Folgen von "Friederike"

Kartellamt macht mehr Wind als „Friederike“

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Mit Kraft fegte Orkantief „Friederike“ durch die Schalksmühler Wälder. Doch für mehr Unruhe unter den heimischen Waldbesitzern sorgt das Bundeskartellamt.

Schalksmühle - Als das Orkantief „Friederike“ über das Land fegte, verursachte es teilweise massive Schäden in Nordrhein-Westfalen. Das Revier Schalksmühle bekam hingegen nicht all zu viel ab. Doch es gibt Probleme, die die heimischen Waldbesitzer weitaus mehr beschäftigen.

Auf rund 1500 Festmeter beziffert Hubertus Bierkoch, Förster des Landesbetriebs Wald und Holz gegenüber unserer Zeitung den Sturmschaden. 

Das sei rund ein Fünftel des Jahreseinschlags. „Tagesgeschäft“, so empfindet der Forstbeamte den Arbeitsaufwand am Holz, den der Orkan in der Gemeinde hinterlassen hat. 80 Prozent der Schäden, die „Friederike“ verursacht hat, seien bereits beseitigt, erklärt Hubertus Bierkoch. Betroffen waren vor allem Nadelhölzer, wie Fichte und Kiefer. Nur vereinzelt waren auch Laubbäume umgekippt. 

„Das hat sich auf viele kleine Stellen verteilt. Im Vergleich zu Kyrill sind das Kinkerlitzchen.“ Bedanken möchte er sich in diesem Zusammenhang bei der Freiwilligen Feuerwehr, die bei dem Unwetter „planvoll, mit Übersicht und absolut professionell gearbeitet hat.“ Der Förster betont an dieser Stelle, dass Waldarbeit immer Gruppensache ist. „Diese Arbeit kann größtenteils nur von Profis erledigt werden. Die Gefahr ist zu hoch.“ 

Wälder nur mit Umsicht und gesundem Menschenverstand betreten

Er fordert die Bürger zudem auf, trotz der nicht vorhandenen Sperrung der Wälder diese nur mit gesundem Menschenverstand und Umsicht zu betreten. Ein Problem bestehe darin, dass nun zu viel Material auf dem Markt ist. „Mit dem gefallenen Holz sind wir am Gesamtmarkt beteiligt. Insgesamt befinden sich dort zurzeit rund 7 Millionen Festmeter aus ganz Deutschland.“

Der Förster befürchtet, dass der Handel, wenn kurzfristig noch mehr Holz angeboten wird, überlastet sein wird. Er appelliert an die Waldbesitzer: „Das Holz sollte besser nach und nach in belastbaren Mengen an die Sägewerke abgegeben werden.“ Angst, dass das Material unbrauchbar wird, hat der Experte nicht. Bei einer sogenannten Lebend-Lagerung, also wenn der Baum mit samt dem Wurzelwerk im Wald liegen bleibt, hält das Gehölz lange durch. 

Der Holzmarkt kann sehr empfindlich sein

So könne man die Mengen in Ruhe abarbeiten. Wie empfindlich der Holzmarkt sein kann, das weiß Hubertus Bierkoch ganz genau. „Wir befinden uns in einer Hochpreisregion. Hier liegen die Preise 20 bis 30 Prozent über dem internationalen Marktniveau. Im weltweiten Vergleich sind wir gegenüber Schweden, Kanada oder den USA schwach aufgestellt. 

Zu Gast bei der FBG und ihrem Vorsitzenden Dieter Coordt (rechts) ist regelmäßig Hubertus Bierkoch vom Regionalforstamt.

Es bleibt fast nur übrig, uns auf dem heimischen Markt zu bewegen.“ Dennoch betrachtet er die regionale Holzwirtschaft als „effizient“. Rund 68 Prozent des Waldbestands in NRW seien laut dem Förster in privaten Händen. So auch bei Dieter Coordt, Vorsitzender der heimischen Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Auch er war von dem Orkan betroffen. Doch sein Holzbestand wurde nur vereinzelt beschädigt. Größere Probleme als „Friederike“ bereitet ihm eine Nachricht vom Bundeskartellamt. 

Diese sieht einen möglichen Verstoß gegen das Kartellrecht durch die Vermarktung der heimischen Hölzer durch den jeweiligen Verantwortlichen des Landesbetriebs Wald und Holz – in Falle von Schalksmühle durch Hubertus Bierkoch. Die Überlegungen könnten dahin gehen, dass diese Tätigkeit auch von privaten Dienstleistern übernommen werden könnte. 

Die Waldbesitzer sind gefordert, Lösungen zu finden

„Bislang hat der Förster immer die Zusammenarbeit mit den Holzbauern gepflegt. Es ist schwer, im Revier den Überblick zu behalten.“ Der Forstbereich könnte bei dem neuen System unter die Räder kommen, ergänzt Hubertus Bierkoch. Glücklicherweise könne man in der Region noch das Gespräch mit dem Kartellamt suchen. 

Die Waldbesitzer sind gefordert, kartellrechtlich belastbare Lösungen zu erarbeiten sowie die Diskussion zu führen. Dieter Coordt: „Die Förster haben uns 40 Jahre lang in der Bewirtschaftung unserer Wälder hervorragend beraten und sind vor allem für den kleinstrukturierten Privatwald enorm wichtig.“ 

Der Waldbesitzer ist der Meinung, dass die FBG Alternativen erarbeiten muss. So wirbelt das Kartellamt derzeit mehr die heimischen Wälder durcheinander, als es das Orkantief „Friederike“ getan hat.

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