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„Eine Stimme für die Kinder“: Lore Graul blickt mit Sorge auf den Herbst

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Von: Axel Meyrich

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Die Schalksmühlerin Lore Graul plädiert für eine zügige Anschaffung von Luftfiltern in Grundschulen und Kindergärten – mit Augenmaß und Unterstützung von Expertenmeinungen.
„Ich möchte den Kindern, Müttern und Omas eine Stimme geben“: Die Schalksmühlerin Lore Graul plädiert für eine zügige Anschaffung von Luftfiltern in Grundschulen und Kindergärten – mit Augenmaß und Unterstützung von Expertenmeinungen. © Axel Meyrich

Als Lore Graul in der Sitzung des Schalksmühler Gemeinderates am 28. Juni das Wort ergreift, ist das eine Premiere für die 72-Jährige. „Ich habe so etwas noch nie gemacht“, sagt die Rentnerin, „das war ganz schön aufregend.“ Graul setzt sich mit eindringlichen Worten für die Anschaffung von Luftfiltern in Grundschulen und Kindergärten ein.

Schalksmühle –Die Schalksmühlerin befürchtet, dass ab dem Herbst eine weitere Virus-Welle auch durch die Volmegemeinde rollt, weil Lüften alleine nicht ausreiche und die betroffene Altersgruppe nicht geimpft sein werde. „Ich möchte den Kindern, Müttern und Omas eine Stimme geben“, sagt Graul, „weil das diejenigen sind, die unter der Pandemie besonders gelitten haben.“

Lore Graul wohnt mit ihrem Mann, Tochter, Schwiegersohn und Enkel unter einem Dach in Schalksmühle. Dem jüngsten Familienmitglied, das die Grundschule Spormecke besucht, hat die Rentnerin früher häufig Paprika und Äpfel in kleine Stücke geschnitten. „Die hat er immer so gerne gemocht“, sagt Lore Graul. Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert. Der Achtjährige hat keine Lust mehr auf die Gemüsestifte und das Obst, weil sie nicht mehr nach Paprika und Apfel schmecken. Eigentlich schmecken sie nach gar nichts mehr. Geschmacksverlust. Folge einer Corona-Infektion, die inzwischen rund sieben Monate zurückliegt.

Geschmacksverlust seit sieben Monaten

Im Dezember vergangenen Jahres hält das Virus Einzug ins Hause Graul. Eine Lehrerin in der Grundschule Spormecke ist infiziert, 13 von 31 Kindern in der Klasse sind es auch. Und sie bringen das Virus unwissentlich mit nach Hause. Mutter und Vater des Achtjährigen stecken sich ebenfalls an. Lore Graul und ihr Mann ziehen sofort Konsequenzen. Absolutes Kontaktverbot mit der oberen Etage im Haus, wo Tochter, Schwiegersohn und Enkel leben. Fieber, Gliederschmerzen, Unwohlsein – das alles ist inzwischen zwar überstanden, doch Lore Graul macht sich nicht nur Sorgen über mögliche Spätfolgen, sondern blickt auch mit Anspannung auf den Herbst. „Mir geht es vor allem um die Grundschulen und die Kindergärten“, sagt Lore Graul, „in diesem Alter ist es unmöglich, Abstand zu halten und Kontakte zu vermeiden.“

Einen Ansatz, die Situation zu entschärfen – das hat Lore Graul so auch dem Gemeinderat vorgetragen – seien Luftfilter. Die gibt es in mobiler und in stationärer Ausführung. „In Halver und Breckerfeld ist man da schon wesentlich weiter als in Schalksmühle“, verweist Graul auf die Beschlusslage beispielsweise in Halver. Dort erhalten zunächst die Grundschulen und der Offene Ganztag entsprechende Anlagen. Die ersten Geräte werden schon bald geliefert.

„Ich bin hier vor Ort nicht richtig weitergekommen“, berichtet Lore Graul von Gesprächen mit allen Schalksmühler Fraktionen und dem Bürgermeister. Einen politischen Anstrich möchte die engagierte Rentnerin der Diskussion aber auf keinen Fall geben. „Dafür ist das Thema viel zu wichtig. Es geht nicht um Politik, sondern um unsere Kinder, die in der Pandemie schon auf so viel verzichten mussten.“ Bei aller Emotionalität ist Lore Graul aber auch pragmatisch. Ob direkt jeder Raum auch einen Luftfilter benötige, vermag sie nicht zu beurteilen. „Ich will nicht anmaßend sein. Für die technischen Fragen gibt es Fachleute. Aber es wird für so viele Dinge Geld ausgegeben, da sollte es doch möglich sein, Mittel für Filter bereitzustellen. Zumal es ja Förderungen gibt“, verweist Graul zudem darauf, dass die Wirksamkeit vieler Filteranlagen bereits in Studien belegt sei.

Und wenngleich die Diskussion um Luftfilter in Schalksmühle jetzt wieder an Fahrt gewinnt, befürchtet Graul dennoch, dass durch die Ferien viel Zeit verloren geht. Erst am 27. September tagt der Gemeinderat wieder. Lore Graul: „Und selbst, wenn dann etwas beschlossen wird, dauert das zu lange.“ Dass Lüften alleine gegen das Virus hilft, daran glaubt im Hause Graul niemand mehr. Lore Graul: „In der Klasse unseres Enkels wurde auch regelmäßig gelüftet. Das Ergebnis ist bekannt.“ 13 infizierte Kinder in einer Klasse.

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