Konfrontation mit dem Paketfahrer

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Anklage gegen Arzt wegen Betrugs von rund 3000 Patienten

Schalksmühle - Jeder Autofahrer kennt die Szene: Zeitdruck, Parkplatzmangel oder schlechtes Benehmen veranlassen einen Paketzusteller, den Fahrraum einer engen Straße mit dem Parkraum zu verwechseln. Es war dieser Hintergrund, vor dem ein Autofahrer aus Schalksmühle im Amtsgericht Lüdenscheid auf ein gewisses Verständnis hoffen konnte.

Der 60-Jährige bog am 17. Dezember von der Bergstraße ein in die Viktoriastraße, die allerdings von einem auf der Straße geparkten Mercedes Sprinter blockiert war. „Er hatte die Warnblinkanlage an und stand mitten auf der Straße“, erinnerte sich der Angeklagte. Er habe dann versucht, links an dem Fahrzeug vorbeizukommen, was misslang. Seine Mitfahrerin „unterhielt sich mit den Herren – es war eine etwas lautere Unterhaltung mit nicht so wohlgeformten Worten“. 

Die Geräuschkulisse ließ den 60-Jährigen nicht mehr alles verstehen: „Die Hunde bellten, meine Frau redete, und der Motor lief noch.“ Die gravierenden Unterschiede zwischen der Anklageschrift und dem, was der Angeklagte erzählte, begannen mit dessen Vorbeifahrt an dem Fahrer des Sprinters. Der habe lediglich vorne rechts an der Stoßstange des Autos gestanden – eine Berührung habe es nicht gegeben, erklärte der Angeklagte. 

Die Anklage hingegen warf ihm vor, bewusst gegen das Bein des Zeugen gefahren zu sein. Von ernsthaften Verletzungen hatte allerdings auch der Bericht des von diesem aufgesuchten Krankenhauses nicht gesprochen. Nach der mühsamen Vorbeifahrt an dem Kleintransporter soll der Angeklagte den nachfolgenden Sprinter ausgebremst haben. „Ich habe dafür beschleunigt und natürlich nach dem Wiedereinscheren abgebremst“, erklärte der 60-Jährige. 

Ein weiteres Mal habe er dann abgebremst, um sich das Kennzeichen des Sprinters zu notieren. Was er als ein Abschiedswinken „mit der offenen Hand“ erinnerte, hatte das Gegenüber als einen Stinkefinger gedeutet. Beleidigung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung – es hätte strafrechtlich einiges zusammenkommen können. 

Doch weder die besonderen Umstände, noch ein langes straffreies Leben des Angeklagten sprachen für eine förmliche Verurteilung. Und so akzeptierte der Angeklagte das Angebot einer Zahlung von 600 Euro an die Deutsche Teddystiftung – eine Einrichtung, die Kindern hilft, wenn sie im Straßenverkehr zu Opfern von Verkehrsunfällen werden. Nach Zahlung der Geldbuße wird das Strafverfahren endgültig eingestellt.

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