Geplanter Windpark von EnBW

Kein Konsens zur Windkraft am Worthberg - viele Einwendungen liegen vor 

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Eine lange Reihe von Menschen, doch längst nicht alle Verantwortlichen, die mit der Windkraft auf dem Worthberg in Verbindung stehen.

Um die drei geplanten Windenergieanlagen am Worthberg zwischen Halverscheid und Schalksmühle ging es bei einem Eröterungstermin in Lüdenscheid. Einwendungen wurden thematisiert, um auch mit diesen Infos eine Entscheidung zu treffen.

Schalksmühle/Lüdenscheid – Knapp sechs Stunden dauerte der Erörterungstermin zu den Windenergieanlagen am Worthberg am Mittwoch im Kulturhaus Lüdenscheid – unter Corona-Regeln und mit Sicherheitspersonal, das den Ablauf kontrollierte und bei Bedarf auch jemanden hinaus begleitet hätte. Doch dazu kam es nicht. Jeder blieb sachlich.

Ziel war ein sachlicher Austausch über die insgesamt 20 Einwendungen, die das Energieversorgungsunternehmen EnBW (Energie Baden-Württemberg) von Schalksmühlern und Halveranern erhalten hat. Jeder Einwender hatte vor Ort die Gelegenheit, mit Verantwortlichen von EnBW und beteiligten Behörden ins Gespräch zu kommen und seine Einwendungen zu erläutern. Man wolle ein „umfassendes Bild“ über das Projekt geben, sagte Moderator Markus Osing eingangs, und betonte, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Das Ergebnis des Erörterungstermins sei hingegen „wichtig für die Entscheidungsfindung“.

Wer war bei dem Termin anwesend?

Anwesend vonseiten der EnBW waren Projektleiterin Anna Saenger, Rechtsanwältin Britta Vogt und Meterologin Svenja Beuchel. Neben ihnen saßen die beauftragten Gutachter: Biologin Svenja Eckern und Wolfgang Grün vom Gutachterbüro Gutschker-Dongus. Timo Mertens erstellte das Gutachten zu Schall, Schatten und Eisfall. Vom Märkischen Kreis waren anwesend: Uriel Schiffgen, Sachgebietsleiter Bauaufsicht, Matthias Hattwig, Sachgebietsleiter Untere Naturschutzbehörde, Christian Faust, Leiter des Fachdienstes Gewässer, Michael Ackermann von der Brandschutzdienststelle, Nils Schäfer von Wald und Holz NRW/Untere Forstbehörde. Von dem Biologischen Dienst NRW war Roland Strauß vor Ort. Ehrenamtlich vor Ort war Klaus Brunsmeier als Vertreter der Naturschutzbehörden. Moderiert hat Markus Osing, Fachdienstleiter Natur und Umweltschutz. Neben Zuschauern waren die Einwender vor Ort, darunter Mitglieder des Vereins Windvernunft. Auch Politiker und Stadt- sowie Gemeindemitarbeiter aus Schalksmühle und Halver nahmen teil.

Was haben die Behörden mitgeteilt?

Alle involvierten Behörden wurden vorab um eine Stellungnahme gebeten. Sie wurden schriftlich bei der EnBW eingereicht. Alle Anwesenden kamen zu Wort, die Stellungnahmen der nicht Anwesenden wurden vorgelesen.

Barbara Schindler neben anderen Einwendern auf den Rängen im Kulturhaus in Lüdenscheid.

Und haben diese Behörden Bedenken geäußert?

Nicht alle. Die meisten Stellungnahmen hatten keine Bedenken zum Vorhaben der EnBW und dem dafür vorgelegten Gutachten. Einige wenige gaben keine Stellungnahmen ab. Darunter waren unter anderem die Stadt Halver (verzichtet) und die Gemeinde Schalksmühle (sie hatte vorab das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt) sowie Enervie und Straßen.NRW. LWL vermutet Bodendenkmäler in dem Gebiet und empfiehlt für Planungssicherheit eine Überprüfung vorab, um einen Baustopp und damit verbundene steigende Kosten zu umgehen – sonst hat LWL keine Bedenken. Vonseiten des Brandschutzes gibt es keine Bedenken, wenn für Feuerwehrfahrzeuge eine Straße angelegt wird, um eine Zuwegung zu garantieren.

Für die Untere Naturschutzbehörde gibt es einen artenschutzrechtlichen Konflikt in Bezug auf den Rotmilan. Auch seien Waldflächen, die gerodet werden müssen, zu ersetzen. Vorgeschlagen wurde beispielsweise, Weihnachtsbaumkulturen zu Laubwäldern umzuwandeln. Weiter seien Quartierbäume von Fledermäusen auszuweisen. Die Bauaufsichtsbehörde fordert ein Maschinengutachten einer Windkraftanlage des Typs V150 nach. Die Stadt Halver betonte, das Stadtgebiet zu berücksichtigen und ausreichend Abstand zu Gebäuden zu halten (1000 Meter). Die Naturschutzverbände sind nicht gänzlich einverstanden. Klaus Brunsmeier betont, dass man für Windkraftanlagen sei, aber in Bezug auf das vorgelegte Gutachten „naturschutzrechtlich anderer Meinung“ sei. Brunsmeier nannte das Vorkommen von Uhu, Rotmilan und Fledermaus, für die Konzepte fehlen. Besonders betonte er, dass sich der Wald seit der Begutachtung verändert habe. „Die Fichtenfläche, die umgewandelt werden soll, gibt es nicht mehr.“

Mit dem Wald verändern sich auch Reviere. Er fordert, dass nicht nur das Vorkommen der Tiere genannt werde, sondern auch die Anzahl dieser Tiere. Weiter solle EnBW sagen, „wie viele Tiere sie bereit wären zu töten“. Ein erneutes Gutachten über einen längeren Zeitraum sollte gemacht werden.

Und was sagt EnBW dazu?

„Wir sind bei der Erstellung der Nachforderungen“, sagte Projektleiterin Anna Saenger am Mittwoch. Einige Stellungnahmen seien sehr kurzfristig eingegangen, sodass noch nicht alles bearbeitet werden konnte.

Worum ging es in den Einwendungen der Bürger?

17 Tagesordnungspunkte, besser Themenkomplexe, geben die Inhalte der Einwendungen wieder. Darunter fallen die Themen Grundwasser, Rückbau, Brandschutz, Schatten, Optik, Denkmalschutz, Naturschutz, Artenschutz, Bergbau, Eiswurf, Schwingungsübertragungen und Immobilienwertminderung.

Welche Themen wurden besonders stark diskutiert?

Zum Aspekt Natur- und Artenschutz wurde viel diskutiert. Neben dem Rotmilan wurden auch Waldschnepfen, Kraniche und Bussarde aufgeführt. Die Begutachtungen wurden scharf kritisiert. Man könne nicht nach wenigen Tagen wissen, wie viele Tiere in den Gebieten leben. EnBW sagte, man halte sich an Methodenstandards und bewege sich immer im rechtlichen Rahmen. Auch zum Thema Optik, Gemeindecharakter und Blick auf die Windräder, die zum Teil 460 Meter entfernt zum nächsten Wohnhaus stehen, seien subjektiv. Manch einer fühle sich jedoch „erschlagen“. „Wir wollen das alles nicht infrage stellen“, hieß es von EnBW. Aus rechtlicher Sicht gebe es jedoch keinen Anspruch darauf, dass die Landschaft im Außenbereich unbeeinflusst bleibt. Es seien vor allem subjektive Eindrücke.

Bei der Begutachtung fielen die Häuser Nummer 16 a und b in Halverscheid auf. Es wurde festgestellt, dass sie eine „große Beeinträchtigung“ haben werden. Deshalb wurden zwei der drei geplanten Anlagen verkleinert. Statt 150 Meter, sind zwei nur noch 135 Meter hoch (Höhe ohne Rotorblätter). Beim Thema Brandschutz machte man sich ebenfalls Gedanken. „Die Schalksmühler Feuerwehr sagte, sie sei hilflos“, sagte Bernd Müller von der UWG Schalksmühle. Das wies Michael Ackermann zurück, sagte aber auch, man könne einen solchen Brand nicht löschen. Visualisierungen, die veranschaulichen sollen, wie sich die Windkraftanlagen ins Stadtbild einfügen, seien so angefertigt, dass sie „nicht besonders bedrohlich“ aussehen, sagte Klaus-Peter Wiebusch, Vorstandsmitglied der Windvernunft. Schwingungen, hieß es, werde man nicht merken.

Das glauben Anwesende nicht. „Und was ist, wenn doch?“, wollte Barbara Schindler wissen. „Dann müsste die Windkraftanlage reduziert werden“, war die Antwort. Das Thema Eiswurf wurde direkt mit Eisfall korrigiert, denn einen „Wurf gibt es nicht“. Die Rotorblätter merkten aufgrund einer besonderen Technik Vereisungen und stoppen – nach drei Umdrehungen, wie auf Nachfrage herauskam. Eisfall könne passieren. Das Risiko, dass jemand getroffen wird, bestehe. Die allgemeine Lebensgefahr im Alltag werde minimal erhöht. Das „ist zu tolerieren“, sagt Britta Vogt. Naherholung sei in dem Gebiet nicht hoch, Anwohner stimmten nicht zu.

Wie war der Austausch mit den Einwendern?

Zum Teil sehr rege. Auf viele Aspekte hat EnBW sachliche Erklärungen liefern können. Unterm Strich wurde aber nach jedem Tagesordnungspunkt vom Moderator Osing festgehalten: „Wir erzielen hier keinen Konsens. Es wird im weiteren Verfahren geprüft.“ Die Einwender stellten mitunter sehr gezielte Fragen, zu denen in einigen Fällen seitens der EnBW und deren Gutachter auf eine Stellungnahme verzichtet wurde. Redezeiten wurden „mit Blick auf die lange Tagesordnung“ begrenzt. Schluss war um 14.37 Uhr. Bis 16 Uhr war der Termin angesetzt und wäre bei Bedarf am Donnerstag fortgesetzt worden.

Wurde eine Entscheidung getroffen? Nein. Das war nicht das Ziel des Termins.

Und wie geht esjetzt weiter? Es hieß, die Entscheidung fällt im Januar. „Einige Punkte sind noch zu prüfen“, sagte Osing abschließend.

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