Kabarett: Sinnentleerte Rechtsfälle

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Wo er auch hinschaut – ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), ins Reise- oder Jugendrecht oder ins Nachbarland Österreich: Überall entdeckt Kabarettist Werner Koczwara Pointen zuhauf.

Schalksmühle - „Nix erfunden – alles echte Fakten!“ Aus dem wirklichen Leben, Gesetzesbüchern, Fällen, Urteilen, Klagen und Beschwerden fischte Humorist Werner Koczwara am Freitagabend beim Kabarett im PZ Löh die lustigsten Pointen heraus.

Von Monika Salzmann

Schwarzhumorig präsentierte der Schwabe vor ausverkauftem Haus den zweiten Teil seines Erfolgsprogramms „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“. Anspruch und Humor brachte er perfekt unter einen Hut. Der Fall einer Erdkundelehrerin, die sich im Reisebüro über den zu schnellen Sonnenuntergang auf Mauritius beklagte, war da noch einer der harmloseren Fälle. Ursache des Ärgernisses: Das Versöhnungsessen mit ihrem Angetrauten war durch den plötzlichen Nachteinbruch geplatzt. War ihr wohl entgangen, dass Mauritius in Äquatornähe liegt, wo’s nun mal schnelle Sonnenuntergänge gibt.

Nicht zu toppen war indes die Reisebeschwerde eines wegen getrennter Betten um ein „friedliches und harmonisches Schlaf- und Beischlaferlebnis“ gebrachten Urlaubers, der sich durch das Urteil eines sich vermutlich köstlich amüsierenden Richters eines Besseren belehrt sah. Mit der Begründung, dem Gericht seien mehrere Varianten des Beischlafs bekannt, die auf ‚einem’ Bett ausgeübt werden können – durchaus zur Zufriedenheit aller Beteiligten – schmetterte der Rechtsvertreter die tatsächlich ernst gemeinte Beschwerde ab. Sogar Tipps, wie der Mann hätte Abhilfe schaffen können, enthielt das zwerchfellerschütternde Urteil.

Wo er auch hinschaut – ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), ins Reise- oder Jugendrecht, auf den Verordnungswahn der EU oder ins Nachbarland Österreich: Überall entdeckt Werner Koczwara Pointen zuhauf. Dem Motto gemäß „Wo Ordnung zu Unfug wird, da wird Justiz zu Komik“ langte er auf seine trockene, bissige Art kräftig hin. Nichts, weder der Gartenzwerg, der auf einer gemähten Wiese größer aussieht als auf einer ungemähten, noch die hirnrissige Seilbahnverordnung der EU für Mecklenburg-Vorpommern – wer, um Himmels willen, braucht auf dem platten Land eine Seilbahn – entging seinem scharfsinnigen Blick.

Mit der Rechtslage von Skeletten („herrenlose Persönlichkeitsreste“), verrückten Grenzsteinen mit Borderline-Syndrom, Pflichten von Kindern und Rentnern im Haushalt, der Verwendung von toten Igeln als Kaktus und vielen anderen Kuriositäten beschäftigte sich der freche, spöttelnde Humorist. Gepfefferte Kommentare waren zu befremdlichen, sinnentleerten oder gnadenlos komischen Rechtsfällen Zünglein an der Waage.

In die Kategorie höchst befremdlich fiel dabei der Bescheid einer Krankenkasse an einen Mann, der einer Frau zu Hilfe geeilt und dabei selbst verletzt worden war. „Die Rettung und die hohen Heilungskosten lagen nicht im Interesse der Frau“, befand die Krankenkasse. Begründung: Hätte der Irre weiter auf die Frau eingeschlagen, wären wahrscheinlich nur Beerdigungskosten entstanden. Ups, ganz schön brutal! Dass er auch singen kann, stellte Koczwara bei den Zugaben mit „Fever“ alias „Biber“ unter Beweis.

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