Letzter Zivi macht länger

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Dem 21-jährigen Christoph Pohlmann macht die Arbeit im Schalksmühler Jugendzentrum soviel Spaß, dass er seinen Zivildienst von sechs auf neun Monate verlängerte. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Er ist einer der Letzten seiner Art: Christoph Pohlmann. Seit Juli ist er Zivildienstleistender im Jugendzentrum am Wansbeckplatz – der vorerst letzte. Während sich gleichaltrige freuen, dass Wehrpflicht und Zivildienst ausgesetzt sind, findet Pohlmann den Dienst inzwischen sinnvoll.

Doch von Anfang: Am Halveraner Anne-Frank-Gymnasium absolvierte Pohlmann sein Abitur. Lust auf den Zivildienst hatte er damals nicht. „Zeitverschwendung!“

Mit der Hochschulreife in der Tasche machte sich der Halveraner erst einmal auf in die große weite Welt. Australien – für ein Jahr. Zurück in der Heimat holte ihn der Alltag schnell ein.

„Ich brauchte schnell eine Zivi-Stelle und wurde hier fündig“, erzählt Christoph Pohlmann. Nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr begann er seinen Job am Wansbeckplatz – als erster Zivildienstleistender im Jugz, der statt neun nur noch sechs Monate Dienst schieben musste. Hausmeistertätigkeiten wie kleinere Reparaturen am und im Gebäude, aufräumen, Essensausgabe oder Unterstützung der Erzieherinnen gehörten zu seinen Aufgaben.

„Eine abwechslungsreiche und spannende Zeit“, sagt Christoph Pohlmann. Daher entschied er sich, seinen zunächst auf ein halbes Jahr datierten Vertrag um drei Monate zu verlängern. „Bevor ich die Zeit verschenke, mache ich lieber was“, erklärt Pohlmann, der den Zivildienst inzwischen als eine sinnvolle Sache ansieht: „Ich habe gelernt mit vielen verschiedenen Charakteren zurecht zu kommen. Die Zeit bringt mir also persönlich was.“

Die fast zwei Jahre nach dem Abitur (Auslandsaufenthalt und Zivi) sieht er als eine Art Orientierungszeit, die ihm geholfen hätten, sich Gedanken zu machen. Bis Ende März wird er dem Jugendzentrum erhalten bleiben. Wenn alles klappt, will er im April studieren – International Business.

Im Jugendzentrum hingegen wird ein personelles Loch klaffen: „Seit 1988 hatten wir durchgehend jedes Jahr Zivildienstleistende“, sagt die stellvertretende Jugendzentrumsleiterin Doris Schmitz, „auch ohne wird’s irgendwie gehen müssen. Aber so werden wir wohl häufiger Handwerker hier haben.“ Anders wäre es, wenn jemand freiwillig ein soziales Jahr machen will – als Orientierungszeit. ▪ mc

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