Letale Vergrämung des Kormorans soll heimische Fischart schützen

Hoffnung für die Äsche

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In der Volme ist die Äsche heute kaum noch zu finden. Schuld daran soll der Kormoran sein, weshalb eine letale Vergrämung des Vogels in Schalksmühle nun die Äsche schützen soll.

Schalksmühle - Eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises erlaubt seit dem 16. September eine letale Vergrämung von Kormoranen im Schalksmühler Gebiet der Volme. Doch was bedeutet das für den Vogel, der trotz seiner zuletzt deutlichen Vermehrung noch immer auf der Liste der geschützten Arten steht?

„Seit wir die Genehmigung haben, wurden zwei Kormorane in dem vom Angelsportverein Saubere Volme gepachteten Gebiet gesehen“, teilt Wolfgang Enders, Vorsitzender des ASV, mit. Ob die Vögel tatsächlich schon geschossen wurden, wisse er allerdings nicht.

Die letale Vergrämung der Kormorane beantragte der ASV bereits zum zweiten Mal. „Der Kormoran frisst im Durchschnitt ein halbes Kilogramm Fisch pro Tag“, sagt Enders. „In Schalksmühle leben an der Volme geschätzt sechs Kormorane das ganze Jahr über, im Winter, wenn die umliegenden Talsperren zufrieren, kann die Zahl auf etwa 18 Vögel ansteigen. Von dem hohen Fischverlust, der damit einhergeht, kann sich die Volme nicht selbstständig erholen“, befürchtet Enders.

Er ist froh, dass die Volme nach den vielen Fischsterben bis in die 1990er-Jahre wieder beinahe Trinkwasserqualität habe, doch auch die Artenvielfalt und besonders die heimischen Fischarten müssten geschützt werden. So fällt eine einheimische Fischart, die Äsche, dem häufig als gefräßigen Fischräuber bezeichneten Vogel besonders zum Opfer. Grund ist ihr Fluchtverhalten, bei Gefahr keine geschützten Stellen im Uferbereich oder unter Steinen und Ästen zu suchen, sondern das Freiwasser zu bevorzugen. Dieses Verhalten ist nicht an den Kormoran angepasst, der an den heimischen Gewässern eigentlich nicht zuhause sei, wie Enders sagt.

Damit sei die Äsche leichte Beute für den Vogel, der für den Schwund der Fischart in der Volme verantwortlich sei. Lediglich in einem kleinen Teilstück des Flusses im Stadtgebiet von Hagen kämen noch einige Äschen vor, wie Bestandsaufnahmen des Kreises zeigen. „Da gehen die Kormorane nicht hin, also können einige Äschen überleben“, weiß Enders. In den angrenzenden Flussbereichen bis nach Schalksmühle sind sie, laut den Bestandsaufnahmen, praktisch nicht mehr zu finden.

„Bis Februar haben wir nun die Genehmigung für eine letale Vergrämung von Kormoranen in maximal 200 Meter Entfernung zur Volme. Wenn dann die Brutzeit beginnt, endet auch unsere Genehmigung, was gut so ist“, sagt Enders. Anschließend werde man schauen, wie sich die übrigen Kormorane verhalten. Enders habe die Hoffnung, dass die Vögel die Gebiete an der Volme anschließend meiden und die Äsche damit wieder in den Fluss zurück kehren kann. „Wenn die Chance besteht, dass sich die Äsche hier wieder ansiedeln kann, würden wir gerne an einem Äschenschutzprogramm, wie es an der Lenne besteht, teilnehmen. Die Programme dauern jeweils vier Jahre. Dafür wären wir allerdings auf finanzielle Unterstützung durch das Land oder auf Spenden angewiesen“, sagt Enders.

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