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Kita-Umbau lässt auf sich warten - Elternbeirat ist frustriert

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Von: Thomas Machatzke

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Kita Dahlerbrück, Elternbeirat, Schalksmühle
„Es passiert nichts!“ Ina Patzelt, Dana Friedl und Julia Pütz, auf dem neuen Rasenstück, sind inzwischen schwer frustriert. © Thomas Machatzke

Der Umbau einer Kita im MK lässt auf sich warten. Der Elternbeirat der Einrichtung findet das nicht gut und reagiert.

Dahlerbrück – Die Geschichte vom geplanten Umbau der Villa Kunterbunt, der Gemeinde-Kita im Ortsteil Dahlerbrück, beginnt im Sommer 2019. Am 18. November 2019 sitzt auch der Elternbeirat erstmals mit im Ausschuss, als die politischen Gremien darüber beraten. Bald ist klar: Die Kindertagesstätte soll für gut eine Million Euro umgebaut werden. Das Land fördert den Ausbau, dafür wird Zahl der Kinder, die in der Kita aufgenommen werden, von 32 auf 45 erhöht. So weit, so gut.

In der Folge aber entwickelt sich die Geschichte zu einer voller Pleiten, Pech und Pannen – dass kürzlich im Ausschuss eine Übertragung einer erheblichen Geldsumme ins nächste Geschäftsjahr genehmigt werden musste, weil dies vorher vergessen worden war, ist dabei nur eine Petitesse am Rande.

Zahl der Kinder bereits erhöht

Der Umbau der Kita hat bis jetzt noch nicht angefangen. Dabei sollte die Kita eigentlich Anfang 2021 fertiggestellt sein. Nun ist die Rede davon, dass der Umbau möglicherweise bis August/September 2022 über die Bühne gegangen sein könnte. Nur: Die Zahl der Kinder ist seit inzwischen geraumer Zeit auf 45 erhöht. Dazu ist ein Schlafraum im Untergeschoss im Bereich der früheren Hausmeisterwohnung wegen Feuchtigkeit weggefallen. Es gibt weniger Schlafmöglichkeiten (nur noch für U3-Kinder), weniger Platz, dafür mehr Kinder, und dies in Corona-Zeiten.

Der Eltern-Beirat ist inzwischen komplett verstimmt, auch deshalb, weil die Gemeinde selbst bei kleinen Dingen kein Entgegenkommen zeige. „Es passiert nichts“, sagt Dana Friedl und sieht die Kita in Dahlerbrück neben der Vorzeige-Kita am Wansbeckplatz, die auch von der Gemeinde betrieben wird, in der Stiefkindrolle. „Im Dezember hat uns die Gemeinde Auskunft gegeben, dass Anfang 2021 die Ausschreibungen rausgehen sollten, aber bis Anfang letzter Woche ist nichts passiert. Wir als Elternbeirat erfahren von der Gemeinde nichts. Es ist frustrierend.“

Friedl hat selbst ihre Kindergartenzeit in Dahlerbrück verbracht. „Die Fußbodenbeläge gab es damals schon“, sagt sie, „die Kinder können draußen nur auf Asphalt spielen oder auf dem Bolzplatz. Und Spielgeräte gibt es im Vergleich zur Kita am Wansbeckplatz auch kaum.“

Keine Hoffnung mehr

Neben der Kita gibt es hinter der TSD-Sporthalle eine Wiese, die der Dahlerbrücker Ortsverbund der Kita zur Verfügung gestellt hat, damit mehr Fläche und ein Spielbereich ohne Asphalt vorhanden sind. Doch aus der Hoffnung auf eine schöne Erweiterung ist ein Platz des Frustes geworden. Nachdem die Gemeinde aus der Wohnanlage am Schlah Erde aufgeschüttet hatte, habe sie keine Kapazitäten mehr gehabt, die steinige Erde zu sieben. Dies hatten dann die Eltern mit Hilfe einer Gerätschaft vom Landschaftsgärtner Ochsenfarth, bei dem ein Kita-Vater arbeitet, selbst erledigt.

Auf einen zugesagten Zaun rund um die Wiese mussten die Eltern auch lange warten, ihn erst im Rathaus anmahnen – mit dem Hinweis, dass diese Ausweichfläche gerade in Zeiten des Umbaus unbedingt benötigt würde. Doch als der Zaun stand, hatte die Gemeinde an einem steileren Stück einen Lückenschluss nicht vorgenommen. „Und daraufhin wurde uns mitgeteilt, dass die Fläche auf eigene Gefahr zu nutzen ist“, sagt der Elternbeirat. Das Ergebnis: Im Kita-Betrieb wird die Fläche nicht genutzt, lediglich für Pflanzungen. Ein vom Büro Bramey entworfenes Konzept für die Gestaltung der Fläche mit einer Hügelrutsche lehnte die Gemeinde ab.

Das nächste Ärgernis

Und damit direkt zum nächsten Ärgernis: Um die Pflanzen auf der Wiese wässern zu können, bot der Elternbeirat an, einen Außenwasseranschluss zu legen. Ein Kita-Vater führt eine Sanitärfirma in Halver, ein Mann vom Fach, der die Arbeiten ohne Kosten erledigt hätte. Die Gemeinde indes untersagte es im Frühjahr 2020. Mit Blick auf den geplanten Umbau sei dies nicht sinnvoll. Nur: Der Umbau lässt auf sich warten. Im Sommer 2020 reisten die Eltern in der Zeit, in der die Kita geschlossen war, von zu Hause mit Gießkannen und Wasserflaschen an und gossen die Pflanzen, damit sie nicht vertrockneten…

Da beim geplanten Umbau das Untergeschoss mit der bisherigen Hausmeisterwohnung zur Kita-Zone werden wird, ist der Hausmeister inzwischen ausgezogen. Die Feuchtigkeit ist zwar beseitigt, doch die Wohnung steht leer. Ohne Hausmeister kümmert sich auch niemand mehr vor Ort um die Umlage. „Zweimal im Jahr kommt der Bauhof“, berichtet der Elternbeirat und verweist darauf, dass es nicht eben gepflegt aussieht rund um die Kita. Und als der Bauhof jüngst kam, war er nicht zimperlich: Rund ums Haus wurde Tabula rasa gemacht, dabei mussten auch Zitronen- und Melissenpflanzen sowie zwei Feigenbäumchen, die die Eltern gepflanzt hatten, dran glauben. Nur ein Frauenmantel hat überlebt.

Viele Eltern haben sich engagiert, aber es gibt kein Entgegenkommen der Gemeinde.

Julia Pütz vom Elternbeirat

„Viele Eltern haben sich engagiert, aber es gibt kein Entgegenkommen der Gemeinde, und damit wird Engagement dann auch ausgebremst“, sagt Julia Pütz, die ebenfalls im Elternbeirat dabei ist, „wir wollten es von der Elternschaft annehmlich machen, aber die Gemeinde will das offensichtlich nicht. Sie blockt alles ab.“

Ein Sonnensegel hatten die Eltern angeschafft für den Asphaltplatz hinterm Haus – die Gemeinde lehnte es wegen der Statik ab. Und die Wiese: Während der Bauhof die Umlagen in großen Abständen pflegt, fühlt sich die Gemeinde für die Wiese nicht zuständig. Die mäht von Zeit zu Zeit Ortwin Schmidt, der dann mit seinem Rasenmäher von zu Hause vorbeischaut.

Pütz, Friedl und auch Ina Patzelt und der beim Ortstermin verhinderte Manfred Luthe aus dem Elternbeirat sind frustriert. Sie schauen auf die Wiese, die voller Disteln ist. „Da werden wir uns mal wieder treffen müssen, um Unkraut auszumachen“, sagt Friedl. Eins ist ihnen noch wichtig. „Die Erzieher, die hier auf engstem Raum so viele Kinder zu betreuen haben, die machen einen richtig tollen Job“, sagen die Drei unisono, „und wenn wir die Missstände nun öffentlich machen, dann ist das die Initiative des Elternbeirats, die Erzieher haben damit nichts zu tun.“ Der Umbau wird Besserung bringen, da ist sich der Elternbeirat sicher. „Allerdings“, sagen die drei Frauen beim Beirat, „werden unsere Kinder das nicht mehr erleben…“

Reaktionen der Gemeinde

Ralf Bechtel, Leiter des Bauamtes in der Gemeinde Schalksmühle, kann die Kritik des Elternrates der Gemeinde-Kita „Villa Kunterbunt“ in Dahlerbrück überhaupt nicht nachvollziehen. „Die Kita muss im laufenden Betrieb umgebaut werden – so etwas will gut geplant und abgestimmt sein“, sagt Bechtel, „das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Kita-Leitung und dem Büro Bramey. Die Planungen haben sich aber als schwierig erwiesen, dazu mussten auch erst Haushaltsmittel nachgelegt werden, weil die Mittel nicht reichten.“

Bechtel verweist darauf, dass dieser Umbau in der Bewertung der Politik nicht unumstritten war: „Man schafft für viel Geld eigentlich nur wenig neue Plätze, deshalb war ja auch eine zweistöckige Kita beim Neubau als Alternative im Gespräch.“ Die Ausschreibungen laufen inzwischen, mit der Schadstoffsanierung soll in den Sommerferien begonnen werden.

Kritik wird zurückgewiesen

Die Kritik bezüglich der neuen Rasenfläche und des nicht genehmigten Wasseranschlusses weist Bechtel entschieden zurück. „Es kommt eine ganz neue Fassade, dann werden die Leitungen sowieso neu verlegt, da kann man auch noch zwei Monate einen Schlauch rausholen“, sagt Bechtel, „bei dem neuen Rasenstück wollte die Elterninitiative das eigentlich alles in Eigenarbeit machen, was nicht geschehen ist, sodass der Bauhof aktiv geworden ist. Aber um eines klarzustellen: Dieses Stück wird nie zur Kita gehören – es ist ein Experimentiergelände in der Nähe der Kita wie zum Beispiel auch, wenn man mit den Kindern in den Wald geht.“

Bechtel nimmt den Bauhof bezüglich der abgemähten Pflanzen in Schutz. „Es gibt Pflegepläne – mir sind die Pflanzungen nicht gemeldet worden. Wäre es ein gepflegtes Beet gewesen, hätte der Bauhof es sicher nicht einfach abgemäht.“ Überhaupt sei in der gesamten Zeit niemand persönlich an Bechtel herangetreten – die Anfragen seien immer über Ortwin Schmidt gelaufen. „Außer meckern kommt da nicht viel von der Elternschaft“, sagt Bechtel.

Ortwin Schmidt wiederum bedauert, dass es kein offenes Gespräch über die Situation und Unzufriedenheit gegeben habe. Der UWG-Ratsherr aus Dahlerbrück hat Verständnis dafür, dass eine gewisse Ungeduld bei den Eltern herrscht. „Der Kita-Umbau war schon im Gespräch, da wurde von der Kita Löh noch gar nicht gesprochen. Und die Kita Löh ist nun bereits fertig“, sagt Schmidt. Andererseits weiß er auch um die Probleme, die so ein Umbau im laufenden Betrieb mit sich bringt. Schmidt erklärt auch, dass eigentlich die Elterninitiative das neue Rasenstück habe mähen wollen, der Grasschnitt sei aber nun an ihm hängen geblieben. Er will aber nicht zu sehr in kleine Details gehen. „Die Lösung ist doch, den Kita-Umbau voranzutreiben, damit man endlich etwas sieht“, sagt Ortwin Schmidt. Das würde der Elternrat wohl unterschreiben. TM

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