Zweiter Prozesstag im Kupfer-Prozess

Kupfer-Prozess: Angeklagter schweigt weiterhin

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Schalksmühle/Hagen - Im Kupfer-Prozess wird nur noch gegen zwei Angeklagte verhandelt: Ein Arzt hat dem 45-jährigen Inhaber des Schalksmühler Unternehmens Verhandlungsunfähigkeit attestiert. So ging es am zweiten Prozesstag weiter.

Einen Antrag der Verteidiger auf Aussetzung des Strafverfahrens wiesen die Richter zurück. An der Verfahrenslage habe sich nichts geändert, erklärte der Vorsitzende Richter Andreas Behrens. 

Nach dem weitgehenden Geständnis des 49-Jährigen, der zugab, bestochen worden zu sein, konzentriert sich die Beweisaufnahme auf den 66-jährigen Angeklagten aus Nachrodt-Wiblingwerde. Er schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. 

Widersprüche in den Aussagen eines Zeugen

Ein Lagerarbeiter der Recyclingfirma aus Ennepetal lieferte eine Aussage ab, die Widersprüche zu seinen bisherigen polizeilichen Aussagen aufwies: Bei den Vernehmungen hatte er noch eindeutigere Angaben gemacht. Am 10. November 2015 waren die Verantwortlichen der Recycling-Firma offenbar durch einen anonymen Brief vor den Manipulationen gewarnt worden und hatten eine weitere Probe aus dem angelieferten Material veranlasst. 

Bei der Polizei hatte der Zeuge die Geschehnisse bis zu dieser erneuten Probenentnahme geschildert. Er hatte angegeben, dass der Fahrer des Liefer-Lkw einen eigenen Eimer mit Material mitgebracht habe. Er (der Zeuge) habe nach üblichem Verfahren eine Probe aus dem angelieferten Material im Lastwagen genommen, die aber nicht weiterbearbeitet, also im Labor nicht untersucht wurde.

Erster Prozesstag

Bei seiner gerichtlichen Vernehmung breitete der Zeuge nun eher offene Fragen als klare Beobachtungen aus: „Wie konnte dieser Eimer vertauscht werden?“ Seine Antwort verbreitete Unsicherheit: „Wir wissen nicht, wie das passiert ist. Ich war schockiert.“ Die Verteidigerin des 66-jährigen Angeklagten stellte einen „völligen Widerspruch zur polizeilichen Vernehmung des Zeugen“ fest. Oberstaatsanwältin Bianca Schölch forschte nach möglichen Bestechungsgeldern für den Zeugen – oder eine mögliche Beteiligung, die bisher wohl verneint worden war: „Haben Sie Geld außerhalb Ihres Arbeitslohns bekommen?“ Der Zeuge verstand und verneinte: „Das geht doch gar nicht. Das wäre Bestechung.“ 

Viele offene Fragen

Die Verteidiger widmeten sich bei ihrer Befragung des Zeugen intensiv offenen Fragen rund um das Auftauchen, die Aufenthaltsorte und die Inhalte von zwei Eimern mit Metallstäuben und säten weitere Zweifel an der bisherigen Erzählung der Ereignisse. Das betraf auch die Beobachtungen des Geschäftsführers der Ennepetaler Recyclingfirma. 

Er bestätigte, dass das vermutete Vorgehen der Angeklagten tatsächlich einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für sein Unternehmen verursacht hätte: Das aus unterschiedlichen Materialien zusammengemischte Endprodukt hätte einen geringeren Kupferanteil gehabt und weniger Erlös gebracht. Ein weiterer Schaden wäre dadurch entstanden, dass seine Firma dem liefernden Schalksmühler Unternehmen für ein „minderwertigeres Produkt“ weniger Geld hätte zahlen müssen. 

Umfassend aufklären lässt sich das vermutlich nicht mehr: Der angebliche Schaden von 600 000 Euro beruht auf Hochrechnungen und Schätzungen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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