Kaiser-Neubau am Ramsloh sorgt für Ärger

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Der Erweiterungsbau der Firma Kaiser im Gewerbegebiet Ramsloh sorgt bei Anwohnern für Verärgerung.

Schalksmühle - Empörte Anwohner, ein Architekt in Erklärungsnöten und offizielle Unterbrechungen der Sitzung: Im Bau- und Planungausschuss gab es am Montag erhöhten Gesprächsbedarf. Grund dafür war die bereits erfolgte Betriebserweiterung der Firma Kaiser im Gewerbegebiet Ramsloh.

Durch die auf dem Gebäudedach installierte Lüftungstechnik wird die im Bebauungsplan festgeschriebene Gebäudehöhe um bis zu 7,35 Meter überschritten. 2011 hatte die Gemeinde Schalksmühle ihr Einvernehmen erklärt zu einem Antrag, die Gebäudehöhe um 1,60 Meter zu überschreiten. Dieses wird nun durch insgesamt drei unterschiedlich hohe Lüftungsgeräte noch einmal deutlich übertroffen.

Der Märkische Kreis als zuständige Baugenehmigungsbehörde hatte das bemängelt – und so hat das planende Architekturbüro Artec aus Lüdenscheid einen Nachtrag zum Bauantrag eingereicht, in dem ein weiteres Mal die Befreiung von der im Bebauungsplan festgesetzten maximalen Gebäudehöhe beantragt wird. Dazu muss die Gemeinde Schalksmühle erneut ihr Einvernehmen erklären.

Sowohl Architekt Rainer Mekelburg als auch mehrere Anwohner, die sich nicht nur über die Gebäudehöhe sondern auch über Lärmbelästigungen beklagten, waren bei der Sitzung anwesend. Der Vorsitzende Klaus Nelius erteilte zunächst dem Architekten das Wort. Mekelburg betonte: „Das ist uns sehr unangenehm.“ Die Änderungen hätten sich erst während der Bauphase ergeben. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen habe der Bauherr sich entschlossen, die Lüftungsanlagen auf dem Dach zu installieren. Da alle drei nicht unmittelbar an die Fassade angrenzen und weniger als vier Prozent der gesamtem Dachfläche einnehmen, sei man davon ausgegangen, dass das keine genehmigungspflichtige Änderung gewesen sei. „Wir sind nicht unsensibel, aber selbst im 41. Berufsjahr, gibt es immer noch Dinge, die einen überraschen“, sagte der Architekt. Aber letztlich seien für die Lüftungsanlagen die Fachingenieure zuständig: „Das ist keine architektonische Aufgabe.“

Durch eine erste Unterbrechung der Sitzung gab Nelius auch den empörten Bürgern Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Schon zuvor gab es immer wieder spontane Gespräche mit dem Architekten. Eine Anwohnerin erklärte, erst durch ihre Beschwerde wegen Lärmbelästigung sei der Märkische Kreis auf die nicht eingehaltenen Höhenvorgaben aufmerksam geworden. Aber die hohen Lüftungsgeräte in der Landschaft waren für die Betroffenen nur die Spitze des Eisbergs: „Das Gewerbegebiet wird immer mehr zur Zumutung“, war zu hören. Nachtschichten in den Betrieben, nächtlicher Lkw-Verkehr und auch Schneeräumdienste wurden aufgeführt.

Immer wieder musste der Ausschussvorsitzende daran erinnern, auf das eigentliche Thema zurückzukommen – und das war nun einmal ausschließlich die Überschreitung der Höhe. Durch die Bank ärgerten sich die Politiker über das Procedere. „Wir sind schon erstaunt, dass wir das erst auf den Tisch bekommen, als die Anlage komplett fertig ist,“ sagte Udo Kloss (SPD). Nelius (UWG) sagte: „Da ist etwas komplett schief gelaufen“, und betonte, daraus Lehren für künftige Entscheidungen zu ziehen. Alle Fraktionen äußerten die Vermutung, dass sie bewusst hinters Licht geführt worden seien. Darüber, ob die Anlagen die Landschaft verschandeln oder nicht stören, gingen die Meinungen auseinander, aber viel Spielraum hatten die Politiker nicht: Ralf Bechtel vom Fachbereich Planen und Bauen erklärte, dass es rechtlich keine Gründe von „städtebaulicher Relevanz“ gegen die Genehmigung gebe. Wenn die Gemeinde ihr Einvernehmen verweigere, könne der Kreis sie dennoch erteilen.

Bevor es zur Abstimmung kam, unterbrach Nelius erneut die Sitzung, damit sich die Fraktionen intern kurz beraten konnten. Letzlich stimmte die UWG mit fünf Stimmen für das Einverständnis. Die drei SDP-Politiker waren dagegen, FDP und CDU enthielten sich. - Von Bettina Görlitzer

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