Wirtschaftskriminalität

Betrieb aus MK soll andere Firma um 600.000 Euro gebracht haben - mit diesem Trick

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Kupferrolle (Symbolbild)

Schalksmühle/Nachrodt-Wiblingwerde - 94-facher Betrug, ein Schaden von 600 000 Euro: Die Vorwürfe, denen sich der Inhaber eines Schalksmühler Recycling-Unternehmens jetzt vor dem Landgericht Hagen stellen muss, haben es in sich. Ihm und seinem Mitarbeiter aus Nachrodt-Wiblingwerde droht eine längere Haftstrafe.

Am kommenden Dienstag wird sich der 45-jährige Gevelsberger, der von einer Anwaltskanzlei aus Wuppertal vertreten wird, vor der Großen Strafkammer verantworten müssen. Der Vorwurf gegen ihn sowie zwei weitere Männer aus Nachrodt-Wiblingwerde und Schneeberg (Sachsen) lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit im gewerbsmäßigen Verkehr. 

Die Taten sollen sich in den Jahren 2011 bis 2015 ereignet haben. Der 45 Jahre alte Angeklagte soll als Inhaber des Schalksmühler Betriebs gemeinsam mit seinem 66-jährigen Angestellten aus Nachrodt-Wiblingwerde in 94 Fällen eine Recycling-Firma in Ennepetal betrogen und damit den sechsstelligen Euro-Betrag erbeutet haben. 

Falsche Probe bringt mehr Geld

Geholfen hat den beiden Männern offenbar der 49-jährige Angeklagte aus Schneeberg, der im Ennepetaler Unternehmen arbeitete und gegen Zahlung von Schmiergeld behilflich gewesen sein soll. Wie es vom Pressesprecher des Landgerichts heißt, soll das Unternehmen aus der Berg- und Talgemeinde bereits seit langem Messing-Schleifstäube zum Kupfer-Recycling an den Recycling-Betrieb im Ennepe-Ruhr-Kreis verkauft haben. 

Mitwisser in betrogener Firma

Der dabei jeweils zu zahlende Preis hing im Wesentlichen vom Kupfergehalt des angelieferten Materials ab, der im Betrieb jeweils anhand einer Probe im dortigen Labor bestimmt wurde. Spätestens ab Juli 2011 sollen die beiden Hauptangeklagten den Mitarbeiter des Unternehmens mit einem Schmiergeld von 150 Euro pro Lieferung bestochen haben, damit dieser statt einer Probe des tatsächlich gelieferten Materials einen jeweils mitgelieferten Eimer mit anderem Schleifstaub besserer Qualität ins Labor gibt. Hierdurch soll in 93 Lieferungen der genannte Schaden entstanden sein. 

Beim 94. Betrugsversuch kommt Chef den Männern auf die Schliche

Am 10. November 2015 flog das mutmaßliche Verbrechen dann auf: Bei der 94. Lieferung soll aufgrund eines Verdachts der Firmenleitung neben dem manipulierten Probeneimer mit einem Kupferanteil von 57,87 Prozent eine echte Probe des angelieferten Materials entnommen worden sein, das einen Kupferanteil von lediglich 31,85 Prozent aufwies. Dadurch wurde der Betrug aufgedeckt – insoweit ist dieser 94. Fall nur als versuchter Betrug angeklagt. 

Dennoch könnte die Strafe für die beiden Hauptangeklagten des Schalksmühler Unternehmens empfindlich sein. Für die ihnen vorgeworfenen Taten – gewerbsmäßiger Betrug und Bestechung im geschäftlichen Verkehr – sehe das Gesetz in der Regel Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. 

Für die dem dritten Angeklagten vorgeworfene Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug zugleich mit Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sieht das Gesetz in der Regel Freiheitsstrafen von einem Monat bis zu siebeneinhalb Jahren vor. Die drei Angeklagten sind nicht vorbestraft und befinden sich derzeit auf freiem Fuß.

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