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Wandel in kleinen Orten im MK: Döner ja, bei Frikadellen wird‘s schon schwierig

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Von: Thomas Machatzke

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Döner Kebab (Symbolbild)
Ein Döner ist in Schalksmühle zu bekommen. (Symbolbild) © Söhnke Callsen/dpa/picture alliance

Im Schalksmühler Ortskern gab es zuletzt so manchen guten Ansatz, aber noch stehen viele Ladenlokale leer. Zu viele. Bernd-Martin Leonidas findet, dass das nicht so sein müsste. Der Ortskern habe Potenzial.

Schalksmühle – Es ist gut möglich, dass schon bald ein leeres Ladenlokal im Schalksmühler Ortskern wieder eine Bestimmung finden wird. Das ist eine gute Nachricht. Die schlechte gibt es aber direkt hinterher: Es wird wohl keine Neuansiedlung sein, sondern ein Umzug. Das Geschäft Fluse & Bär, in dem es Kurzwaren und Kinderspielzeug zu kaufen gibt und das bisher in der Mühlenstraße direkt neben der Geschäftsstelle der SGSH Dragons zu Hause ist, schaut sich um.

Leeres Ladenlokal im Ortskern
An leerstehenden Objekten mangelt es im Ortskern nicht. Dafür gibt es inzwischen kein eigenständiges Metzgergeschäft mehr. © Thomas Machatzke

„Die Inhaberin Andrea Steinhauer will sich da etwas vergrößern, will das Segment der Spielwaren noch weiter ausbauen“, sagt Bernd-Martin Leonidas, der im Schalksmühler Rathaus die Leerstände in der Gemeinde betreut – immer in der Hoffnung, dass sich die Dinge bessern könnten. Denn es nicht gut bestellt um den Ortskern. Wer Schalksmühle besucht, findet zwar das eine oder andere schöne Geschäft, eine Eisdiele, eine Pizzeria oder einen Dönerladen. Seit kurzem zudem ganz neu das Sanitätshaus Mischnick und direkt daneben das Kulturcafé Breddermann, das richtig gut durchgestartet ist. Aber auf dem Weg durchs Dorf gibt es eben auch die vielen leeren Schaufenster, die ein Bild der Tristesse zeichnen.

„Es geht darum, die Frequenz im Dorf zu erhöhen, die Frequenz ist zu gering“, sagt Leonidas. Das geht nicht auf Knopfdruck. Es geht um die richtige Strategie, um Ideen, vielleicht auch um Mut. Leonidas hat ein langes Konzept geschrieben. Die Politiker haben es gelesen und fanden vieles gut. Er wünscht sich mehr Farbe im Ortskern, ein schnelleres Internet, vielleicht auch attraktive Foto-Punkte – also Orte, an denen Gäste ein Selfie schießen und in die Welt verschicken können. Leonidas hat im Konzept auch etwas von einem Strand im Sommer auf dem Rathausplatz geschrieben. Sand und ein Eis aus dem benachbarten Eiscafé Valentina – eine schöne Vorstellung, fürwahr. Die Volmegemeinde könnte so ein Ort sein, an dem die Gäste vielleicht nicht nach einer Jeans oder einer Uhr Ausschau halten, sich aber immerhin in ihrer Freizeit wohlfühlen und entspannen könnten.

Leerstände in Schalksmühle - was passiert mit den Räumen?

Die Realität indes ist im Ortskern eine andere. Ein Eis bekommt man, einen Döner auch, aber schon bei einem Mettbrötchen oder einer Frikadelle wird’s schwierig: Seit die Metzgerei Geier im Eckhaus Mühlenstraße/Kirchgasse ihre Pforten geschlossen hat, gibt es nicht einmal mehr einen Metzger im Ortskern, auch sonst nirgendwo in der Gemeinde, außer in den Supermärkten. Ohne dem Kaufpark oder Edeka mit ihren gut gefüllten Frischtheken zu nahe treten zu wollen – ein richtiges eigenständiges Metzgergeschäft würde dem Ort gut zu Gesicht stehen. Oder andersherum: Wer Frequenz möchte, sollte zumindest das im Angebot haben, was man mithin nicht im Internet bestellen kann. Ein Brötchen mit Leberwurst zum Beispiel, oder eine heiße Fleischwurst.

Die Metzgerei Geier übrigens, sie hatte eigentlich genau dies vor: Das in die Jahre gekommene, kleine Eckhaus, das nun leer steht, bietet beschränkte Möglichkeiten. Deshalb hatte das Traditionsunternehmen aus Lüdenscheid ein anderes Eckhaus gekauft: Die Bahnhofstraße 8 – also das Haus, an dem sich Mühlenstraße und Bahnhofstraße treffen. Hier saß früher einmal ein Reisebüro, später eine Fahrschule. Und nun? Wird Geier sein Vorhaben nicht umsetzen, eine neue, größere Metzgerei mit umfangreichen Mittagsangebot an den Start zu bringen. Es fehle, sagt Bernd-Martin Leonidas, an Personal. Deshalb könnte es nun gut sein, dass Fluse & Bär in dieses Ladenlokal zieht. Es wäre ein Umzug, für den man mutmaßlich nicht einmal ein Auto benötigen würde.

Leonidas würde das freuen, auch wenn dann das Ladenlokal in der Mühlenstraße leerstehen würde. Dort soll es ebenso von Seiten der Kirchgasse Probleme mit der Feuchtigkeit geben wie nebenan bei den SGSH Dragons, die erst kürzlich umfangreich trockengelegt haben. Auch das ist in Sachen Leerstände ein Problem: Nicht jedes leer stehende Ladenlokal bietet wirklich gute Voraussetzungen für den Start eines neuen Unternehmens.

Es ist trotzdem viel Potenzial da. Ich bin überzeugt, dass man mit kleinen Mitteln viel erreichen könnte!

Bernd-Martin Leonidas (Gemeinde Schalksmühle)

„Es gibt da das eine oder andere Haus, in dem auch mal investiert werden müsste“, sagt Leonidas, „gerade auch in der Bahnhofstraße an unterschiedlichen Stellen. Mitunter scheitert der Aufbruch zu etwas Neuem auch daran, dass das Alte, das Vorhandene, in keinem guten Zustand daherkommt. Wer mietet schon ein Ladenlokal, in dem er erst einmal schauen muss, wie es trockengelegt wird. Je länger die Lokale leerstehen, desto schwieriger wird diese Problematik. „Ich hoffe, dass nun über die Hochwasseranträge einiges saniert werden kann“, sagt Leonidas und spricht damit die Häuser an, die direkt vom Hochwasser betroffen waren. So zum Beispiel auch das ehemalige Ladenlokal von MR-Sport am Ende der Bahnhofstraße.

Am anderen Ende der Bahnhofstraße – direkt gegenüber vom Geschäft, in dem MR-Sport nun zu Hause ist, hätte es vor kurzum beinahe ein weiteres Erfolgserlebnis für Leonidas gegeben. Im Eckhaus zur Hälverstraße, in dem früher einmal die Bäckerei Schmäing, zuletzt aber Friseur- und Barbier-Geschäfte zu Hause waren, sollte sich ein Modegeschäft ansiedeln. Der Eigentümerin war in Hagen mit dem Hochwasser ihr Geschäftslokal abgesoffen. Sie sei ernsthaft interessiert gewesen, erzählt Bernd-Martin Leonidas. Man hätte mit dem Programm sogar am Sofortprogramm Innenstadt teilnehmen können. Doch nach erstem Kontakt habe der Vermieter viel Zeit verstreichen lassen. Zu viel. Am Ende fand die interessierte Dame, die „junge Mode“ hatte etablieren wollen in Schalksmühle, dann doch wieder ein Ladenlokal in Hagen. Chance verpasst.

„Manchmal würde ich mir bei den Vermietern ein größeres Interesse daran wünschen, die Objekte auch tatsächlich zu vermieten“, sagt Leonidas. Es bleibt dabei: Er wünscht sich mehr Mut. Dass bestimmte Dinge nicht mehr so funktionieren würden, seit es das iPhone gebe, konstatiert Leonidas – mit anderen Worten: Die Dinge, die in den vergangenen Jahren munter ins Internet abgewandert sind, wird man nicht zurückbekommen, auch nicht in Schalksmühle. „Aber es ist trotzdem viel Potenzial da“, sagt Leonidas und will den Kopf nicht in den Sand stecken, „ich bin überzeugt, dass man mit kleinen Mitteln viel erreichen könnte.“

Es ist der Traum von einer Art Kettenreaktion: Je attraktiver der Ort wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich wieder eine neue Idee in diesem Umfeld ansiedelt. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Aber nun erst einmal Fluse & Bär, dann vielleicht irgendwann wieder eine Metzgerei oder ein Konditor. Es sind Ansätze, für die sich auch von Gemeindeseite ein Kampf lohnen dürfte. Es gibt sie noch, die Schalksmühler, die sich gerne an die Konditorei Kückelhaus erinnern – „Husser“ hieß sie im Volksmund. Es gab Gäste, die kamen mit dem Zug aus dem Ruhrgebiet, aßen dort Kuchen, machten eine Runde durchs Dorf und setzten sich wieder in den Zug. So ein Angebot gibt es auch heute nicht im Internet. Es gibt sie, diese Nischen, die Gemeinde muss sie nur finden.

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