600.000 Euro Schaden

Immer noch kein Urteil im Kupferprozess - Zeugen werden erneut gehört

Vor dem Landgericht Hagen geht es um Schaden von 600 000 Euro.
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Immer noch kein Urteil im Kupferprozess - Zeugen werden erneut gehört: Vor dem Landgericht Hagen geht es um Schaden von 600 000 Euro.

Ein Urteil ist wieder in die Ferne gerückt. Im Kupferprozess sollen die Zeugen erneut aussagen. So kam es dazu.

Schalksmühle/Hagen – Nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft sollte eigentlich das Urteil gegen den letzten von ursprünglich drei Angeklagten des Kupferprozesses allen. Doch die beiden Anwälte des Nachrodters haben auf den Strafantrag der Staatsanwaltschaft mit mehreren Beweisanträgen reagiert.

Der Staatsanwalt hatte es als erwiesen angesehen, dass der 66-Jährige seinen ehemaligen Mitangeklagten vielfach bestochen hatte, um die Minderwertigkeit des über Jahre hinweg angelieferten Kupferschrotts zu verschleiern. Der Vorwurf des gewerbsmäßigen Betruges und der Bestechung im gewerbsmäßigen Verkehr habe sich bestätigt – dafür müsse der 66-Jährige für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Glaubwürdigkeit wird infrage gestellt

Statt ihrerseits zu plädieren, stellten die beiden Anwälte des Nachrodters erneut die Glaubwürdigkeit des Geständnisses des bereits verurteilten Mitangeklagten in Frage. Dessen Angaben, dass ihr Mandant ihm mehrfach Geld übergeben habe, seien „nicht richtig“.

Als Beleg verwiesen die Anwälte erneut auf die starken körperlichen Einschränkungen des 66-Jährigen, der dauerhaft an den Folgen einer Teilamputation des rechten Fußes leidet. Er habe deshalb über längere Zeiträume hinweg kein Fahrzeug steuern können. Die Aussagen des bereits Verurteilten über regelmäßige Geldübergaben an Orten, die der 66-Jährige nur mit dem Auto hätte erreichen können, seien deshalb unzutreffend.

Kritisch sehen die Anwälte auch das Vorgehen der Geschäftsführung des Ennepetaler Unternehmens nach der Aufdeckung der Manipulationen. Rechtsanwalt Goran Bronisch zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung verwundert darüber, dass die beiden Proben aus dem Herbst 2015, bei denen es nach Firmenangaben erhebliche Differenzen zwischen dem angelieferten Material und dem aus Schalksmühle mitgelieferten Probeneimer gab, nicht gesichert wurden. Die Proben wurden auch später keinem unabhängigen Labor zur Prüfung vorgelegt.

Der Verteidiger hatte im Laufe des Strafverfahrens angeregt, dieses Beweismaterial noch einmal zu sichten und analysieren zu lassen. Das war allerdings nicht mehr möglich. Er kritisierte das Verschwinden der beiden einzigen Lieferungen, aus denen es verlässliche Proben und damit objektive Beweise hätte geben können. Die Verurteilung seines Mandanten wegen mehr als 90 vergleichbarer Vorgänge öffne dem Ennepetaler Unternehmen den Weg zu einem immensen Schadensersatzanspruch gegen den Schalksmühler Metallentsorger, der sich nur auf Hochrechnungen stütze. Mit dem Verschwinden der beiden zunächst sichergestellten Proben sei aber die einzig sichere Grundlage für eine solche Hochrechnung nicht mehr greifbar.

Nach längerer Beratung über die neuen Beweisanträge der Verteidiger verkündete der Vorsitzende Richter Andreas Behrens: „Wir werden nicht alle Anträge ablehnen.“ Die 1. große Wirtschaftsstrafkammer hatte allerdings vorsorglich schon Verhandlungstermine bis kurz vor Weihnachten angesetzt. Ernsthaft verhandelt wird erst wieder am 1. Dezember. Dann sollen erneut Zeugen vernommen werden.

Der Fall

Die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte im August dieses Jahres einen 50-jährigen Ex-Mitarbeiter einer Ennepetaler Entsorgungsfirma zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung. Er hatte erklärt, dass er mehr als 90-mal von seinem heute 66-jährigen Mitangeklagten aus Nachrodt mit jeweils 150 Euro bestochen worden war. Im Gegenzug habe er die von einem Schalksmühler Entsorger mitgebrachten Materialproben entgegengenommen, die einen höheren Kupfergehalt der angelieferten Stäube vorgaukelten. Der Ennepetaler Entsorgungsfirma soll dadurch ein Schaden von mehr als 600 000 Euro entstanden sein. Der 66-jährige Nachrodter bestreitet, seinen bereits wegen Bestechlichkeit verurteilten Mitangeklagten bestochen zu haben. Dadurch hat sich die Beweisaufnahme erheblich ausgeweitet. 

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