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Lehrermangel im MK: Versetzungsanträge wegen A45-Sperrung 

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Von: Carolina Ludwig

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Der Lehrermangel ist ein großes Problem an den Schulen im MK.
Der Lehrermangel ist ein großes Problem an den Schulen im MK. © Klaus-Dietmar Gabbert

Steigende Schülerzahlen und fehlende Lehrkräfte – die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der Bildung in Deutschland. Auch in Schalksmühle fehlt es an Fachkräften.

Auf einer Karte auf ihrer Internetseite stellt die GEW den Lehrkräftemangel in den einzelnen Bundesländern dar. Nordrhein-Westfalen kommt dabei auf der Skala mit hellrot – der zweitbesten Stufe – davon, grün ist kein einziges Bundesland markiert. „In Nordrhein-Westfalen fehlen an vielen Schulformen Lehrkräfte.

Es fehlt ein echtes Rahmenkonzept zur Orientierung, es fehlten Mittel, Fachkräfte und Instrumente, um gut durch Herbst und Winter zu kommen“, steht auf der interaktiven Karte. Ralf Gensmann, Schulleiter der Grundschule Spormecke bestätigt das, vor allem Krankheitswellen sind ein Problem.

„Der Unterricht kann im Moment stattfinden. Aber auch nur dann, wenn keiner erkrankt“, sagt er. Normalerweise sehe das Stellenkontingent Doppelbesetzungen vor, das sei aktuell kaum möglich. „Es ist schwierig, das Fachpersonal fehlt. Grundständig ausgebildete Lehrer sind Mangelware“, sagt Gensmann.

Die Schülerschaft hat sich verändert, wir haben einen höheren Förderbedarf. Unterricht wie vor 20 Jahren ist nicht mehr möglich, wir brauchen mehr Personal.

Ralf Gensmann, Schulleiter der Grundschule Spormecke

Aber warum möchten scheinbar immer weniger junge Menschen unterrichten? Die Bezahlung alleine ist laut Gensmann nicht das Problem. „Die Entscheidung, sie besser zu bezahlen, ist gut, hilft aber aktuell nicht“, sagt er. Die Belastung für die einzelnen Lehrkräfte erhöhe sich, die Schülerzahlen steigen, und es fallen immer mehr Aufgabe an, die nichts mit dem eigentlichen Unterricht zu tun haben.

„Die Schülerschaft hat sich verändert, wir haben einen höheren Förderbedarf. Unterricht wie vor 20 Jahren ist nicht mehr möglich, wir brauchen mehr Personal“, sagt Gensmann. Man müsse Kinder teilweise befähigen, Deutsch zu lernen und Dinge aufzuholen, die zu Hause versäumt würden.

Veränderungen in der Gesellschaft

Veränderungen in der Gesellschaft, fehlende soziale Kontakte durch die Corona-Pandemie und erhöhter und vor allem verfrühter Medienkonsum würden bei einigen Schülern dazu führen, dass sie sich kaum noch konzentrieren und lernen können. „Nicht alle Eltern lesen ihren Kindern noch etwas vor. Auch das Draußenspielen ist wichtig für die Entwicklung“, sagt er. Teilweise seien die Schüler in der ersten Klasse schlicht und ergreifend noch nicht schulreif, müssten aber trotzdem irgendwie unterrichtet werden. Dazu kommen geflüchtete Kinder, die kein Deutsch sprechen und unter Umständen traumatisiert sind.

„Das Gleiche gilt für die Inklusion. Die Idee ist gut, aber dafür braucht man Sonderpädagogen, die sind auch nicht da. Im normalen Schulbetrieb übernehmen das die Lehrer, aber eine Förderung ist da nicht möglich“, sagt er. Die gleichbleibend vollen Klassen seien hier ein großes Problem: „Die Inklusion wurde eingeführt, aber die Bedingungen haben sich nicht geändert.“ An der Grundschule Spormecke versuche man zwar, neue Wege zu gehen, und habe Systeme und gute Förderkonzepte entwickelt. Aber ohne Personal könnten diese schlicht nicht umgesetzt werden.

Fehlende Fördermöglichkeiten

Die fehlenden Fördermöglichkeiten würden zu immer größeren Unterschieden in den Klassen und damit erneut zu einer höheren Belastung und größerem Bedarf an Lehrkräften führen. Die Misserfolge bei den Kindern würde man oft erst nach vielen Jahren deutlich sehen, wenn sie zum Beispiel eine Ausbildung beginnen sollen. „Dann kriegen wir die Quittung“, sagt der Schulleiter.

In Schalksmühle kommt laut Gensmann speziell die Belastung durch die Brückensperrung hinzu. „Viele Kollegen aus Iserlohn, Hagen oder Dortmund stellen Versetzungsanträge. So langsam gehen uns die Fachkräfte aus“, warnt Gensmann.

Man müsse an einer langfristigen Lösung arbeiten. „Die letzten beiden Landesregierungen haben es nicht für nötig befunden, schon im Studium mehr Lehrer auszubilden. Die Auswirkungen spüren wir jetzt.“ Eine mögliche Lösung sieht Gensmann darin, mehr Geld bereitzustellen. „Für Bildung müsste man das Doppelte bereitstellen“, fordert er. Einfach die Löhne zu erhöhen, sei dabei keine Lösung.

Da geht es auch um die Wertschätzung. Wie wichtig ist uns Bildung, und wie viel Geld muss man da investieren.

Der Schulleiter Ralf Gensmann

„Die Entscheidung, Lehrkräfte besser zu bezahlen ist gut, hilft aber aktuell nicht“, sagt Gensmann. Man müsse die Kapazitäten an den Universitäten ausbauen, vor allem im Primarstufen- und Sonderpädagogik-Bereich. „Da muss man investieren, neue Stellen in der Lehre schaffen und Räume zur Verfügung stellen“, sagt er. Auf Quereinsteiger zu setzen, sei langfristig keine Lösung, man brauche Lehrkräfte mit einer qualitativ guten Ausbildung.

Wissen und Know-how

„Da gehört viel an Wissen und Know-how zu, guten Unterricht zu machen“, betont er. Sechs Jahre Studium und Referendariat hätten ihren Grund. „Das kann ein Seiteneinsteiger überhaupt nicht nachholen“, findet Gensmann. In Schalksmühle habe man auch Studenten angestellt. „Das ist eine gute Sache, so können sie Erfahrungen sammeln und Unterricht machen. Aber das ist nicht vergleichbar mit den Klassenlehrern“, sagt er.

Stellen habe man immer wieder ausgeschrieben, auch solche, die Verwaltungsarbeiten abnehmen könnten, aber beworben habe sich niemand. Angesichts prognostizierter steigender Schülerzahlen, wie es die GEW schreibt, wünscht sich Gensmann sofortiges Handeln und große Investitionen in die Bildung. „Da geht es auch um die Wertschätzung. Wie wichtig ist uns Bildung, und wie viel Geld muss man da investieren?“, fragt er. Die verbliebenen Lehrkräfte würden tun, was sie können. „Aber es wird nicht einfacher“, sagt Gensmann.

15 Vorschläge der GEW gegen den Lehrkräftemangel

1. Arbeitszeitreserven heben, weniger Belastung und dadurch niedrigere Teilzeitquoten, weniger Langzeiterkrankungen und Frühpensionierungen.

2. In multiprofessionellen Teams sollen Aufgaben je nach Qualifizierung besser verteilt werden, dabei hilft die Anstellung von Sozialpädagogen, Psychologen und Dolmetscherinnen.

3. Mehr IT- und Verwaltungsunterstützung soll Lehrkräfte von nichtpädagogischen Aufgaben entlasten.

4. Gutes Geld für Gute Arbeit: Die Arbeit an den Grundschulen aufzuwerten, die überwiegend von Frauen geleistet wird, ist laut GEW überfällig.

5. Studienplätze sollen ausgebaut und das Studium verbessert werden, um die hohe Abbruchquote zu verringern.

6. Ausländische Abschlüsse sollten anerkannt und die gegebenenfalls erforderliche Weiterbildung berufsbegleitend ermöglicht werden.

7. Referendariatsplätze sollen ausgebaut und verbessert werden, um auch hier die Abbruchquote zu senken.

8. Die Bezahlung von Lehramtsanwärtern und Referendaren soll verbessert werden – aktuell liegt sie laut GEW bei rund 1500 Euro brutto im Monat.

9. Quereinsteiger sollten qualifiziert werden, sodass ihr Abschluss nach Ausbildungsende dem der anderen Lehrkräfte gleichgestellt werden kann.

10. Wo aktuell nicht als Lehrkraft ausgebildete oder in Ausbildung befindliche Beschäftigte unterrichten, sollten diese von ausgebildeten Lehrkräften begleitet und ihnen die Möglichkeit zur Nachqualifizierung gegeben werden, wenn sie sich im Unterricht bewähren.

11. Mentoren von Nachwuchslehrkräften sollen Entlastungsstunden erhalten, Schulen, die ausbilden, zusätzliche Lehrkräfte.

12. Schulen in schwierigem sozialen Umfeld sollten besser ausgestattet werden, um den Anforderungen gerecht zu werden.

13. Neue Modelle in der Lehramtsausbildung sollen diese schneller und attraktiver gestalten.

14. Die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Länder sollen eine Strategie entwickeln, kontinuierlich ausreichend Lehrkräfte auszubilden und einzustellen, um den ständigen Zyklus von Lehrkräfteüberschuss und -mangel zu überwinden.

15. Vereinbarungen der KMK wurden in der Vergangenheit nicht flächendeckend umgesetzt. Deswegen schlägt die GEW einen Staatsvertrag zur Lehrkräfteausbildung und zur Deckung des Lehrkräftebedarfs vor.

Quelle: www.gew.de/15-punkte-gegen-lehrkraeftemangel

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