Ludwigsen: Ein Querdenker wird 80 Jahre

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Täglich spielt der Jubilar am Piano. Neben der Musik zählt auch das Malen zu den großen Leidenschaften des Schalksmühler Autoren Horst Ludwigsen. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Geboren in der Endphase der Weimarer Republik, aufgewachsen im Nationalsozialismus, Studium in der Demokratie – die losen Fäden der Ereignisse hat Dr. Horst Ludwigsen zu einer Geschichte verknüpft – zu seiner Familiengeschichte. Heute wird der Autor 80 Jahre alt.

Zwei dicke Manuskripte liegen auf dem Tisch. Mehr als 500 Seiten. Familiengeschichte im Kontext der deutsch-deutschen Geschichte. „Es sind in den vergangenen 80 Jahren so viele Dinge passiert“, sagt Dr. Horst Ludwigsen, während er in einem der Bücher blättert. Ludwigsen ist ein Autor, der vornehmlich in Plattdeutsch schreibt, hat viele Bücher – darunter auch das alte und neue Testament – ins Platt übersetzt. Sein neustes Werk ist ein persönlicher Nachlass an seine Familie, seine zwei Töchter und die beiden Enkel. Er beschreibt darin sein Leben: geboren am 12. Mai 1932 in Lüdenscheid, zog die Familie in eine Großstadt im Osten. Hitlerjugend, Deportation von Juden und die Landverschickung haben ihn ebenso wie der Bombenhagel geprägt – bis heute. „Viele sprechen nicht darüber und verarbeiten die Erlebnisse bis heute nicht. Das will ich nicht“, meint Ludwigsen, während er auf ein Foto im Buch deutet.

Mit dem Untergang des Nationalsozialismus zog die Familie zurück in die alte Heimat – zu Verwandten nach Schalksmühle. In den Nachkriegsjahren habe er den Hunger kennengelernt. Ludwigsen: „Mit der Währungsreform änderte sich das und es wurde besser.“

Nach der Schule absolvierte er ein Studium der Wirtschaftswissenschaft in Köln. Danach war Ludwigsen als Industrievertreter selbstständig, bevor der Diplom Kaufmann 1964 als Handelsstudienrat in den Schuldienst ging. Er war an den Kaufmännischen Schulen Halver-Ostendorf tätig, dabei konzentrierte sich Ludwigsen auf das Fach Deutsch, um auch in der Lehrerausbildung in Hagen tätig werden zu können.

Im Alter von fast 50 Jahren promovierte Horst Ludwigsen an der Ruhr-Universität Bochum in deutscher Philologie. Seit 1990 veröffentlicht er Bücher in Sauerländer Platt und übersetzt vom Hochdeutschen ins Niederdeutsche. Zu den bekanntesten Werken zählt das „Wörterbuch Südwestfälischer Mundarten“, für das er im Jahr 2000 den Rottendorf-Preis zur Förderung der Niederdeutschen Sprache erhielt. Für Furore sorgte das Buch „Rüüm(e)straote“ – was soviel bedeutet wie „Aufräumen“ und das hat er mit seinen Texten gemacht.

„Plattdeutsche Geschichten waren idyllisch und nicht kritisch – die Texte handeln nicht von goldenen Zeiten, sondern von der Kriegszeit oder etwa vom Mäntelchen, das im Wind hängt“, erklärt Horst Ludwigsen.

2004 sollte der als Querdenker geltende Autor die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland erhalten, deren Annahme er jedoch ablehnte.

Neben dem Schreiben gehörte das Malen lange Jahre zu den Leidenschaften des Schalksmühlers. Zu seinen bekanntesten Werken zählen 60 Holzschnitte, die biblische Szenen zeigen. Dinge, die sich in seinem Arbeitszimmer widerspiegeln – hunderte Bücher sehen bis in die Dachspitze in den Regalen, Bilder hängen an den Wände, in der Mitte des Raumes steht ein Piano – jeden Tag versucht er, eine Stunde zu spielen.

„Wie ich die zahlreichen Aktivitäten vereinen konnte? Meine Frau Inge hat mir in all den Jahren den Rücken freigehalten“, antwortet Ludwigsen auf die Frage. ▪ mc

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