Florian Schröder bringt Zuschauer zum Toben

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Florian Schröder (Mitte) holte sich Verstärkung auf die Bühne des PZ Löh.

Schalksmühle - Florian Schröder nimmt kein Blatt vor den Mund, und genau das mochten die Schalksmühler im ausverkauften Pädagogischen Zentrum Löh an ihm. Im Laufe seines Programms „Offen für alles und nicht ganz dicht“ bekamen nicht nur Politiker, Prominente und umstrittene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ihr Fett weg, sondern auch die Schalksmühler selbst.

Die braunen Stühle im PZ, in die laut Schröder wohl schon der Führer reinpupste, hatten es dem Comedian derart angetan, dass er darum bat, doch einen davon mitnehmen dürfen. „Nimm sie doch alle!“, schallte es daraufhin aus den Reihen der Zuschauer, und der Saal tobte. Anscheinend waren Schröder die Schalksmühler aber doch ganz sympathisch, was ihn zu einem Kompliment veranlasste: „Dass Ihr mitten im Wald wohnt, sieht man Euch gar nicht an.“

Die Aussage, doch mal zu leben und seine Zeit nicht mit sinnlosen Dingen zu verschwenden, zog sich durch das gesamte Programm. Den Umstand, dass die Menschen zunehmend mit immer mehr Nichtigkeiten ihre begrenzte Zeit auf der Erde vergeuden und sich durch äußere Einflüsse dazu verleiten lassen, vermittelte Schröder immer wieder auf ebenso lustige wie nachdenklich machende Weise.

Geradezu episch breitete der Comedian einen Besuch bei der US-Kaffee-Kette „Starbucks“ aus, wo die mit thailändischem Akzent palavernde Bedienung den Gast, der eigentlich nur einen Kaffee bestellen wollte, mit schier unendlichen Auswahlmöglichkeiten in den Wahnsinn treibt. Sicher keine neue Comedy-Idee, aber von Schröder grandios und passend zum Gesamtkontext vorgetragen. Wo um alles in der Welt bleibt die Lebensqualität, wenn man noch nicht einmal einen Kaffee bestellen kann, ohne sich zwischen den Größen „tall“, „grande“ und „venti“ oder bei der Milch zwischen „vollfett“, „halbfett“, „gar kein Fett“ und „laktosefrei“ entscheiden zu müssen?

Die frechen Seitenhiebe in Richtung Politik und Promi-Welt, gepaart mit treffenden Stimmimitationen, machten eine weitere Säule des gelungenen Auftritts aus. Prominente Personen aus Zeitgeschichte und Politik wie Thilo Sarrazin, Christian Wulff, Angela Merkel oder Ronald Pofalla erhielten ausgiebige kabarettistische Abreibungen. Merkel bezeichnete Schröder als „VW Golf“ unter den Kanzlerinnen – fällt nicht auf, ist spießig und fährt einfach so rum. Außerdem bemitleidete er die „Toten Hosen“. „Wie ist das wohl für die als ex-coole Punk-Band, wenn auf der CDU-Wahlparty ‚Tage wie dieser’ gespielt wird?“ In puncto Stimmimitation fiel eine Diskussionsrunde bei Günter Jauch besonders virtuos aus, die mit illustren Gästen wie Boris Becker, Dr. Eckhard von Hirschhausen sowie dem verstorbenen Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki bestens bestückt war. Der philosophierte auf seiner Wolke ausschweifend zum Thema „Glück“ und zeigte sich erfreut darüber, den Irrsinn auf dieser Welt nun nicht mehr ertragen zu müssen.

Den Schlusspunkt unter sein unterhaltsames Programm setzte Florian Schröder mit einem Statement: „Man spekuliert immer nur über Dinge, die man machen könnte, aber eines Tages kommt der Zeitpunkt, wo man sagt: ‚Hätte ich doch irgendwann einmal zu leben angefangen.“ Anschließend nahm sich Florian Schröder noch viel Zeit zum Signieren seines Buches, das ebenfalls den Titel „Offen für alles und nicht ganz dicht“ trägt, und gab Autogramme. - Von Björn Othlinghaus

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