70 Jahre für den Gesang

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Der Schalksmühler Gerhard Wischnewski ist seit 70 Jahren Sänger, zunächst im MGV Dahlerbrück und ab den 1980er-Jahren im Gemischten Chor Dahlerbrück.

Schalksmühle - Auf der zentralen Ehrung des Sängerkreises Lüdenscheid konnte sich Gerhard Wischnewski, Sänger beim Gemischten Chor Dahlerbrück, über eine besondere Auszeichnung freuen.

Seit nunmehr 70 Jahren ist Wischnewski, der am 4. April seinen 90. Geburtstag feiert, als Sänger aktiv, und das genau genommen sogar durchgängig im gleichen Chor, wobei sich die Dahlerbrücker in den 1980er-Jahren von einem reinen Männerchor zu einem gemischten Chor wandelten. Grund genug, zurückzuschauen auf diese besondere Sängerlaufbahn. 

Im April 1948 trat Gerhard Wischnewski auf Vorschlag seines Freundes Hans Hohmeister, der ebenfalls im damaligen Dahlerbrücker Männerchor aktiv war, in die Gemeinschaft ein und entdeckte seine Freude am Singen. Damals, so Wischnewski, habe es für junge Menschen wenig Freizeitmöglichkeiten gegeben – um Gemeinschaft zu erleben, habe die Auswahl zwischen dem Sportverein, dem Gesangverein oder der Feuerwehr bestanden. 

Besondere Vorliebe für Heimatlieder 

„Ich habe mich gut in den Chor eingefunden, denn ich konnte Noten lesen und Akkordeon spielen, sodass ich die Sänger bei Auftritten sogar musikalisch begleiten konnte“, erinnert sich Gerhard Wischnewski. „Ich hatte immer viel Spaß am Singen und freute mich sehr auf die Chorstunden.“ Am liebsten mag Wischnewski klassische Heimatlieder wie „Die alten Straßen noch“, dessen Text er mit einem Lächeln zitiert. „Dieses Lied singen wir bis heute“, erklärt er.

Der beim Eintritt in den damaligen Dahlerbrücker Männerchor gerade mal 20-Jährige hatte im Laufe seines bis dahin kurzen Lebens schon einiges erlebt – jedoch, wie bei vielen Vertretern seiner Generation, verursacht durch die Kriegsjahre längst nicht nur Gutes. Geboren wurde Gerhard Wischnewski in Masuren im damaligen Ostpreußen. Ähnlich wie sein späterer und inzwischen verstorbener Freund Hans Hohmeister absolvierte Wischnewski in seiner Heimat eine Tischlerlehre, als seine zehn Jahre jüngere Schwester und seine Mutter nach Pommern evakuiert wurden. „Mein Vater hatte bereits im Ersten Weltkrieg in der Marine gedient und war auch während des Zweiten Weltkrieges im Kriegseinsatz“, erinnert sich Wischnewski. 

In den Kriegswirren Flucht nach Pommern 

Gerhard Wischnewski inmitten einiger anderer Jubilare, die bei der Sängerehrung in Lüdenscheid geehrt wurden.

„Am 19. Januar 1945, da war ich 17 Jahre alt, konnte ich zu meiner Mutter nach Pommern fliehen und entkam dem Volkssturm, zu dem ich natürlich auch eingezogen werden sollte.“ Wischnewski brauchte drei Tage von Südostpreußen nach Pommern und legte dabei unter anderem viele Kilometer von Danzig aus in einem Lazarettzug zurück. Dabei hatte der junge Mann Glück und entkam dem Zugriff der Geheimen Feldpolizei, im Volksmund auch „Kettenhunde“ genannt, die auf der Suche nach Fahnenflüchtigen waren. 

Nachdem die Familie 1946 zunächst nach Gelsenkirchen Buer übersiedelte, wo auch ein Wiedersehen mit dem aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen Vater stattfand, zog sie im April 1946 nach Schalksmühle. „Da gab es Arbeit für meinen Vater, der Tischlermeister war, und ich selbst konnte meine abgebrochene Tischlerlehre beenden“, erinnert ich Wischnewski. Dabei lernte er auch seinen späteren langjährigen Freund Hans Hohmeister kennen, der ein Jahr jünger und ebenfalls in Ostpreußen geboren war. Darüber hinaus erhielt seine Familie eine Wohnung an der Hälverstraße. 

Das Singen als lebenslanger Begleiter 

Das Singen begleitete Wischnewski sein ganzes Leben lang, auch während er rund 30 Jahre eine Bürotätigkeit bei der Firma Schriever ausübte. „Das Stamm- und Probenlokal des MGV Dahlerbrück sowie des späteren Gemischten Chores Dahlerbrück war immer die Gaststätte Kutsch und ich legte die Strecke von Schalksmühle nach Dahlerbrück zu den Proben lange Jahre stets zu Fuß zurück“, erzählt Wischnewski. 

Bedauerlich findet es der Jubilar, dass es heute zunehmend weniger Männer im Gemischten Chor gibt. „Bei den Frauen kommen immer wieder neue hinzu, bei den Männern ist das leider nicht so“, sagt der Jubilar, der noch heute als Tenor im Chor aktiv mitsingt. Bei vielen Männern ändere sich mit zunehmendem Alter die Stimmlage, was oft dazu führe, das manche später nicht mehr singen könnten oder wollten. Das Singen möchte Gerhard Wischnewski aber auch nach seinem 90. Geburtstag nicht missen – er will so lange weitermachen, wie es seine bis heute gute Gesundheit zulässt.

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