Löschgruppe Hülscheid absolviert Feuerwehrübung

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Die Feuerwehrmänner tasten sich an Maschinen und Regalen vorbei. Blaue Folie vor ihren Schutzbrillen nimmt jede Sicht – so wäre es auch, wenn die Halle verqualmt wäre. Nur wenig später finden die Männer die Puppe im Blaumann.

Schalksmühle - Es hat eine Gasexplosion gegeben. Dichter Qualm steht in der Werkhalle der Firma Spelsberg Feinblechtechnik. Drei Mitarbeiter sind vermisst. Möglicherweise strömt weiter Gas aus. Die Männer der Löschgruppe Hülscheid der Freiwilligen Feuerwehr müssen so schnell wie möglich mit Atemschutz in das Gebäude. Die Sicht ist gleich null. Ein vorstellbares Szenario.

Bei der Feuerwehrübung am Gewerbering wurde am Samstagabend ein Gasunfall simuliert: Vollkommen ruhig und konzentriert robbten die Feuerwehrmänner in Zweier- und Dreierteams über den Boden und tasteten sich vorwärts. Zwischen Maschinen und Arbeitsmaterial suchten sie die vermissten Personen. Dabei waren sie blind. Denn um den Qualm nachzustellen, hatten sie ihre Schutzbrillen mit blauen, völlig undurchsichtigen OP-Schuhüberziehern verdeckt.

Tiefe Atemzüge aus den Flaschen auf den Rücken der Männer waren zu hören. Ebenso die Kommunikation untereinander. Die Kameraden blieben in ständigem Austausch miteinander und auch der Draht nach draußen brach nie ab. Über Funk hielten sie den Einsatzleiter und den Überwacher des Atemschutzes auf dem Laufenden. „Hier, ich habe die Person gefunden“, rief plötzlich einer der Männer. Vor ihm lag, an eine Maschine gelehnt, eine Puppe im Blaumann. Die hatte der Feuerwehrmann ertastet. Mit geübten Griffen schleppte das Team den „Mitarbeiter“ vor die Halle – gerettet.

Feuerwehrübung bei Spelsberg Feinblechtechnik

Gemeindebrandinspektor Dirk Kersenbrock und Oberbrandmeister Björn Lisse nehmen die Männer in Empfang, es war der letzte Durchgang. Alle 30 Kameraden hatten die Übung gemeinsam gestemmt. „Ich bin zufrieden mit dem Verlauf“, sagte Kersenbrock. Nicht nur alle Puppen seien gerettet worden, sondern auch eine zusätzliche Wasserversorgung an der Gebäuderückseite habe die Löschgruppe routiniert eingerichtet – und eine Riegelstellung aufgebaut. Die verhindert im Brandfall, dass das Feuer auf andere Bereiche übergreift. Übungen in Betrieben sind für die Freiwillige Feuerwehr wertvoll, erklärten Kersenbrock und Lisse. „Die Nähe zu den lokalen Firmen und deren Ansprechpartnern ist für uns natürlich wichtig“, sagte Lisse. Zwar seien die Begebenheiten jeder Firma und die Rettungswege in Plänen niedergeschrieben. Die Gebäude schon mal selbst gesehen zu haben, sei bei einem Einsatz aber hilfreich. Firmengebäude böten sich zudem gerade für Übungen unter Atemschutz an.

Lutz Spelsberg, Geschäftsführer der Firma Spelsberg Feinblechtechnik, sagte: „Trotz strenger Sicherheitsrichtlinien ist nicht ganz auszuschließen, dass beim Anschließen von Gasflaschen für unsere Lasermaschinen mal etwas passiert. Auch deshalb unterstützen wir die Übung natürlich.“ Er ließ die Gruppe bereitwillig die Firma in Beschlag nehmen und grillte zur Stärkung nach getaner Arbeit reichlich Bratwürstchen für alle.

Von Kristina Köller

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