Jugendbegegnungsfahrt: Das Erbe von Conny Mühlen

Conny Mühlen wäre im vergangenen Jahr 90 geworden.

SCHALKSMÜHLE ▪ Heute endet die Jugendbegegnungsfahrt in der Partnerstadt Ruhla (Thüringen) des Jugendzentrums Wansbeckplatz. Ein Mann setzte sich nach der Wende maßgeblich für eine Städtepartnerschaft mit Ruhla ein – Conny Mühlen.

Viele Menschen in Schalksmühle und auch darüber hinaus erinnern sich noch gut an ihn. Bekannt ist er als langjährige Bürgermeister von Schalksmühle und als Autor. Conny Mühlen verstarb 2003. Im vergangenen Jahr wäre er 90 Jahre alt geworden.

Conny, der eigentlich Paul Gerhard Mühlen hieß, wurde 1921 in Halver geboren. 1964 wurde er das erste Mal in den Gemeinderat und schließlich 1966 als parteiloser Einzelbewerber zum Bürgermeister gewählt. Schalksmühle gehörte damals noch zum Amt Halver.

1969 kam die Kommunalreform. Damals stand zur Diskussion, ob Schalksmühle zerschlagen und verschiedenen Gemeinden zugeteilt oder unabhängig sein sollte. Zu dieser Frage wurde unter maßgeblicher Beteiligung von Conny Mühlen die UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft) gegründet, die sich vehement für die Eigenständigkeit von Schalksmühle einsetzte. Bei den Wahlen erhielt die UWG auf Anhieb die absolute Mehrheit. Conny Mühlen blieb bis 1991 für die UWG Bürgermeister.

Bürgermeister arbeiteten damals noch ehrenamtlich, Mühlen war beruflich als Handelsvertreter für Werkzeugmaschinen tätig. Er sprudelte vor Ideen und griff auch Anregungen von anderen auf. So organisierte er 1984 die Gründung des Vereins zur Hilfe für die Sahelzone, den es heute noch gibt. Er unterstützte damit die Idee, Menschen in der Sahelzone bei der Bewältigung der damaligen Dürrekatastrophe zu helfen. Des Weiteren gründete Mühlen den Förderverein für die Realschule Schalksmühle. 1988 rief er auch das Projekt „Bürgerbus“ ins Leben, der noch heute in Schalksmühle fährt.

Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1991 gab es in Schalksmühle eine Welle der Hilfsbereitschaft. Noch im selben Jahr wurden die ersten betroffenen Kinder aus der Unglücksregion für einige Wochen in der Volmegemeinde aufgenommen. Unter Mühlens Beteiligung wurde 1992 der Tschernobyl-Verein gegründet.

Durch seine berufliche Tätigkeit hatte Conny Mühlen Kontakte nach Ruhla in der damaligen DDR. Bereits 1986 versuchte er als einer der Ersten in der Bundesrepublik eine Städtepartnerschaft im Osten zu begründen. Eine Delegation aus Schalksmühle fuhr nach Ruhla, hatte aber zunächst keinen Erfolg. Erst nach der Wende wurde die Urkunde unterzeichnet. Durch sein Engagement kam es auch zu der Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt Wansbeck.

Conny Mühlen legte viel Wert auf Bürgernähe – wenn er spazieren ging, ging er an belebten Orten, wo die Menschen ihn ansprechen konnten. In seine Sprechstunde konnte jeder ohne Termin kommen – wegen der vielen Besucher hatte er ein Wartezimmer. Bekannt wurde Mühlen auch wegen seiner Arbeitsvermittlung. Durch seine vielen Kontakte zu Schalksmühler Firmen vermittelte er Arbeitslose am Arbeitsamt vorbei. Dabei riskierte er auch ein Bußgeld des Arbeitsamtes. Wichtig war ihm auch sein Kegelclub, in dem er eine direkte Resonanz auf die Gemeindepolitik erhielt.

Verheiratet war Conny Mühlen mit Jose Mühlen. Sie galt als ruhender Gegenpol zu ihm. Sie führten eine lange Ehe. Es ist bekannt, dass Conny Mühlen seiner Frau jeden Morgen einen Vierzeiler schrieb. Jose Mühlen starb 2010.

„Ich war und bin gerne klein”

In seiner knappen Freizeit malte Conny Mühlen und verfasste mehrere Bücher, beispielsweise „Und darum heiße ich Conny“, „Vom Apachenhäuptling zum Bürgermeister“ oder „Mit echtem Schrot und Doppelkorn“. In seinem autobiographischen Buch „Und darum heiße ich Conny“ schreibt er, dass er wegen seiner geringen Körpergröße einen kürzeren Namen erhielt. „Ich war und bin gerne klein“ heißt es in dem Buch. In seinen Büchern sammelte er auch Beiträge von anderen Autoren aus Schalksmühle. Kurz vor seinem Tod gab er noch eine Sammlung von Aphorismen heraus. Viele Schalksmühler erinnern sich heute noch daran, wie er an einem kleinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt seine Bücher verkaufte. Der Erlös war meist für einen guten Zweck bestimmt.

Auch nach seiner Zeit als Bürgermeister blieb Conny Mühlen in der Volmegemeinde aktiv und wurde auch oft um Hilfe gebeten. Seine Tätigkeit als Oberhaupt der Gemeinde hatte er deshalb aufgegeben, weil Schalksmühle seiner Meinung nach keinen 70-jährigen Bürgermeister haben sollte. ▪ Rosemarie Lichte

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