Die Lähmung der Menschen

+
Noch bis zum 18. Mai sind Werke des Schalksmühler Künstlers Reinhard Schmidhagen in der Städtischen Galerie Lüdenscheid an der Sauerfelder Straße zu sehen. Dieses Bild zeigt eine Holzschnittfolge mit dem Titel „Die andere Front“.

SCHALKSMÜHLE/LÜDENSCHEID -  Pablo Picassos „Guernica“ ist hinlänglich bekannt. Kaum aber ins Licht der Öffentlichkeit rückte die Grafikfolge „Guernica“ des gebürtigen Schalksmühler Malers Reinhard Schmidhagen (1914-1945). Schmidhagen gehört zu den Künstlern des Nationalsozialismus, deren Werke derzeit in der Städtischen Galerie Lüdenscheid an der Sauerfelder Straße ausgestellt werden.

Zusammengestellt hat die Ausstellung der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit verschiedenen Museen und Galerien, kuratiert wird sie von Klaus Kösters.

Der gebürtige Schalksmühler Künstler lehnte schon als Schüler alles Militärische ab. Sein Pazifismus, aber auch seine Homosexualität machten ihn schon früh zum Außenseiter.

Während des nationalsozialistischen Terrors wurde der Künstler zu einem engagierten Antifaschisten. Wie viele andere Künstler in dieser Zeit litt Schmidhagen zunehmend unter dem ideologischen Kurs, verließ nach nur wenigen Semestern des Kunststudiums die Münchener Akademie, sah in der neusachlichen, geduldeten Malerei keine Vorbilder.

Im Anschluss an den deutschen Angriff auf Guernica schuf der Schalksmühler Maler eine Holzschnittfolge, in der er das Leiden in den Gesichtern der Menschen zeigt, Mütter, die im Angesicht der Bombadierung ihre Kinder zu schützen versuchen, das Leid und die Lähmung der Menschen. Damit war eine künstlerische Laufbahn im Nazideutschland unmöglich.

Dennoch nahm Schmidhagen 1940 das Studium der Kunstgeschichte in Marburg auf. Da er seine Werke nicht öffentlich zeigen durfte, stellte er 1944 einige davon in einer Marburger Privatwohnung aus – mit großem Erfolg.

Schmidhagen starb 1945 mit 30 Jahren an den Folgen seiner Lungenkrankheit.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Lüdenscheid ist noch bis zum 18. Mai zu sehen. Die Wanderausstellung bekommt in jeder Stadt, in der sie Station macht, einen anderen Schwerpunkt. In Lüdenscheid liegt der Fokus neben den westfälischen Künstlern auf dem in Lüdenscheid geborenen Maler Paul Wieghardt.

Die erste öffentliche Führung übernimmt am Sonntag Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen. Die Führung beginnt um 15 Uhr. Der Eintritt kostet vier, ermäßigt zwei Euro plus einen Euro Kosten für die Teilnahme an der Führung.

Von Jutta Rudewig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare