Liebe zum Sauerland und zu den Menschen

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Max Kettling mit Kamera, Stativ und Faltdach-Käfer. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Vor 50 Jahren – am 24. September 1960 – verstarb Max Kettling im Alter von 77 Jahren nach einem sehr erfolgreichen Leben als Fotograf und Ansichtskartenverleger. Seine Tochter Hilde Lichte blickt für die Redaktion auf das bewegte Leben ihres Vaters zurück.

„Die Liebe zur Fotografie wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Er kam am 3. Juni 1883 in Wuppertal-Barmen zur Welt. Sein Vater Kaspar August Kettling, ein gebürtiger Lüdenscheider, verstarb im Jahre 1892. Auf dem Sterbebett wies er seine Frau Charlotte darauf hin, nach seinem Tode doch ins Volmetal zu ziehen. So zog Charlotte Kettling Ende 1899 mit ihren beiden jüngsten Kindern, Max und Helene, nach Schalksmühle und eröffnete dort mit Hilfe ihres Schwiegersohnes Heinrich Eklöh, Lebensmittelkaufmann in Lüdenscheid, ein kleines Lebensmittelgeschäft, das „Hamburger Importhaus“.

Ihr Sohn Max machte zunächst eine kaufmännische Lehre bei seinem Schwager Heinrich Eklöh in Lüdenscheid. Im Jahre 1904 kam sein zwölf Jahre älterer Bruder August nach Schalksmühle und brachte eine sehr teure Kamera mit. Die beiden Brüder fuhren los, um in der Umgebung Aufnahmen zu machen. Max Kettling war so begeistert von der Güte dieser ersten Aufnahmen, dass er seinen Bruder bat, ihm die Kamera zu überlassen. Dieser verkaufte sie ihm mit allem Zubehör. So begann die Karriere von Max Kettling, vorwiegend als Landschaftsfotograf und dann als Ansichtskartenverleger. Schon 1906 machte Kettling mit dem Foto vom Kiepen-Lisettken eine seiner berühmtesten Aufnahmen.

Sein Hauptarbeitsgebiet war das Volmetal von Hagen bis Meinerzhagen mit den umliegenden Städten und Gemeinden. Mit dem Fahrrad ging die Reise dann weiter bis ins Münster- und Mindener Land. Es entstanden wunderbare Serien von westfälischen Bauernhäusern, Trachten, Land und Leuten bei der Arbeit.

Einen eigenen Postkartenverlag gründete Max Kettling 1906 und hatte damit Riesenerfolge. Im Ersten Weltkrieg wurde er an der Westfront schwer verwundet und erholte sich nur langsam. In der Etappe lernte er Carl Krüger kennen. Mit ihm gründete er im Jahre 1919 die Firma Kettling & Krüger, Graphische Kunstanstalt. Diese nahm einen kometenhaften Aufschwung, war sie doch in den 1920er Jahren in Deutschland eine der größten Verlagsanstalten für Ansichtskarten, Prospekte und dergleichen. Die Kundschaft war verteilt über ganz Deutschland und das benachbarte Ausland. Dazu gehörten Kinderheime, Krankenanstalten, kirchliche Einrichtungen, Klöster und mehr. In zwei großen Limousinen mit den Chauffeuren Walter und Paul ging die Reise durch die Lande. Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte einen Stopp in der Entwicklung. Die Autos mussten abgeschafft werden. So nahmen beide Herren Netzkarten und bereisten Deutschland mit der Eisenbahn.

Der Zweite Weltkrieg kam. Max Kettling reiste weiter durch die Lande, nach Schlesien, Ostpreußen, Warthegau, Nord - und Westdeutschland. Carl Krüger hatte mehr die Kundschaft in Süddeutschland zu betreuen und den Geschäftsbetrieb in Schalksmühle. Einmal wollte Max Kettling doch das neue Verkehrsmittel Flugzeug ausprobieren und machte damit die Geschäftsreise nach Berlin im Alter von 75 Jahren.

Nach dem Krieg ab 1945 verlegte Max Kettling sein Hauptarbeitsgebiet auf den nahen Heimatverlag, der ihm immer sehr am Herzen lag. So konnte er auch öfters mit dem Sohn von Carl Krüger, Klaus Krüger, der 1950 in die Firma Kettling & Krüger eintrat, mit dem Auto die nähere Umgebung bereisen. Der Verlag Kettling & Krüger wurde vor rund 20 Jahren schließlich aufgelöst.

Als Max Kettling 1960 verstarb, hinterließ er ein reiches Erbe an wertvollen Aufnahmen. Bis zuletzt auf dem Krankenbett war er mit dem Fotografieren beschäftigt. Mit letzter Kraft erhob er sich, schaute durch das Fenster des Lüdenscheider Krankenhauses und suchte nach günstigen Ausblicken auf seine geliebten Sauerländer Berge in der Herbstsonne.“

Das 2006 erschienene Buch „Max Kettling – Ein Fotograf aus dem Märkischen Sauerland von Hilde Lichte und Roland Hoffmann ist noch zu erwerben bei Druck und Verlag Pomaska Brand GmbH, Schalksmühle, ISBN 3-935937-38-5. In dem Buch wird auch die geschichtliche Entwicklung der Ansichtskarten beleuchtet. Der farbig und ansprechend gestaltete Band im DIN A 4-Format mit zahlreichen Fotografien von Max Kettling kostet 29,95 Euro.

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