Pandemie bringt Probleme mit sich

Corona und Winter: Keine leichte Zeit für Suchtkranke

Corona Depression Psyche
+
Corona und die dunkle Jahreszeit haben Auswirkungen.

Die Tage sind kurz, das Wetter trist, der Lockdown schränkt das soziale Leben ein. Was selbst gesunden Menschen aufs Gemüt drückt, bereitet besonders in der melancholischen Vorweihnachtszeit den Suchtkranken große Probleme.

Schalksmühle – „Das sind keine schönen Tage für Leute, die alleine sind, Depressionen oder andere psychische Schwierigkeiten haben. Da wird generell mehr getrunken. Gerade an den Feiertagen“, weiß Gudrun S. (Name von der Redaktion geändert) von den Anonymen Alkoholikern. In Schalksmühle treffen sich diese jeden Dienstag und Freitag an der Hälverstraße.

Die Gruppentreffen finden auch während des Corona-Lockdowns statt – noch. „Wir hangeln uns von Woche zu Woche und warten darauf, dass es auch hier verboten wird“, erwartet Gudrun S. auch in der Volmegemeinde eine baldige Einschränkung der Treffen. Es hänge immer auch vom Vermieter der Räumlichkeiten ab. „In Neuenrade finden zum Beispiel keine Treffen mehr im DRK-Heim statt“, weiß die Regionalsprecherin der Selbsthilfeorganisation.

Treffen finden statt

Damit die Treffen vorerst noch stattfinden dürfen, müssen die gültigen Vorschriften umgesetzt werden: „Jeder Teilnehmer sitzt an einem Einzeltisch, wir haben einen größeren Raum, lüften regelmäßig und tragen Masken“, sagt Gudrun S.

Die Sprecherin sieht aber in den ständig wechselnden Vorschriften und Einschränkungen eine große Hürde, die Betroffene auf ihrem Weg zur Hilfe überwinden müssen. „Mit Neuzugängen ist es momentan schwierig“, erklärt sie. „Wir veröffentlichen regelmäßig unsere Rufnummern in der Zeitung, werden aber nicht wirklich frequentiert. Die Hemmschwelle ist sowieso hoch, dazu kommt die Scham, und jetzt in den Corona-Zeiten muss man sich erst einmal überall umsehen, wo und was überhaupt noch stattfinden kann.“

Dabei seien solche Angebote gerade jetzt sehr wichtig und auch gefragt. „Es ist einfach die dunkle Jahreszeit. Und der Lockdown macht es ganz schwierig. Wenn man nichts mehr hat, sich nicht mehr treffen kann mit Freunden oder im Verein. Wenn man keine Aktivitäten unternehmen kann, die einen ablenken, und keine Familie mehr hat, dann ist das wirklich heftig. Dann ist der Griff zur Flasche programmiert.“

Es ist wichtig zu erkennen, dass man Hilfe braucht

Die Regionalsprecherin rät allen Betroffenen und deren Angehörigen, nicht zu lange zu zögern und sich Hilfe zu suchen. „Man kann sich bei der Gemeinde oder Stadt erkundigen, beim paritätischen Wohlfahrtsverband, bei Suchtberatungsstellen und im Internet“, rät Gudrun S. Dabei sei es zunächst wichtig, überhaupt zu erkennen, dass man Hilfe braucht.

„Das Bewusstsein muss erst einmal da sein. Wenn der Alkohol als Mittel zum Zweck genutzt wird, ist das ein ernstes Zeichen“, mahnt die Sprecherin der Anonymen Alkoholiker. Wer zur Flasche greift, um sich Mut anzutrinken, den Frust zu bekämpfen oder besser schlafen zu können, sollte sich bereits Hilfe suchen. Doch sich dessen bewusst zu werden, ist der erste schwierige Schritt.

Kontakt zu den Anonymen Alkoholikern

In Schalksmühle sind die Anonymen Alkoholiker unter Tel. 0 23 55/33 07 und unter Tel. 01 57/35 50 28 79 zu erreichen oder per E-Mail an aa-schalksmfreitag@t-online.de. Die Treffen finden dienstags und freitags im Pfarrsaal der katholischen Kirche Thomas Morus an der Hälverstraße 8 von 19.30 bis 21.30 Uhr statt. Neben den regelmäßigen Treffen werden auch Videokonferenzen über das Internet angeboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare