Auch Sanitätshaus geplant

Tinyhouse statt Pflegeheim - Familie plant bemerkenswertes Projekt

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Neue Anlaufstelle im Ort mit Sanitätshaus.

Eine Familie im MK leistet bereits seit einigen Jahren etwas für den Senioren-Pflegebereich. Doch das ist ihr nicht genung. Sie haben neue bemerkenswerte Pläne für eine Gemeinde im MK.

Schalksmühle – Seit 1995 ist die Familie Mischnick in der Gemeinde aktiv. Sie kaufte damals in Reeswinkel das Gebäude, in dem die Stadt Wuppertal ein Kinderheim eingerichtet hatte. Unter der Führung von Vater Andreas Mischnick entstand dort der Seniorenpark, der mittlerweile 76 Menschen ein Zuhause bietet und in dem die Verantwortlichen nach eigenen Angaben ihr Augenmerk auf qualifizierte Pflege legen.

Neue Projekte

Da die Einrichtung in den vergangenen Jahren umfangreich saniert, in eine sichere Zukunft des Hauses investiert wurde und die Pflege auf einem hohen Niveau angekommen sei, möchte man sich nun neuen Projekten zuwenden. Federführend wollen die Söhne Steffen und Bastian Mischnick nun in der Gemeinde ihre Fußspuren hinterlassen. Sie haben vor, aufbauend auf der „eigenen Erfahrung aus der Pflege, den eigenen Qualitätsansprüchen und ihren christlichen Werten“ für sich und für pflegebedürftige Menschen in Schalksmühle und der Umgebung „neue Perspektiven“ zu schaffen.

Tinydorf in Reeswinkel

Am Donnerstag stellte die Familie Mischnick bei einem Termin mit Bürgermeister Jörg Schönenberg ihre Pläne vor. So möchte sie noch in diesem Jahr auf dem Gelände des Seniorenparks Am Hagen acht barrierefreie sogenannte Tinyhouses aufstellen. Diese Häuser sollen etwa 50 Quadratmeter groß sein, Platz für ein bis zwei Personen bieten und freistehend in die Natur eingebunden sein.

Die Familie Mischnick, von links Andreas Mischnick, Bastian Mischnick und rechts Steffen Mischnick, stellte bei einem Termin mit Bürgermeister Jörg Schönenberg ihre neuen Vorhaben im Bereich der Pflege von Senioren vor.

Einziehen sollen dort Menschen, die sich wegen ihrer Pflegebedürftigkeit nicht mehr um eine ganze Wohnung oder ein ganzes Haus kümmern können. Andreas Mischnick: „Möglich wäre zum Beispiel auch der Bezug durch ein Ehepaar, bei dem ein Teil pflegebedürftig ist. So könnte ein Zusammenleben weiterhin möglich sein. In einer Senioreneinrichtung geht das nicht.“ Jörg Schönenberg zeigt sich von dieser Idee begeistert: „Das ist eine schöne Sache. Die Menschen können so zusammen alt werden.“

Viele Vorteile vor Ort

Die Vorteile für den Standort des Tinydorfs liegen für alle Beteiligten auf der Hand. Man könne die Nähe zum Seniorenpark sowie des dazugehörigen Dienstleisters Huduma nutzen und dessen Service in den Bereichen Wäscherei, Haustechnik oder Küche in Anspruch nehmen, erklärt Steffen Mischnick. „Auch die Anbindung durch den Bürgerbus ist sehr gut“, weiß der Bürgermeister.

„Die Gemeinde hat uns mit ihren Anregungen im Bezug auf die Leerstände und bei der Abwicklung der Formalitäten sehr unterstützt. Die Baugenehmigung liegt vor“, sagt Andreas Mischnick, der die Idee aus den USA mitgebracht hat und von einem schnellen Umzug des Vorhabens überzeugt ist. Eröffnet werden sollen diese Wohnmöglichkeiten schon im Oktober.

Anlaufstelle im Ort

Bereits sichtbare Fortschritte hat ein weiteres Projekt der Familie gemacht. Sie hat Anfang Januar den ehemaligen Schlecker an der Bahnhofstraße 24, in dem zuletzt die Kunstgalerie Artis untergebracht war, angemietet und hat vor, einen „Beitrag zu einem vitalen Ortszentrum“ zu leisten. Ziel soll es sein, in diesem Ladenlokal gleich drei Ideen zu verwirklichen. Zum einen soll dort zum Sommer ein ambulanter Pflegedienst eingerichtet werden, in dem die Familie ihre Erfahrung aus der stationären Pflege einbringen möchte. „Wir haben viele Anfragen von Angehörigen bekommen und wollen nun so im Ortskern ein Ansprechpartner sein“, erklärt Steffen Mischnick.

Im ehemaligen Schlecker-Ladenlokal an der Bahnhofstraße entsteht derzeit eine Anlaufstelle für Menschen, die Rat in Sachen Pflege benötigen.

Jeder Leerstand, der behoben werden kann, tue Schalksmühle gut, betont der Bürgermeister. „Außerdem ist es wichtig, dass im Zentrum ein ganzheitliches Angebot für Senioren geschaffen wird. Die Gesellschaft muss ältere Menschen integrieren. Eine Gemeinde zeigt ihr wahres Gesicht, wenn sie die Generationen verbindet.“

Neben der ambulanten pflegerischen Versorgung möchte die Familie auch „gewisse Dienstleistungen im Bereich der Hausmeistertätigkeiten sowie der allgemeinen ambulanten Betreuung und Beratung“ anbieten. Zudem werden zwei weitere Bereiche an der Bahnhofstraße aufgebaut. Bis spätestens Mitte des Jahres soll dort ein Sanitätshaus eröffnet werden. Dort werden vorerst freiverkäufliche Pflegehilfsmittel, Drogerieprodukte und Sanitätsbedarf angeboten.

Kooperationen sind geplant

Zudem sei man in Gesprächen zur Kooperation mit anderen Partnern, um später auch verschriebene Hilfsmittel wie Rollatoren im Sortiment haben zu können. „Für die Schalksmühler ist es wichtig, dass sie ihre Pflegmittel vor Ort bekommen“, meint Andreas Mischnick, der aber auch darauf hinweist, dass in Zukunft Bestellungen im Internet sowie ein Lieferservice zur Verfügung stehen sollen. So können auch Kunden des ambulanten Pflegedienstes die Produkte bekommen. „Das Ganze soll relativ zügig passieren“, ergänzt Steffen Mischnick.

Da pflegende Angehörige einmal im Jahr eine Fortbildung machen müssen, kam der Familie die Idee, in dem Ladenlokal auch einen Seminarraum einzurichten, um dort „zukünftig Fort- und Weiterbildungen für Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich“, aber auch für Privatpersonen anzubieten. Die ersten niederschwelligen Angebote sollen noch in 2021 starten, wenn die Corona-Pandemie die Möglichkeit dazu bietet. Bastian Mischnick: „Am Anfang besteht bei den Angehörigen von Pflegebedürftigen immer eine große Orientierungslosigkeit. Deshalb wollen wir auch eine erste Anlaufstelle für erste Fragen sein. Wir wollen die Pflegeberatung des Märkischen Kreises nicht ersetzen, sondern auf sie verweisen.“

Fachkräftemangel

In den Vorhaben der Familie sieht Bürgermeister Jörg Schönenberg auch Vorteile für Arbeitgeber wie den Seniorenpark. „Durch die eigene Ausbildung schafft man sich Hilfe gegen den Fachkräftemangel. Daraus ergeben sich neue Wege.“ Ähnlich sieht es auch Andreas Mischnick: „Die meisten Fortbildungen finden oft in Hagen, Dortmund oder Iserlohn statt. Für unsere Pflegekräfte ist es meist ein Problem, dort hinzukommen oder auch ihre Kinder in der Zeit zu versorgen. Wir schaffen so Angebote vor Ort.“ Steffen Mischnick ergänzt: „Da das Angebot auch für externe Kräfte gilt, stützen wir auch die Bildungsarbeit in Schalksmühle.“

Für Jörg Schönenberg liegen die Vorteile des Standortes auch hier auf der Hand. Es bestehe eine gute Anbindung im Ortskern an den Öffentlichen Personennahverkehr und es sei möglich, das Ladenlokal barrierefrei zu erreichen. Der Bürgermeister ist davon überzeugt, dass Schalksmühle mit solchen Angeboten im Seniorenbereich einen großen Schritt nach vorne macht. „Senioren brauchen immer etwas. Lokale Angebote sind extrem wichtig. Sie sind glücklich, wenn sie eine Beratung und ihre Produkte vor Ort auch bekommen.“

Arbeitsplätze

Um ihre Vorhaben umsetzen und weiterentwickeln zu können, sucht die Familie Mischnick neue Mitarbeiter in den Bereichen Pflegedienstleitung, -fachkräfte, -hilfskräfte und für das Sanitätshaus. Interessierte können sich an den Seniorenpark Reeswinkel wenden.

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