Katzen als besondere Zuhörer

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Melanie Berker vom Tierheim Dornbusch stellt die Vorteile der „Book Buddies“-Aktion heraus : Die Kinder würden nicht nur zum Lesen animiert, sondern auch die Katzen an Menschen gewöhnt.

Schalksmühle - Wenn Fernseher, Spielekonsole oder das Internet locken, tritt bei vielen Kindern das Lesen immer mehr in den Hintergrund. Dieser Entwicklung möchte nun das Tierheim Dornbusch mit einem ungewöhnlichen sozialen Projekt entgegenwirken.

„Book Buddies“ heißt das Konzept, das in den USA seinen Ursprung hat und dort von der Tufts Universität seit 2014 begleitet wird. Kinder haben dabei die Möglichkeit, Tierheim-Katzen Geschichten vorzulesen. „Auf diese Weise werden nicht nur Kinder zum Lesen animiert“, erklärt Melanie Berker vom Tierheim Dornbusch, die Initiatorin des Programms. „Auch unsere heimatlosen Katzen erfahren im Rahmen von ,Book Buddies‘ menschliche Zuwendung und werden durch die gleichmäßige Stimme der Kinder beruhigt.“

Ab sofort wird die Aktion im Tierheim Dornbusch für Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren immer mittwochs durchgeführt. „Gerade für Kinder, die einfach keine Lust zum Lesen haben oder bloß ein wenig mehr Übung benötigen, ist dieses Projekt gemacht“, erklärt Melanie Berker. „Indem wir diese Kinder mit unseren heimatlosen Katzen zusammenbringen, erfahren sie, dass Lesen nicht unbedingt eine einsame, sondern auch eine gemeinschaftliche Tätigkeit sein kann.“

Die Chance, schwer vermittelbare Katzen an die Nähe von Menschen zu gewöhnen und dadurch unter Umständen eher eine neue Heimat für sie zu finden, macht das Projekt auch für die Zwecke des Tierheims attraktiv.

In den USA habe sich „Book Buddies“ längst bewährt. Trotz ursprünglicher Abneigung gegenüber dem Lesen entwickelten die Kinder Spaß daran und behielten auch nach Ablauf des Programms eine verbesserte Einstellung gegenüber der Schule.

„Das war für uns Grund genug, ein derartiges Projekt auch in unserem Tierheim zu starten“, erklärt Melanie Berker. „Tiere geben den Kindern eine nicht urteilende und nicht kritisierende Umgebung. Auch der Rollenwechsel, also dass die Kinder ,die Großen‘ sein können und ,den Kleinen‘, nämlich den Katzen, etwas vorlesen, hilft dabei, Hemmungen zu verlieren und Ängste abzubauen.“

In der Startphase findet das Projekt immer mittwochs in einem Raum des Tierheims statt, erklärt Thomas Höllmann, Vorsitzender des Lüdenscheider Tierschutzvereins als Betreiber der Einrichtung. „Sollten wir damit Anklang finden, kann das Projekt noch ausgebaut werden.“

Ein Kontingent an Büchern, aus denen vorgelesen werden kann, ist im Tierheim vorhanden. Neben dem Umstand, dass natürlich auch Einzelpersonen teilnehmen können, strebt das Tierheim Kooperationen mit Grundschulen, privaten Einrichtungen sowie Fachleuten, zum Beispiel Logopäden, an – erste Interessenten aus dieser Richtung gibt es bereits. „Ein späterer räumlicher Ausbau des Projektes mit Hilfe von Spendengeldern ist für unsere Einrichtung, für die Kinder und natürlich für unsere Katzen ebenfalls erstrebenswert“, betont Thomas Höllmann.

An dem Projekt können Kinder zwischen 8 und 12 Jahren kostenlos teilnehmen. Jedes Kind erhält eine Buchkarte, auf der insgesamt acht erfolgreiche Teilnahmen abgestempelt werden. „Wenn die Karte voll ist, kann sich das teilnehmende Kind auf eine individuelle Belohnung freuen, die mit den Eltern abgesprochen wird“, erklärt Melanie Berker.

Alle Informationen über den genauen Ablauf sowie die Kontaktdaten sind auf der Homepage www.bookbuddies.de zu finden.

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