Verteidiger stellen weitere Beweisanträge

Kupferprozess: Zeugenaussagen führen nicht zu erhoffter Klarheit - Urteil noch dieses Jahr

Justitias Urteil ist erneut gefragt.
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Urteil im Kupferprozess ist noch in diesem Jahr möglich.

Mehr als neun Monate ist es her, dass im Landgericht Hagen zum ersten Mal die Anklage gegen drei Beschuldigte verlesen wurde. Der Kupferprozess könnte noch in diesem Jahr enden.

Schalksmühle/Hagen/Nachrodt – Die drei Beschuldigten sollen in unterschiedlichen Rollen an mehr als 90 Betrugsfällen zum Schaden einer Metallhandelsfirma in Ennepetal beteiligt gewesen sein. So der Inhalt des Kupferprozesses.

Der Geschäftsführer eines Schalksmühler Entsorgungsunternehmens schied nach kurzer Zeit wegen einer schweren chronischen Krankheit aus. Einer seiner Mitarbeiter, der letzte noch verbliebene Angeklagte (67), soll zwischen Juli 2011 und November 2015 in Ennepetal immer wieder Schmiergeld an einen Mitarbeiter des Ennepetaler Unternehmens gezahlt haben, damit der 50-Jährige Materialproben mit einem höheren Kupfergehalt als Entnahmen aus den angelieferten Schleifstäuben deklarierte.

Er legte von Anfang an ein umfassendes Geständnis ab und wurde im August zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Angesichts seines Geständnisses hatten die Verteidiger des 67-jährigen Nachrodters einen schweren Stand.

Als die 1. große Wirtschaftsstrafkammer das Strafverfahren bald darauf auch gegen den 67-Jährigen abschließen wollte, stellten dessen Anwälte immer neue Beweisanträge. Deren Abarbeitung zog sich lange hin. Die Beweisaufnahme fokussierte sich dabei vor allem auf die Frage, ob der 67-Jährige nach der Teilamputation eines Fußes überhaupt in der Lage war, im Tatzeitraum mit seinem Auto immer wieder nach Ennepetal zu fahren, um dort das Schmiergeld an seinen ehemaligen Mitangeklagten zu übergeben.

Viele Zeugen wurden gehört

Zur Beantwortung dieser Frage waren im Laufe des Kupferprozesses am Landgericht Hagen auch die Zeugenaussagen einer Fahrlehrerin und einer Mitarbeiterin des Straßenverkehrsamts gehört worden.

Die vorerst letzten Zeugen waren in der vergangenen Woche zwei behandelnde Ärzte und ein ärztlicher Gutachter. Auch deren Aussagen führten allerdings nicht zu der von den Verteidigern erhofften Klarheit, dass ihr 67-jähriger Mandant damals kein Fahrzeug habe steuern können.

Nach den Vernehmungen der Ärzte stellte Anwalt Goran Bronisch neue Beweisanträge zur Vernehmung weiterer Ärzte. Diese lehnte die Kammer allerdings durchweg ab – mit dem Hinweis, dass die Anträge „unkonkrete pauschale Behauptungen“ darüber enthielten, dass der Angeklagte in dem fraglichen Zeitraum „nicht in der Lage gewesen sei, ein Kraftfahrzeug zu führen“.

Der Staatsanwalt hatte sein Plädoyer schon vor mehr als zwei Monaten gehalten. Er kündigte an, dass er sich auf seinen damals gehaltenen Schlussvortrag beziehen und keinen neuen Antrag stellen werde. Das von ihm beantragte Strafmaß von zwei Jahren und neun Monaten macht deutlich, dass dem 67-Jährigen im Gegensatz zu seinem geständigen Mitangeklagten tatsächlich eine vollstreckbare Haftstrafe droht.

Urteil voraussichtlich noch in diesem Jahr

Nach Zurückweisung aller weiteren Beweisanträge verkündete der Vorsitzende Richter Andreas Behrens erneut: „Dann können wir die Beweisaufnahme ja heute schließen.“

Der Prozess könnte dann am 17. Dezember mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt und voraussichtlich noch vor Weihnachten abgeschlossen werden.

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