Kuschelige Handarbeit aus Kaninchenfell

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Sonja Petzel (links) und Isabel Urban haben ein altes Hobby für sich entdeckt. Die beiden fertigen aus Kaninchenfellen verschiedene Produkte. Für den Abfall seien die Felle der geschlachteten Tiere zu schade, finden sie.

SCHALKSMÜHLE - Mit ihrem Hobby haben sie sich fast ein altes Handwerk angeeignet. Sonja Petzel aus Schalksmühle ist die Vorsitzende des Rassekaninchenzuchtvereins W 382. Zusammen mit ihrer Freundin aus Jugendtagen, Isabel Urban aus Halver, stellt sie in aufwendiger Handarbeit Tiere, Kissenbezüge, Westen und Accessoires aus Fellen der geschlachteten Kaninchen her.

Dabei setzen sie die Wünsche der Kunden und eigene Ideen um. Die Felle waren für den Abfall eigentlich zu schade, fanden die beiden schon immer. So besuchten sie anlässlich der Landesausstellung der Rassekaninchen in Hamm einen der angebotenen Kurse zur Verarbeitung der Felle.

Hauptsächlich ältere Züchterinnen konnten den jungen Frauen mit etlichen Tipps und Anleitungen, vor allem aber mit Material wie alten Schnittmustern, speziellen Kürschnernadeln, -messern, -garnen, wie auch einer alten Nähmaschine Marke Schlegel Rittershausen den Einstieg erleichtern. Die Ratschläge halfen maßgeblich, Anfängerfehler zu vermeiden.

Das alte Hobby stirbt unter den Kaninchenzüchterinnen mehr und mehr aus, erklären Petzel und Urban. Sonja Petzel hält rund 30 Tiere. Bei Bedarf kommt ein Metzger, um ausgewählte Tiere zu schlachten. Die hauptberufliche Gärtnerin kann das Hobby der Fellverarbeitung nur in ihrer Freizeit pflegen. Isabel Urban hatte zeitweise bis zu 80 Kaninchen in ihren Ställen. Ihr Mann Andreas – ein Landwirt – übernimmt die fachgerechte Schlachtung der Kleintiere.

Das Gerben eines Felles kostet jeweils sechs Euro. Um eine große Farbpalette sowie auch viele, schön gezeichnete Felle zur Auswahl zu haben, besuchen die beiden auch andere Züchter, kaufen die Bälge auf. Ein großer Karton steht am Arbeitstisch, bis oben hin voll mit den kuscheligsten, fein gegerbten Häuten. Nur der Rückenteil kann verwendet werden, denn ein gleichmäßiges Fell-Bild, die Dichte des Haarkleides wie auch die Richtung des gewachsenen Felles ist für ein schönes Bild entscheidend.

Dann wählen sie die passenden Felle für das geplante Werkstück aus. Dabei achten sie auf Farb- und Strukturmerkmale wie Zeichnung, Haarlänge, Haardichte und Beschaffenheit von Unterwolle und Deckhaaren. Die Felle müssen gut zusammenpassen, damit sie zu einem harmonischen Ganzen verarbeitet werden können. Sie werden aufgespannt, angefeuchtet und dann entsprechend der Schnittmuster zugeschnitten. Die Freundinnen ziehen und strecken die Felle, um sie in die richtige Form zu bringen und beseitigen fehlerhafte, haarlose und unschöne Stellen.

Anschließend gilt es, mit viel Geduld und sehr feinen Stichen die zurecht geschnittenen Stücke zusammen zu nähen. Nur teilweise kommt die alte Maschine zum Einsatz. Es ist die Arbeit der Kürschner, die sich die Freundinnen angeeignet haben.

Für eine Figur eines Dalmatiners nähen sie sieben Rückenfelle zusammen. Ein Kissenbezug sieht auf der Rückseite wie ein Mosaik aus feinstem, weichen Leder aus. Für die Figur eines Pferdes wählen Petzel und Urban verschieden lange Felle aus. So hebt sich die Mähne noch einmal besonders ab.

Für einen Kissenbezug beispielsweise kommen mindestens 25 Arbeitsstunden zusammen. Beim Verkauf der angefertigten Hunde (ab acht Euro), Pferde (ab 20 Euro) oder Steckenpferde berechnen sie die Arbeitsstunden nicht. Auch die Auslagen für die Fahrten zu anderen Züchtern oder zu den Kursen, die sie weiterhin besuchen, fließen nicht in die Preise mit ein.

Idealismus sowie Spaß am Hobby und den Ergebnissen beflügeln die beiden, ihr Können, das schon fast den Arbeiten eines Kürschners entspricht, weiter zu optimieren und so immer neue Ideen zu verwirklichen.

Wer sich für ein Produkt aus Kaninchenfell interessiert, kann Sonja Petzel unter Tel. 01 57 / 83 76 32 15 und Isabel Urban unter 01 51 / 24 18 80 51 erreichen.

Von Rita Jonuleit

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