Berufung zu vergeben: Logopädin Bärbel Römer findet keine Mitarbeiter

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Bärbel Römer ist Logopädin und hat sich mit diesem Beruf einen Traum erfüllt. Erst mit 37 Jahren hat sie diesen Weg eingeschlagen, um Menschen zu helfen.

Schalksmühle - Sie behandeln nicht nur Kinder, die lispeln, sondern auch Menschen mit Hirntumoren. Und sie helfen auch nicht nur beim Stottern, sondern auch beim Schlucken. Der Beruf eines Logopäden umfasst ein großes Feld, doch viele wissen gar nicht, was Logopäden alles machen. Bärbel Römer ist Logopädin und hat ihren Traumberuf gefunden. Was sie jedoch nicht findet, sind Mitarbeiter für ihre Praxis. Dabei werden Logopäden immer mehr gebraucht.

Wer an Logopäden denkt, sieht meistens kleine Kinder, die mit ihren Sprachfehlern in Behandlung sind: Spiele spielen oder mit Strohhalmen Pusteübungen durchführen oder vor dem Spiegel Grimassen schneiden. Bärbel Römer weiß, dass es nicht nur das Spielen mit Kindern ist, sondern dass es in dem Beruf um viel mehr geht. „Wer jemanden an seiner Seite braucht, kann auf mich zählen“, sagt die Logopädin.

Emotionale Momente mit Kindern

Bei der Arbeit mit Kindern gibt es große Unterschiede. Neben Sprachstörungen wie Lispeln und Stottern gebe es Kinder, die gar nicht oder nur mit dem engen Familienkreis sprechen. Mit einigen Kindern verbrachte Römer schon bis zu zehn Stunden auf dem Spielteppich – ohne dass die Kleinen mit ihr geredet hätten. 

„Man kann eine Behandlung mit dem Entwirren eines Wollknäuels vergleichen.“ Mit einem Jungen, der noch nie geredet hatte, habe sie zum Beispiel mit Zügen gespielt. „Jedes Mal, wenn der Zug am Bahnhof ankam, sagte ich ‘Bahnhof Dahlerbrück, bitte alle aussteigen’. Nach zehn Sitzungen sagte dann auch plötzlich mein kleiner Patient ‘Bahnhof Dahlerbrück, bitte alle aussteigen’. Das war ein sehr emotionaler Augenblick.“

Traumberuf erst mit 37 Jahren

Römer hat sich erst mit 37 Jahren dazu entschieden, Logopädin zu werden. „Das war immer mein Traumberuf“, sagt die gebürtige Lüdenscheiderin. Lange Zeit war sie Krankenschwester und anschließend in der Verwaltung tätig. 

Aber sie sagt: „Es ist nie zu spät, anzufangen – und ich rate jedem dazu, das zu machen, was er wirklich möchte.“ Mit der Zeit wurde Römer klar, sie hat nicht nur ihren Traumberuf, sondern auch ihre Berufung gefunden – besser spät als nie. Für ihren Beruf kann sie nur motivieren. „Es ist ein sehr abwechslungsreicher, vielseitiger und erfüllender Beruf.“

Versorgung auf dem Land häufig unzureichend

Für ihre Praxis sucht die 54-Jährige schon einige Zeit Verstärkung, findet aber keine Mitarbeiter. Eine neue Kollegin wird zwar im Februar beginnen. Mindestens eine weitere fehlt dann noch im Team, denn der Bedarf wird immer größer. 

Bedarf an Logopäden wird weiter steigern

„Aufgrund des demografischen Wandels nimmt die Zahl der alterbedingten Erkrankungen zu, die mit Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen einhergehen“, sagt Römer. In den kommenden Jahren wird der Bedarf voraussichtlich noch weiter steigen. Gerade in ländlichen Gebieten sei die Versorgung bereits unzureichend. 

Dabei geht es besonders um Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung einen Logopäden brauchen. Beispielsweise bei Hirntumoren, Kehlkopfkrebs oder Gesichtslähmungen erlernen Patienten wieder das Sprechen oder auch das Essen. Sogar bei Patienten, die im Wachkoma liegen, werden mit speziellen Techniken von Logopäden behandelt, um die Gesichtsmuskulatur zu erhalten. 

„Mir geht es vor allem darum, dass unsere Patienten ihre dringend erforderlichen Behandlungen auch bekommen“, sagt sie. „Einige benötigen aufgrund ihrer Krankengeschichte zweimal die Woche einen Therapeuten. Dies möchten wir gerne leisten können. Oder es kommt vor, dass Patienten auf eine Therapie warten müssen. Das ist zum Beispiel nach einem Schlaganfall ein Drama. Hier ist die ambulante Anschlussbehandlung besonders wichtig – und keine Zeit verstreichen zu lassen auch.“

Mehr als nur eine Behandlung

Neben der Behandlung in der Praxis macht sie zudem Hausbesuche. Je nachdem wie regelmäßig und häufig die Logopädin vorbeikommt, wird sie schon zu einem festen Teil des Alltags und Lebens – gar der Familie. 

Bei Kindern ist es ähnlich. Römer versucht, ihnen zu vermitteln: „Hier wirst du verstanden.“ Dabei betrachtet Römer nicht nur das Problem, sondern auch die Ursache. Dafür werden die Eltern mit in die Behandlung einbezogen und gelten außerhalb der Therapiestunde als Co-Therapeuten. 

In ihrem Behandlungsraum hängen Schnuller an der Decke, eine Spielküche steht an der Wand und der Spielteppich bietet allerhand Möglichkeiten zum freien Spielen – bis auf ihren Schreibtisch und einer Behandlungsliege erinnert nichts an eine Praxis.

Allein bei Logopädie ist Römer nicht geblieben. Sie ist zudem Stimm- und Persönlichkeitstrainerin. Beruflich und auch privat verfolgt sie das Ziel, jedem Menschen zu zeigen, dass er an sich selbst glauben soll, motiviert sie und gibt ihnen Mut. Ihre Botschaft dabei: „Du bist gut, so wie du bist.“

Wer Lust hat, ein Teil von Bärbel Römers Team zu werden, kann sich bei ihr unter Tel. 0 23 55/50 13 64 melden, oder eine Bewerbung (Volmestraße 55) schicken.

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