Nach dem Urteil geht's weiter

Verurteilt wegen Kinderpornos: Bischof leitet Untersuchung gegen Pastor ein

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Bischof Overbeck (unten) wird nach Erhalt des Strafbefehls eine kirchenrechtliche Voruntersuchung einleiten.

Schalksmühle - Mit dem Urteil gegen den 55-jährigen Pastor wegen der Beschaffung und des Besitzes von kinderpornografischem Material ist es noch nicht vorbei. Das Bistum selbst leitet auch eine Untersuchung ein. 

Am 26. Juni verurteilte das Amtsgericht Lüdenscheid einen katholischen Pastor aus Schalksmühle, der auch in Meinerzhagen, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde und Halver arbeitete, wegen der Beschaffung und des Besitzes von kinderpornografischem Material zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße von 5000 Euro. Zudem soll sich der 55-Jährige einer Sexualtherapie unterziehen. 

Bei den Ermittlungen wurden auf seiner Computerfestplatte und einem externen Speichermedium rund 500 kinderpornografische Dateien entdeckt. Richter Thomas Kabus möchte nun zügig einen schriftlichen Strafbefehl gegen den katholischen Pastor auf den Weg. Vonseiten des Gerichts ist das Verfahren damit weitestgehend abgeschlossen. Doch wie sieht es mit der Zukunft des Pastors aus? 

Das weitere Vorgehen im Bistum

Auf Nachfrage unseres Redakteurs Martin Meyer erklärt Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen, das weitere Vorgehen. Die Verantwortlichen hatten bereits frühzeitig eine kircheninterne Untersuchung angekündigt. 

Wann leitet das Bistum dieses Verfahren gegen den Geistlichen ein? 

Um die Ermittlungsarbeit der Strafverfolgungsbehörden nicht zu behindern, sind kirchenrechtliche Verfahren in der Regel staatlichen Verfahren nachgelagert – so auch in diesem Fall. Sobald dem Bistum Essen das Urteil vorliegt, leitet der Bischof nach der Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst (Ordnung Missbrauch) im Bistum Essen die kirchenrechtliche Voruntersuchung ein und bestellt einen Untersuchungsrichter. 

Was genau passiert dann? 

Im Rahmen dieses kirchenrechtlichen Ermittlungsverfahrens fasst der Untersuchungsrichter das Ergebnis seiner Ermittlungen in einem Bericht für den Bischof zusammen. Wird der Verdacht auf das Vorliegen einer kirchenrechtlichen Straftat bestätigt – wovon im vorliegenden Fall auszugehen ist – leitet der Bischof den Bericht an die Glaubenskongregation in Rom weiter. 

„Der Beschuldigte wird auch im kirchlichen Ermittlungsverfahren vernommen“: Ulrich Lota erläuterte das weitere Verfahren.

Haben Sie Beweise erhalten, die Sie für das Verfahren verwenden können? 

Grundlage des Strafverfahrens gegen den Pastor war eine Anzeige des Bistums Essen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft. Die entsprechenden „Beweise“ waren daher zuvor vom Bistum Essen selbst sichergestellt worden. Als weiterer Beweis dürfte insoweit auch die Entscheidung des Gerichts gegen den Pastor Bedeutung haben. Der Strafbefehl liegt dem Bistum Essen aber noch nicht vor. Außerdem wird der Beschuldigte auch im kirchlichen Ermittlungsverfahren vernommen. 

Welche Konsequenzen folgen aus dem Verfahren? Was kann dem Pastor nun passieren? Kann er entlassen werden? 

Zunächst einmal gilt, dass der Pastor bis zum Abschluss des kirchenrechtlichen Verfahrens weiterhin außer Dienst gestellt ist. Die schwerste Strafe im Kirchenrecht, die gegen einen Priester verhängt werden kann, ist die Entlassung aus dem Klerikerstand. Möglich ist aber auch, dass er der Berufsgruppe der Kleriker weiter angehört, ihm jedoch die Ausübung von Seelsorge und gottesdienstlichen Feiern befristet oder auch dauerhaft verboten wird. Weitere Sanktionen können Geldstrafen, Aufenthalts- und Kontaktverbote sein sowie Auflagen, die sich konkret aus dem Fall ergeben. Werden Sanktionen verhängt, kann die Nichtbeachtung beziehungsweise Nichteinhaltung von Auflagen oder Maßnahmen wiederum zu weiteren Strafen führen. 

Wird sich das Bistum an die Gemeinde wenden und über das Verfahren informieren? 

Das staatliche Strafverfahren ist ja bereits öffentlich. Der Pfarrer als Dienstvorgesetzter ist am Tag der Urteilsverkündung unmittelbar durch den Personalverantwortlichen für das Bistum Essen informiert worden. Auch über das Ergebnis des kirchenrechtlichen Verfahrens wird die Pfarrei informiert. 

Wie geht es jetzt in der Gemeinde Christus König weiter? Pfarrer Claus Optenhöfel ist ja jetzt quasi „Alleinkämpfer“ an mehreren Standorten. Wird es einen Nachfolger für den verurteilten Pastor geben? 

Die betroffene Pfarrei erhält momentan von verschiedener Seite Unterstützung bei den priesterlichen Diensten. Neben dem zuständigen Pfarrer gab und gibt es auch weitere pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Pfarrei und Seelsorge mitarbeiten. Mit Blick auf eine weitere personelle Entlastung befinden sich die Verantwortlichen im Gespräch.

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