auf Systemtechnik (Steckverbindersysteme für Leiterplatten-Anwendungen), Anschlusstechnik (Rundsteckverbinder-Anschlussklemmen), Datakom (zum Beispiel Audio, Videound USB) und Mikrosystemtechnik. Uwe Crépon: „Durch diese Vielseitigkeit der Produkte werden wir diese Situation überstehen.“ ▪ Matthias Clever

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