Staatsanwaltschaft Hagen hat Anklage erhoben

Kettensägen-Streit landet vor Gericht

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Nach dem blutigen Kettensägen-Streit wurde der Schalksmühler mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Dortmund geflogen und dort notoperiert.

Schalksmühle - Nach dem blutigen Kettensägen-Streit Ende Februar im Bereich Schnarüm, als ein 37-jähriger Landwirt aus Werdohl einem 54-jährigen Schalksmühler lebensgefährliche Schnittverletzungen zugefügt hatte, hat die Staatsanwalt Hagen mittlerweile Anklage gegen den Werdohler erhoben.

„Wir ermitteln gegen den Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung“, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli auf Anfrage unserer Redaktion. Gegen den Schalksmühler, der der Szene der Reichsbürger zuzuordnen ist, wird derweil kein Verfahren eingeleitet. Er hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft als Bewohner des Anwesens am Römerweg bei dieser blutigen Auseinandersetzung am Gartenzaun lediglich im Rahmen der Selbsthilfe gewehrt. Als Geschädigter wird der Schalksmühler allerdings als Zeuge geladen werden. Bislang hat sich der 54-Jährige bei einer Befragung durch die Polizei allerdings nicht zu dem Vorfall geäußert.

Zur Erinnerung: In der Auseinandersetzung ging es um den ehemaligen Hof am Römerweg, der der Lebensgefährtin des Werdohlers bei einer Zwangsversteigerung bereits im August 2015 zugeschlagen worden war. Der Schalksmühler und eine Frau, die das Anwesen bewohnten, hatten sich zuvor mehrfach gegen das Verfahren gewehrt. So wurde auch am Tattag eine Vollstreckungsabwehrklage gegen die Zwangsräumung am Landgericht Hagen verhandelt, wo der Schalksmühler als Zeuge hätte aussagen sollen.

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Der Landwirt aus Werdohl wollte dies nutzen, um an seinem neuen Grundstück Arbeiten mit der Kettensäge an einem Zaun durchzuführen. Weil der Schalksmühler aber nicht im Gericht erschien, kam es zum folgenschweren Zusammentreffen am Römerweg. Der Bewohner des Hauses kam mit einer Kunststoffstange in der Hand auf den Werdohler zugelaufen, um diesen an den Zaunarbeiten zu hindern. Wohl um sich gegen die Schläge mit der Stange zu schützen, kam der Angeklagte mit laufender Kettensäge aus der Hockposition nach oben und fügte dem Schalksmühler Schnittverletzungen an beiden Unterarmen zu. Der 54-Jährige musste aufgrund der Schwere der Verletzungen mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Dortmund geflogen und dort notoperiert werden.

In Notwehr gehandelt?

„Der Werdohler hat den Geschehensverlauf wohl so eingeräumt, geht aber davon aus, sich auf ein Notwehrrecht berufen zu können“, sagte Jens Berndt, Pressesprecher des Amtsgerichts Lüdenscheid, im Gespräch mit unserer Zeitung. Bernd erklärte allerdings auch, dass der Mann aus Werdohl die Arbeiten am Zaun nicht so einfach hätte durchführen dürfen: „Dabei handelt es sich um verbotene Eigenmacht. Der Werdohler ist zwar der neue Miteigentümer des Grundstücks, war aber zum Tatzeitpunkt nicht Besitzer des Zaunes, weil der Verletzte und eine Frau das Grundstück noch bewohnten.“

Verhandelt werden kann der Fall vor dem Amtsgericht Lüdenscheid nach Aussage von Pressesprecher Jens Berndt aus Termingründen frühestens ab Ende September.

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