Kyrills Erbe: Fünf Jahre danach

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Förster Hubertus Bierkoch hat gut lachen: Wo vor rund 20 Jahren der Sturm Wiebke gewütet hat stehen heute Fichten, Birken und Buchen – dank Naturverjüngung. J

SCHALKSMÜHLE ▪ Der Orkan peitscht über das Land. Bäume knicken wie Streichhölzer um. Innerhalb weniger Minuten liegen Jahrzehnte alte Stämme wie in einem Mikadospiel wild übereinander. Kyrill. Januar 2007. Kaum ein anderer Sturm hat ein solches Bild der Verwüstung in Schalksmühle hinterlassen und die Region geprägt – auch fünf Jahre danach.

„Das war schon eine riesen Hausnummer. Aber es gab auch andere Stürme.“ Förster Hubertus Bierkoch deutet auf ein kleines Waldstück. Bierkoch steigt aus seinem Geländewagen und klettert einen Abhang hinauf. Zwischen Gräsern, Brombeeren und Farnen sprießen Fichten, Birken und Buchen.

1990 hat hier der Sturm Wiebke gewütet und bis heute seine Spuren hinterlassen. Viele der geschädigten Flächen haben die Waldbesitzer der Natur überlassen – natürliche Verjüngung nennen das Fachleute. Heute stehen auf den betroffenen Flächen Bäume mit verschiedenem Alter.

„Stück für Stück hat sich die Natur die Fläche zurückgeholt“, sagt Bierkoch, während er auf die unterschiedlich hohen Bäume zeigt. Die Fichten, die Wiebke überstanden hatten, warfen Samen. Außerdem haben sich Birken und Buchen selbst ausgesät. Auf einen ähnlichen Erfolg setzt Bierkoch auch bei den Kyrill-Flächen. 2007 fielen durch den Orkan rund 50 000 Festmeter Holz. „Einige Stücke haben wir so gelassen – andere sind wieder bepflanzt worden. Hauptsächlich mit Fichten.“ Diese seien immer noch der „Brotbaum“. Jedoch werden auch andere Bäume wie zum Beispiel Buchen, Eichen oder Douglasien gepflanzt. Doch vor allem Rehböcke sind ein großes Risiko, da sie die jungen Bäume verbeißen oder zum Fegen (Abrieb der Hörner) nutzen. Als Schutzmaßnahme können die Waldstücke beispielsweise umzäunt werden, was jedoch auch ein großer Kostenaufwand ist.

„Ob es sinnvoll ist, die zerstörte Fläche natürlich verjüngen zu lassen oder nicht, ist die Entscheidung vom Waldbesitzer“, macht Bierkoch deutlich. Die Waldbauern ständen unter dem Druck wirtschaftlich zu handeln – daher fiele die Entscheidung häufig zu Gunsten der Fichte aus. Obwohl Kyrill circa 100 von 1500 Hektar Schalksmühler Waldfläche zerstört hat, hat sich die Region erholt. Inzwischen sind auch die Marktpreise für Holz gestiegen. In einigen Jahren, meint der Fachmann, seien die jetzt noch kahlen Stellen bewachsen. Bierkoch: „Kyrill war nicht ,der' Sturm – Kyrill war ein starker Sturm – aber sicher nicht der letzte.“

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