Ein Luftballon war der Beginn der Partnerschaft

Pfarrer Reinhard Worch wird von Mitarbeitern der Gemeinde Hülscheid-Heedfeld in den Ruhestand verabschiedet.

SCHALKSMÜHLE ▪ Der Anlass war eigentlich kein fröhlicher, dennoch wurde es ein besonderes Wochenende: Eine Gruppe von Mitarbeitern aus der evangelischen Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld fuhr am letzten Augustwochenende in die Partnergemeinde nach Wittenberge an der Elbe, um dort an der Verabschiedung von Pfarrer Reinhard Worch in den Ruhestand teilzunehmen.

Allerdings: Ruhestand wird in seinem Fall eher Unruhestand bedeuten, denn es gibt bislang noch keine Bewerbungen für die frei gewordene Pfarrstelle. Wittenberge, eine ausblutende Stadt trotz viel Erneuerung, hat in den Jahren nach der Wende circa 10 000 Einwohner verloren – die jungen Leute gehen weg, weil sie keine Arbeit finden. Von ehemals vier Pfarrstellen in und um Wittenberge ist zur Zeit nur noch eine besetzt, die anderen Pfarrer arbeiten im Ruhestand weiter mit.

Wittenberge liegt an der Elbe. Viele Häuser in der Stadt sind nach der Wende renoviert worden, auch wenn es immer noch vereinzelte Häuserzeilen gibt, in denen die Arbeit nicht weitergeht, weil die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind oder weil kein Geld da ist.

Die Kontakte nach Heedfeld bestehen schon seit den 50er Jahren, nachdem dort der Luftballon eines Luftballonwettbewerbes gelandet war. Lange Jahre war es sicherlich eher eine Patenschaft – Pakete wurden geschickt, Farben fürs Gemeindehaus hinüber geschmuggelt und Gelder gesammelt für die Renovierung der Kirche. In den letzten zehn Jahren vor der Wende besuchten die Jugendlichen aus Heedfeld verstärkt die Junge Gemeinde – bis dann durch die Wende der gegenseitige Besuch möglich wurde. Die Wende sorgte zunächst für Verunsicherungen in der Partnerschaft – fielen doch 20 000 Arbeitsplätze durch die Schließung der Zellstoffwerke und der Nähmaschinenwerke weg. Bei den ersten Treffen in Wittenberge und Schalksmühle war die Enttäuschung laut den Teilnehmern spürbar und Sehnsucht habe im Raum gestanden.

Heute, im Jahr 21 nach der Wende, steht die Partnerschaft in den Augen beider Gemeinden vor neuen Herausforderungen: Es sei eine Partnerschaft geworden, gleichwertige Partner suchen nach neuen Wegen der Kirchengemeinden – mit ähnlichen Problemen. Ein Austausch über Themen wie Konfirmandenarbeit, freiwilliges Kirchgeld und ähnliches fände statt.

Die Gemeinden würden sich gegenseitig bestärken und vor allem Wittenberge wird für den Einsatz während der Wende gelobt: Sie sei „unblutig geschehen, die Montagsdemonstrationen wurden über die Kirche umgeleitet und hier erst einmal beruhigt, bevor es wieder auf die Straße ging. Die Kirche ist renoviert und heute wieder ein Schmuckstück an der Elbe. Zuvor war die Ruine vom Schwamm durchsetzt vom Abriss bedroht.“

Jetzt suchen die Kirchengemeinden nach neuen Wegen in der Partnerschaft, zum Beispiel in Form einer neuen Frauenfreizeit.

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