Suche nach Lösungen im Injoy

„Tennis ist ein Minusgeschäft geworden“

Tennishalle Schalksmühle Injoy
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Gebaut in den Zeiten des Booms: Inzwischen sind die Tennis-Plätze des Injoy an der Volmestraße nicht mehr rentabel.

Schalksmühle – Wie geht es weiter mit dem Racket-Bereich im Injoy Volmetal? Diese Frage diskutierten im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung des Tennisspieler des MTC Schalksmühle. Aus gutem Grund: Dem MTC liegt von Injoy-Besitzer Sebastian Ignatzek das Angebot vor, zwei Tennisplätze der Tennishalle komplett in Vereinsregie zu übernehmen. Ignatzek überlegt ansonsten, den Racketbereich in der Sportstätte möglicherweise zu verkleinern oder gar ganz zu schließen.

Will der MTC pauschal für das gesamte Jahr zwei Tennisplätze mieten, selbst pflegen und verwalten? Daran schieden sich die Geister. Auch deshalb, weil die Zufriedenheit mit dem Tennisangebot im Injoy in den vergangenen Monaten nicht hoch war. Einige Mitglieder äußerten Kritik am Zustand der Plätze, fühlten sich nicht gut aufgehoben im Injoy. Ein Teil der Winteraktiven ist deshalb zuletzt schon in andere Hallen, zum Beispiel ins benachbarte Rummenohl, abgewandert.

Andererseits plädierten viele Mitglieder für den Erhalt einer Tennishalle in der Gemeinde, zumal auch die Zukunft zum Beispiel einer benachbarten Halle wie der in Rummenohl aufgrund des Alters der Pächter nicht unbedingt langfristig als gesichert betrachtet wird im Mitgliedskreis des MTC. Es war eine sehr kontroverse Diskussion. 14 der 31 Mitglieder beauftragten den Vorstand am Ende immerhin, die Bedingungen zu prüfen, zu denen eine Übernahme der Tennisplätze möglich wäre – und die wirtschaftlichen Rahmendaten, die sich daraus ergeben würden. Das Thema, es wird den Verein auch im Sommer weiter beschäftigen. „Wir wollen das ganz in Ruhe und vernünftig prüfen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es auch in Zukunft eine Tennishalle vor Ort geben würde“, sagt der MTC-Vorsitzende Erol Altun, „aber es ist ja auch klar, dass in einem Verein mit 250 Mitgliedern nicht immer alle dieselbe Meinung vertreten.“

Gebaut in den Zeiten des Tennis-Booms

Ein Aus für die Tennishalle an der Volmestraße? Eigentlich ist so etwas schwer vorstellbar, denn genau für diesen Zweck, das Tennisspiel, hatte Uli Spelsberg seinerzeit die Halle neu gebaut in der Zeit des Tennisbooms. In dieser Zeit war der Bereich, in dem heute ein hochmodernes Fitness-Studio zu Hause ist, noch eine Badminton-Halle. Der Racket-Bereich indes ist immer kleiner geworden im Injoy. Und nun, da Tim Spelsberg die Verantwortung an Sebastian Ignatzek abgegeben hat, könnte das Tenniserbe seines Vaters komplett verloren gehen.

Nachfrage beim Betreiber des Injoy: Sebastian Ignatzek sieht die Dinge aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Und da stellte sich die Situation recht eindeutig da. „Wir haben den Tennisbereich in den vergangenen Jahren durch das Injoy am Leben gehalten, quasi quersubventioniert“, sagt der Injoy-Chef, „die reine Tennishalle ist seit Jahren nicht mehr rentabel. Wir beobachten für die vergangenen acht Jahre, dass es immer weniger geworden ist. Die älteren Tennisspieler, die Abos hatten, können zum Teil nicht mehr. Jüngere wachsen nicht nach. Die Corona-Zeit hat das Fass zum Überlaufen gebracht, da war der Tennisbereich auch komplett tot.“

„Eine Nullnummer würde schon reichen“

Vor fünf Jahren hat das Injoy noch einmal 300 000 Euro in die Modernisierung der drei Plätze gesteckt, ein neuer Boden, eine neue Lichtanlage. Insofern kann Ignatzek die Kritik an den Plätzen mit Blick auf die benachbarten Hallen nicht recht verstehen. „Es geht mir bei unserem Angebot nicht um ein oder zwei Jahre – wir müssen für einen Zeitraum von zehn Jahren denken, wie es weitergehen kann. Ich bin da für alles offen. Ich würde den Tennisbereich gerne behalten. Es war eine der ersten Tennishallen – und sie gehört zu Schalksmühle dazu. Ich will mit diesem Bereich auch kein Geld verdienen, eine Nullnummer würde ja schon reichen. Aber es kann nicht sein, dass die Gewinne des Injoy regelmäßig im Racket-Bereich versickern…“

Erst recht in der Pandemiezeit nicht, denn auch im Fitness-Studio sind die Mitglieder weniger geworden. Der Lockdown stellt die gesamte Branche vor Riesenprobleme. „Wir müssen doch jetzt eine Richtung finden“, sagt Ignatzek, „was ist, wenn es noch weniger wird? Was, wenn der Fitness-Bereich nicht mehr so stark ist, um die Verluste beim Tennis aufzufangen?“ Ignatzek will konstruktive Lösungen. „Tennis ist leider ein Minusgeschäft geworden“, sagt er, „jeder Unternehmensberater in unserer Branche sagt Dir: Stoßt Tennis ab!“ Soweit ist Ignatzek noch nicht. Noch ist der Gedanke, dass eine Firma die Tennisplätze als Lagerhalle benutzt oder Menschen ihre Wohnmobile auf den Courts parken, weit weg. Noch hofft der Injoy-Chef, dass es mit den Tennisspielern eine Lösung geben wird.

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