Krise hat Auswirkungen

Langjähriger Buffet-Service: „Corona hat Rücklagen gekostet“

Thomas Wilmsmann, Corona, Betriebsjubiläum
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Im Jahr des 40. Betriebsjubiläums hat die Corona-Krise den Buffet-Service von Thomas Wilmsmann hart getroffen. Der gelernte Koch und Küchenmeister hofft aber, dass es allmählich aufwärts geht.

Mit voller Wucht hat es das Unternehmen von Thomas Wilmsmann getroffen. Die Auswirkungen der Corona-Krise trüben den Alltag - und den runden Geburtstag.

Schalksmühle – Nein, nach einer großen, unbeschwerten Feier ist Thomas Wilmsmann nicht zumute dieser Tage. Seit nunmehr 40 Jahren gilt der Buffet-Service Wilmsmann an der Bergstraße als Institution in Schalksmühle und darüber hinaus – doch ausgerechnet zum runden Geburtstag erwischt die Corona-Pandemie das Unternehmen mit voller Wucht.

Thomas Wilmsmann, Jahrgang 1976, gelernter Koch und Küchenmeister, sitzt in den Räumen, in denen normalerweise Privatpersonen und gewerbliche Kunden beraten werden, wenn es darum geht, kleine oder ganz große Feiern kulinarisch zu begleiten. Ein wenig nachdenklich wirkt der Schalksmühler, obwohl die Historie des Unternehmens eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist. Die Wurzeln reichen sogar noch viel weiter zurück als „nur“ ins Jahr 1981.

Schon 1953 eröffnen Thomas Wilmsmanns Großeltern die Metzgerei Mörchen, die 1980 alters- und gesundheitsbedingt geschlossen wird. Es folgt 1981 Heidrun Wilmsmanns „Plattenservice“, der alsbald in „Buffet-Service“ umbenannt wird. „Wir haben schließlich keine Schallplatten im Angebot“, schmunzelt Thomas Wilmsmann, der 1992 bei Charly Kutsch im angesehenen „Haus Im Dahl“ seine Kochlehre absolvierte. 2001 folgt der Küchenmeister, 2005 steigt Thomas Wilmsmann nach mehreren Jahren in Göttingen ins elterliche Unternehmen ein, das er ein Jahr später übernimmt. So ist es geplant. So kommt es. Wenn Not am Mann ist, helfen die Eltern auch heute noch aus.

Es ist alles kurzfristiger geworden.

Thomas Wilmsmann

Das Unternehmen entwickelt sich, die Räume an der Bergstraße 90 werden im Jahr 2012 komplett um- und ausgebaut. Hinter den Büroräumen liegt eine professionelle Küche, die man in dieser Größe nicht vermutet in dem Haus. Ob die Feier im kleinen Kreis mit fünf Personen oder im Betrieb mit 400 Gästen, Tagungen, Seminare – Thomas Wilmsmann und sein Team haben von Snacks und Fingerfood bis hin zu festlichen Menüs alles im Angebot. Regional, international – wie der Kunde es wünscht. Wie sich die Branche verändert hat in den vergangenen Jahrzehnten? – „Es ist alles kurzfristiger geworden“, sagt Thomas Wilmsmann, „wir haben lange nicht mehr so viel Vorlauf wie noch vor einigen Jahren. Es gibt auch Leute, die rufen einen Tag vorher an. Das wird dann schwierig. So etwas kann klappen, muss aber nicht.“

Hart erwischt: Corona lässt Umsätze wegbrechen

Und dann kommt Corona, erwischt das Unternehmen ähnlich hart wie die Gastronomie. Von jetzt auf gleich brechen die Umsätze weg. „In der Krise hatten wir einen Umsatzrückgang von bis zu 70 Prozent“, sagt Thomas Wilmsmann. Er jammert nicht, sondern schildert sachlich die Lage. Seine beiden festangestellten Mitarbeiter muss der Chef in Kurzarbeit schicken, stockt das Kurzarbeitergeld auf. Beide sind geblieben.

Die Aushilfen nicht. Kurzarbeitergeld kann für Minijobs nicht gezahlt werden. Die Mitarbeiter orientieren sich neu. Jetzt sind alle Aushilfen weg. Auf seiner Homepage, die Thomas Wilmsmann in der Coronazeit ebenso überarbeitet wie den Prospekt des Unternehmens, werden eine Küchenkraft und eine Aushilfe gesucht. Ja, es gibt staatliche Hilfen. Doch die reichen nicht aus. Die Kontaktbeschränkungen machen Feiern unmöglich. Wo keine Feiern, da kein Catering. „Wenn ich für jede Feier, die während Corona abgesagt wurde, einen Schnaps getrunken hätte, hätte ich regelmäßig mittags ins Bett gehen können“, sagt Thomas Wilmsmann. Klingt lustig, ist es aber nicht.

Mittagstisch ist die Rettung

Das Unternehmen hält sich über Wasser mit dem Mittagstisch. Das sind preiswerte, gut bürgerliche Gerichte, die Thomas Wilmsmann für einen schmalen Euro (3,80 bis 4,80 Euro) täglich wechselnd zur Abholung anbietet. Privatleute und Firmen nutzen dieses Angebot. Bis zu 50 Essen werden täglich abgeholt, die Speisekarte gibt es für einen Monat im voraus im Internet (www.bs-wilmsmann.de). Auch die Verpflegung der Kindergärten vor Ort, die Wilmsmann zum Teil beliefert, wird weniger. In der Summe ist es ein Zuschussgeschäft. „Corona hat Rücklagen gekostet. Zu Beginn der Krise hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es so lange so extrem ist“, bilanziert der Chef, der jetzt darauf hofft, dass die Normalität Schritt für Schritt zurückkehrt. „Ich bin optimistisch, dass es jetzt besser wird.“

Wie auf Kommando öffnet sich die Bürotür, eine Kundin bringt Platten und Geschirr zurück: „Lecker war’s.“ Und was schmeckt dem Sauerländer aktuell? – „Fingerfood oder Kleinigkeiten im Gläschen sind ‘in’“, sagt Thomas Wilmsmann, „aber der gute, alte Spießbraten geht auch immer noch gut.“

Auf eine Feier wird verzichtet

Die Tür schließt sich wieder. Im sommerlichen Wind flattern die großen und kleinen „40-Schilder“, mit denen Thomas Wilmsmanns Lebensgefährtin das Haus an der Bergstraße 90 geschmückt hat. Auf eine große Feier zum Betriebsjubiläum, wie es sie in normalen Zeiten wohl gegeben hätte, verzichtet Wilmsmann indes ganz bewusst.

Stattdessen bedenkt der ausgemachte Hundefreund den Verein Doggenhilfe, der sich um die Vermittlung von in Not geratenen Doggen kümmert, mit einer Spende. So haben zumindest die sanften Riesen mit den Charakterköpfen, von denen zwei auch im Hause Wilmsmann leben, etwas von einer durch und durch ungewöhnlichen Situation...

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