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Kaputter Treppenlift im Feuerwehrgerätehaus hemmt Barrierefreiheit

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Von: Thomas Machatzke

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Uwe Giese und der kaputte Treppenlift
Uwe Giese und der kaputte Treppenlift © Thomas Machatzke

In der Hand hält Uwe Giese ein Blatt, auf dem das nächste Frühstück der Awo Schalksmühle im Feuerwehrgerätehaus an der Volmestraße angekündigt wird. Er will es an die Tür des Feuerwehrgerätehauses kleben. Ein bisschen Werbung. Am 20. August soll es wieder soweit sein. Immer am dritten Samstag im Monat. Dass bis dahin der Saal des Feuerwehrgerätehauses im Obergeschoss des Hauses wieder barrierefrei erreichbar sein wird, damit rechnet Giese indes nicht.

Schalksmühle – Der Treppenlift, der seit 2001 mehr als 20 Jahre lang treue Dienste geleistet hat, dieser Treppenlift funktioniert nicht mehr. „Wir haben nun schon zweimal die Akkus austauschen lassen, aber es hat wohl keinen Sinn mehr“, sagt der Awo-Vorsitzende. So jedenfalls hat es ihm die Firma, die die Wartung des Liftes stets vorgenommen hat, gesagt. Alles hat seine Zeit, die Zeit dieses Treppenliftes ist wohl um. Nun soll ein neuer Lift angeschafft werden. Kosten nach erster Schätzung: 14 000 Euro. Kein Pappenstiel. Und vielleicht wird es sogar noch ein bisschen teurer. Eigentlich hat am Mittwoch ein Fachmann vorbeikommen wollen, um die Schienen, auf denen der Lift diejenigen nach oben fahren soll, die es zu Fuß nicht mehr die Treppen hinauf schaffen, zu vermessen. Doch der Vermesser hat kurzfristig abgesagt.

So muss Giese weiter darauf warten, ob die bisherigen Schienen nutzbar bleiben oder ob noch zusätzliche Kosten entstehen. Als das neue Feuerwehrgerätehaus im Jahr 2001 an den Start ging und der damalige Bürgermeister Wilfried Köhler die Awo, den Heimat- und Geschichtsverein und den Schachclub überzeugte, als Mieter in die obere Etage einzuziehen und mithin aus dem Feuerwehrgerätehaus zur Hälfte auch ein Vereinshaus zu machen, da gelang es, der Awo, über Spendengelder die Anschaffung des Treppenlifts zu ermöglichen. Fortan nutzten den Lift zwar auch andere, doch die Awo blieb verantwortlich, kümmerte sich um Wartungstermine und trug auch die Kosten. 300 Euro im Jahr fielen an, und zuletzt, als der Treppenlift in die Jahre gekommen war, auch gerne mal ein paar Euro mehr. Und nun also 14 000 Euro. So viel Geld hat die Awo nicht. Giese hat bei der Gemeinde angefragt, doch die will die Kosten nicht tragen,auch wenn es sich um ein kommunales Gebäude handelt und Bestrebungen um Barrierefreiheit eigentlich en vogue sind. Würde das Feuerwehrgerätehaus heute neu geplant, müsste die öffentliche Hand sogar eine Barrierefreiheit garantieren. Möglicherweise könnte die Kommune sogar Fördertöpfe des Landes anzapfen. Im Jahresbericht des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW für das Jahr 2020 heißt es unter anderem: „Rund 8,75 Millionen Euro (Vorjahr: rund 8,2 Millionen Euro) werden für den Aufbau, den Ausbau und/oder die Erhaltung von Dorfgemeinschaftseinrichtungen und vergleichbaren Mehrfunktionshäusern bewilligt werden.

Kommune sollte Möglichkeiten für Fördermittel prüfen

Zahlreiche Maßnahmen sind auf den barrierefreien bzw. generationengerechten Bau bzw. Umbau von Dorfgemeinschaftseinrichtungen und vergleichbarer Mehrfunktionshäuser ausgerichtet.“ Mit anderen Worten: Gerade für diesen Zweck hat das Land in der Vergangenheit Gelder zur Verfügung gestellt. Die Kommune könnte zumindest einmal Möglichkeiten zur Förderung prüfen. Das macht sie aber bisher nicht. Stattdessen hat Bürgermeister Jörg Schönenberg der Awo versprochen, bei der Beschaffung von Spenden behilflich zu sein. Auch der Unterbezirk der Awo hat seine Hilfe zugesagt. Die verschiedenen Seiten warten nun darauf, was die jeweils andere Seite möglich macht. „Ich hatte auch mit unserem Landtagsabgeordneten Gordan Dudas gesprochen, der uns helfen wollte“, sagt Uwe Giese, „aber da hat der Unterbezirk mich gebeten, erst einmal abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.“

Und so bleibt die zweite Etage für Rollstuhlfahrer und Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, aktuell unerreichbar und mit ihr die Gemeinschaft bei Treffen im Saal. Ein Haus, in dem sich vor allem die Älteren der Gemeinde treffen – bei er Awo und dem Heimat- und Geschichtsverein. „Zwei bis drei Mitglieder kommen nicht mehr, weil sie es nicht nach oben schaffen“, sagt Giese und beschreibt, wie sich nun bei Awo-Treffen unten an der Treppe die Rollatoren sammeln. Die Treppe und den Rest des Weges schaffen manche Gäste noch ohne Rollator. Auch wenn es mit sicherer und leichter wäre. Auch die Schachspieler haben in der Vergangenheit Mitglieder gehabt, die nurmehr mit dem Treppenlift den Weg nach oben geschafft haben. Aktuell ist das zwar nicht der Fall, wie der Verein Auskunft gibt. Doch bei Turnieren und Mannschaftskämpfen ist nie auszuschließen, dass auch ältere Schachspieler zu Gast sind, die den Weg nach oben nicht mehr alleine schaffen. Bisher hat es den Fall noch nicht gegeben, doch ausgeschlossen ist er keineswegs. Barrierefreiheit in Schalksmühle: Die Internetseite der Gemeinde ist barrierefrei, die Bushaltestellen und Bahnsteige sollen es allerorten werden. Am Löh hat die Gemeinde eine vorbildliche Schule für Inklusion entstehen lassen. Aber bei diesem öffentlichen Gebäude soll’s der Mieter selbst richten. Oder er muss auf einen Teil seiner Klientel verzichten. Das klingt nach Exklusion in Zeiten des Inklusionsfortschritts. Auch eine Variante, aber eine ungewöhnliche. 

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