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Long Covid: Kraftsportler aus MK kämpft mit den Folgen einer Corona-Infektion

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Von: Thomas Machatzke

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Kraftsport
Drückt längst nicht mehr die Gewichte wie noch vor einem Jahr: Luan Ferizaj. © Thomas Machatzke

Luan Ferizaj ist Kraftsportler und erkrankte vor fast einem Jahr an Corona. Er leidet bis heute an den Folgen. „Es wird jeden Tag besser, wenn auch nur ganz langsam“, sagt der Schalksmühler.

Schalksmühle - Wenn sich dieser Tage in Lüdenscheid oder in Halver Menschen zu Spaziergängen treffen, die Einschränkungen für Ungeimpfte nicht einfach so hinnehmen wollen, wenn sich die Fronten in rauem Ton verhärten zwischen Impfbefürwortern und -kritikern, weil die Gruppen einander einfach nicht verstehen, dann regt sich auch in Luan Ferizaj Unmut. „Ich möchte diesen Menschen sagen: Corona gibt es. Das ist keine Erfindung“, sagt der 38-jährige Schalksmühler der Spaziergänger, „und mich hat das Virus richtig voll erwischt…“

Ferizajs Geschichte beginnt am 19. Januar des vergangenen Jahres. Schlapp habe er sich gefühlt. Am 20. Januar bei der Arbeit habe ihm der Kaffee nicht mehr geschmeckt. „Und ohne Kaffee gibt es mich da eigentlich gar nicht“, sagt er. Die Kollegen, sie haben gesagt: „Du siehst nicht gut aus heute!“ Dann kam der Schwindel. Ferizaj ordnete all dies als Corona-Symptome ein, ließ sich testen. Als der Test positiv ausfiel, ging er in Quarantäne.

Mit der Krankheit schwand die Kraft

Luan Ferizaj ist der vierte Sohn der Familie in Schalksmühle. Zwei seiner Brüder betreiben neben der katholischen Kirche den Imbiss Diamant, der dritte Bruder spielt Tischtennis. Luan Ferizaj, der Jüngste von ihnen, ging lieber ins Injoy und hatte Spaß am Kraftsport. Doch von den 110 Kilogramm im Bankdrücken sind jetzt nur noch 50 übrig. An guten Tagen.

41,7 Grad Fieber und Luftnot

Doch zurück zum Beginn. Kraftlos sei er gewesen, sagt Ferizaj, dazu diese Gliederschmerzen, der starke Husten, 40,5 Grad Fieber. Nachts habe er bei offenem Fenster geschlafen Ende Januar, aus Angst, keine Luft mehr zu bekommen. Den Kontakt zur Familie hielt er telefonisch. Am 17. Februar stieg das Fieber auf 41,7. Da hat er das Telefon genommen und einen RTW gerufen. „Ich war so kurzatmig“, sagt Luan Ferizaj, „habe keine Luft mehr gekriegt. Ich habe Schmerzmittel bekommen, Cortison. Und ich habe mir nur noch gewünscht, dass man mich sediert.“

Bis zum 22. Februar blieb Ferizaj in Hellersen. Es war ein schwerer Verlauf, doch die Lage war stabil, und aus England war die Variante B117 im Anmarsch. „Deshalb hat man mir geraten, nach Hause zu gehen“, erinnert er sich. Langsam wurde es besser. Am 26. Februar fiel der Corona-Test erstmals wieder negativ aus. Nach einem Monat und sechs Tagen. „Ich habe in diesem Moment gedacht, ich hab’s geschafft“, sagt Ferizaj, doch da hatte er sich geirrt.

Immer wieder einfach platt

Die Kopfschmerzen blieben, auch die Kraftlosigkeit, er fieberte bis 39 Grad auf und war immer wieder einfach platt. Als es nicht besser wurde, ging es am 27. Mai zur Reha nach Bad Lippspringe. Aus geplanten drei Wochen dort wurden fünf. „Mit der Therapie wurde es besser“, sagt Luan Ferizaj. Aber nicht auf 100 Prozent, eher auf 65. „Und bei der Körperanalyse hat man dann auch noch Diabetes festgestellt, wohl aufgrund der vielen Cortison-Einnahme“, sagt Ferizaj. Zwei Tabletten am Tag nimmt er seitdem, um den Blutzucker im Rahmen zu halten.

Zurück daheim, attestierte ihm sein Hausarzt „Long Covid“. „Es blieb dabei: Kein Tag war wieder andere“, erzählt der Schalksmühler, „psychisch und physisch waren es starke Schwankungen. Bin ich vor einem Jahr locker 20 bis 30 Minuten über den Crosstrainer marschiert, schaffe ich heute vier bis fünf Minuten.“

Geisterbahnfahrt der Gefühle

Die Geisterbahnfahrt der Gefühle im Sommer ging weiter. Luan Ferizaj verlor seine Tante, die mit Corona starb. Ein mentaler Rückschlag. Nach dem Wiedereinstieg ins Berufsleben bei der Firma Linker Ende Juli klagte er am zweiten Arbeitstag über einen Körper-Muskelkater wie noch nie zuvor in seinem Leben. Vergesslichkeit und Kraftlosigkeit blieben ständige Begleiter, auch die Kopf- und Gliederschmerzen. Und dann, als er sich zu einer Impfung entschloss, wurde es richtig schlimm. „Auf einmal waren bis auf den Husten alle Symptome wieder da wie im Januar“, sagt Luan Ferizaj. Das hohe Fieber, die Kopfschmerzen. Er machte einen Test, der aber negativ ausfiel. Trotzdem konnte er eine Woche lang nicht arbeiten.

„Mich hat Corona fertig gemacht“

Ende des Jahres kamen dann auch noch Rückenschmerzen dazu. Ferizaj ging zum Arzt. Wahrscheinlich des langen Liegens wegen seien sie aufgetreten, stellte der Arzt fest. Der 38-Jährige hat zwölf Monate hinter sich, die sich niemand ausdenken kann mit all ihren Heimsuchungen, seine Zuversicht verliert er trotz aller Rückschläge aber nicht. „Es wird jeden Tag besser, wenn auch nur ganz langsam“, sagt er, „man muss Geduld mitbringen.“ Er hält inne. Geduld hat er, aber nicht mehr mit jenen, die da mit ihren Spaziergängen auf die Straße gehen. „Wenn ich dann lese, Corona gibt’s nicht, dann möchte ich diesen Menschen sagen: Corona gibt’s. Mich hat Corona fertig gemacht!“

Bis zu 15 Prozent der Erkrankten mit Langzeitfolgen

Der Begriff „Long Covid“ bezeichnet die gesundheitlichen Spät- oder Langzeitfolgen der Coronavirus-Krankheit (Covid-19). Eine akute Covid-19-Infektion dauert in der Regel bis zu vier Wochen, sie kann allerdings bei stationärer Behandlung auf einer Intensivstation auch mehrere Monate anhalten. Längerfristige Symptome können aber über diesen Zeitraum hinaus bestehen oder zusätzlich auftreten, auch bei mildem Krankheitsverlauf oder unbemerkter Infektion. Eine einheitliche Definition für Langzeitfolgen liegt nicht vor. Die beobachteten Symptome sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von schwerwiegenden Lungenschäden bei hospitalisierten Patienten über Entzündungsreaktionen und Veränderungen an verschiedenen Organen bis zu Atemnot, Fatigue, Bewusstseinstrübungen und neurologischen Störungen. Gerade die Post-Covid-Müdigkeit oder -Fatigue kann bereits nach milden Verläufen auftreten. Offiziell geht man in Deutschland davon aus, dass bis zu 15 Prozent aller Corona-Kranken von Long-Covid-Symptomen betroffen sind. QUELLE: WIKIPEDIA

Die Städte im Märkischen Kreis befinden sich in der vierten Corona-Welle. Alle News und Zahlen zu Inzidenz, Neuinfektionen und Regeln im MK.

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