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Klare Worte zu Antisemitismus, Rassismus und stillen Zuschauern an Schule im MK

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Von: Carolina Ludwig

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Zwei gelbe Rosen liegen auf einer Stele im Stelenfeld des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas, das auch Holocaust-Mahnmal genannt wird.
Am 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. © Carsten Koall / dpa

„Hört nicht auf, darüber nachzudenken und zu sprechen“, lautet der klare Appell am Holocaust-Gedenktag. Denn

Schalksmühle – Was haben Smarties und Menschen gemeinsam? Auf den ersten Blick liegt der Vergleich nicht besonders nahe, doch für die Schüler der Primusschule wurden die Süßigkeiten am Donnerstag zu einem bedeutsamen Symbol, denn: „Von außen sind sie alle unterschiedlich und bunt, aber im Inneren sind sie alle gleich.“

Dieses Beispiel und die damit verbundene Idee, Smarties als Symbol unter den Schülern zu verteilen, war eines von vielen Projekten, die die Primusschüler anlässlich des Holocaust-Gedenktages vorstellten.

Die Schüler und Schülerinnen erarbeiteten verschiedene Projekte, um Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung vorzubeugen und bekämpfen und stellten sie ihren Mitschülern vor.
Die Schüler und Schülerinnen erarbeiteten verschiedene Projekte, um Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung vorzubeugen und bekämpfen und stellten sie ihren Mitschülern vor. © Ludwig, Carolina

Organisiert von Lehrerin Islim Erdal und Pfarrer Michael Siol fand der Projekttag an der Schule erstmalig statt. Zu Beginn wurde mithilfe von verschiedenen Musikstücken eine emotionale Bindung zu dem Thema aufgebaut. „Damit den Schülern bewusst ist, dass es nicht nur um etwas geht, was in Schulbüchern steht, sondern dass diese Geschichten tatsächlich passiert sind“, erklärte Erdal.

In kleinen Gruppen wurden anschließend die unterschiedlichsten Ideen gesammelt, mit welchen Projekten Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung bekämpft werden können. Von einer Übersetzungs-App für das Handy, um unabhängig von Sprachbarrieren Kontakte knüpfen zu können, über die Smarties-Verteilaktion zu besonderen Anlässen bis hin zu gemeinsamen Kochaktionen, bei denen Gerichte aus verschiedenen Kulturen in Teams zubereitet werden – „die Schüler waren unglaublich kreativ“, freute sich Islim Erdal.

Die Ideen wurden nicht nur vor Mitschülern und Lehrkräften präsentiert, auch Bürgermeister Jörg Schönenberg und seine ehemalige Stellvertreterin Heide Bachmann und ihr Mann Wolfgang waren der Einladung der Primusschule gefolgt und zeigten sich beeindruckt vom Engagement von Schülern und Lehrern.

Die ehemalige Bürgermeisterin und UWG-Ratsfrau Bachmann wandte sich mit einer eindrücklichen Bitte an die Schüler und Schülerinnen: „Hört nicht auf, darüber nachzudenken und zu sprechen.“ Voller Unglauben habe sie in ihrer Jugend das Tagebuch der Anne Frank gelesen und so zum ersten Mal von den Taten der Nationalsozialisten erfahren. „Ich habe meine Eltern gefragt, was da passiert ist und warum sie nichts dagegen unternommen haben, aber meine Eltern blieben stumm“, erinnert sie sich.

Damals sei noch nicht über den Holocaust gesprochen worden, dabei sei genau das notwendig. „Hass und Gewalt sind schrecklich, aber Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit töten ebenso“, sagte Bachmann und bedankte sich bei Schülern und Lehrern, dass sie das Thema nicht in Vergessenheit geraten ließen. Bürgermeister Jörg Schönenberg lobte das Engagement der Schüler und hoffte, dass sich der Holocaust-Gedenktag in Zukunft als gemeindeweite Aktion etablieren könne.

Auch die Projektideen könnten im Rathaus ausgestellt werden. Die Erinnerung an die Vergangenheit sei wichtig, um die Zukunft gestalten zu können, sagte er und fügte hinzu, dass Antisemitismus und Rassismus auch in der heutigen Gesellschaft präsent seien. Menschen würden unter anderem aufgrund ihrer Herkunft, Kultur oder Religion benachteiligt. „Wir müssen uns schämen, wenn wir uns das Thema ,Flüchtlingskrise‘ anschauen“, nannte er ein aktuelles Beispiel. Es sei wichtig, mit Worten und Taten für die Menschen einzustehen. „Ich glaube, da können wir Älteren von euch noch etwas lernen“, sagte er den Schülern.

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